Hofheim/Taunus (Hessen)

Datei:Hofheim am Taunus in MTK.svg Hofheim a.T. ist mit derzeit ca. 40.000 Einwohnern die Kreisstadt des hessischen Main-Taunus-Kreises; sie liegt zentral im Rhein-Main-Gebiet zwischen der Landeshauptstadt Wiesbaden und Frankfurt/Main (Karte Hagar, 2009, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Ein erster urkundlicher Beleg über die Ansässigkeit einer jüdischen Familie in Hofheim stammt aus dem ausgehenden 14.Jahrhundert.

Ansicht von Hofheim – Stich M. Merian, um 1655 (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges haben dann kontinuierlich maximal fünf jüdische Familien in Hofheim gelebt. Die Synagoge der israelitischen Gemeinde Hofheim soll sich ab Beginn des 17.Jahrhunderts in einem Wehrturm der mittelalterlichen Stadtbefestigung befunden haben. Zwischenzeitlich muss die Gemeinde so klein gewesen sein, dass sie ihren Synagogenraum aufgab und die Hattersheimer Synagoge mitbenutzte; doch gegen Ende des 18.Jahrhunderts wurde der einstige Wehrturm wieder von der Hofheimer Gemeinde zu gottesdienstlichen Treffen genutzt.

Im „Büttelturm“ befand sich die Hofheimer Synagoge (Aufn. um 1970, aus: P. Arnsberg) 

Die Anlage des jüdischen Friedhofs in Niederhofheim geht in die Zeit des 17.Jahrhunderts zurück; trotz Zerstörungen sind hier noch Grabsteine aus dem 18.Jahrhundert zu finden.

Als besondere Einrichtung bestand in Hofheim das „Raphael- und Jeanette Ettlinger'sches Kindererholungsheim“ in der Kapellenstraße, das 1909 von dem Ehepaar Ettlinger aus Karlsruhe gestiftet worden war und erholungsbedürftige jüdische Kinder aus ganz Deutschland aufnahm.

                           Anzeige von 1925

 Die israelitische Gemeinde Hofheim war dem Rabbinat Wiesbaden zugeordnet.

Juden in Hofheim:

         --- 1724/25 ....................... 38 Juden,

    --- 1799 .......................... 16   “  ,

    --- 1825 .......................... 21   “  ,

    --- 1843 .......................... 45   “  ,

    --- 1900 .......................... 36   “  ,

    --- 1925 .......................... 70   “  ,*      *andere Angabe: 40 Pers.

    --- 1933 (Juni) ................... 35   “   (8 Familien),

    --- 1939 .......................... 12   “  ,

    --- 1942 (Juni) ...................  keine.

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 1, S. 382

und                 Joachim Janz, “Wir waren alte Bürger von Hofheim”

Einige Pensionen boten sich in Hofheim jüdischen Gästen an.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20128/Hofheim%20TS%20Israelit%2025061891.jpg  http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20326/Hofheim%20FrfIsrFambl%2018101912.jpg Kleinanzeigen von 1891 und 1912

In den 1920er Jahren lebte die jüdische Minderheit völlig problemlos mit der christlichen Mehrheit zusammen; die jüdischen Familien waren voll in die kleinstädtische Gesellschaft integriert, was die Berichterstattung über die Neueinweihung der Synagoge 1926 belegte:

„ ... Dank der Mithilfe der staatlichen Behörden ... dank dem Opferwillen der Glaubensgenossen war es möglich, die Arbeiten so zu fördern, daß die Synagoge nach halbjähriger Unterbrechung wieder ihrer Bestimmung übergeben werden konnte. ... Nach einem Chorgesang überbrachten noch Glückwünsche: der Landrat des Kreises, der Bürgermeister der Stadt, die Pfarrer der beiden Kirchen, Rektor Kunz für die Schule ... Die Einweihungsfeier gestaltete sich zu einer erhebenden Kundgebung konfessioneller Eintracht.”

Nicht einmal ein Jahrzehnt später bewirkte die antijüdische NS-Politik, dass die meisten Hofheimer Juden den Ort verließen; zu Kriegsbeginn lebten hier nur noch zwölf jüdische Bewohner. Allerdings schien die Durchsetzung der NS-Boykottmaßnahmen in Hofheim auf Widerstand gestoßen zu sein; denn selbst NSDAP-Mitglieder mussten erst davon ‚überzeugt’ werden, ihre Einkäufe nicht mehr in jüdischen Geschäften zu tätigen.

Während des Novemberpogroms wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört. Aus der „Hofheimer Zeitung” vom 12.11.1938:

Auch Hofheim judenfrei

... Der feige Mord an ... vom Rath löste auch in Hofheim die größte Entrüstung aus ... machte die gerechte Empörung der Bevölkerung sich ... Luft und schritt auch hier zur Vergeltung gegen die Gebäude der hiesigen Juden. Die Ausräucherung der wirklich unser Stadtbild nicht verschönernden Synagoge verhütete das Eingreifen der SA in Anbetracht der erhöhten Feuergefahr in der engen Burggrabenstraße. Während an den Juden selbst keinerlei Rache ausgeübt wurde, konnten sie, ohne belästigt zu werden, abziehen.

Auch das Ettlinger’sche Kinderheim wurde beim Novemberpogrom verwüstet. Im Zuge der „Arisierung“ jüdischen Besitzes musste der Trägerverein 1938 das Haus an Nichtjuden verkaufen. Im Januar 1939 erwarb die Stadt Hofheim das Anwesen weit Wert, der Kauf musste allerdings rückgängig gemacht werden; ein Jahr später ging es in Privathand über.

Nachweislich sind zwölf gebürtige bzw. länger am Ort lebende jüdische Bewohner der NS-Verfolgung zum Opfer gefallen.

1985 wurde am Untertor eine Gedenktafel angebracht, die an die hier bis 1938 stehende Synagoge erinnern soll.

Teil der Stadtbefestigung, erbaut nach 1352

über längere Zeiträume hinweg bis zur Verwüstung durch die Nationalsozialisten am 09.11.1938 Synagoge der Jüdischen Gemeinde.

Inmitten des jüdischen Friedhofs befinden sich ein Denkmal für die jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges sowie ein Gedenkstein für die 34 Juden, die in der NS-Zeit ermordet wurden.

2008 wurde damit begonnen, sog. „Stolpersteine“ zu verlegen; derzeit sind im gesamten Stadtgebiet etwa 90 dieser Gedenktäfelchen zu finden, davon mehr als 30 in der Kernstadt (Stand 2018); die anderen sind in den Stadtteilen Diedenbergen, Wallau und Marxheim verlegt.

                                in der Burgstraße (Aufn. Nietner, aus: Kreisblatt.de, 2008)

in der Bärengasse und Brühlstraße (Aufn. aus: hofheim.de) Stolpersteine.JPG

[vgl. Wallau (Hessen)]

 

Hinweis: Im gleichnamigen unterfränkischen Hofheim gab es auch eine israelitische Gemeinde. [vgl.  Hofheim (Unterfranken/Bayern)]                                      

 

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 1, S. 382/383

Roswitha Schlecker (Bearb.), Die Jüdische Gemeinde in Hofheim - Zusammenstellung von Daten zur jüdischen Bevölkerung in Hofheim, Maschinenmanuskript, Hofheim 1981

Thea Altaras, Synagogen in Hessen - Was geschah seit 1945 ?, Verlag K.R. Langewiesche Nachfolger Hans Köster, Königstein 1988, S. 165/166

Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945, Hessen I: Regierungsbezirk Darmstadt, VAS-Verlag, Frankfurt/M. 1995, S. 236/237

Joachim Janz, “Wir waren alte Bürger von Hofheim” - Nachbarn, Freunde, Opfer. Die letzten zwei Jahrzehnte der jüdischen Gemeinde Hofheim, in: ‘Zwischen Main und Taunus’ - Jahrbuch des Main-Taunus-Kreises 6/1998, S. 74 f.

Hofheim am Taunus mit Marxheim und Kriftel, in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Anna Schmidt, Hofheim 1933 – 1945. Sieben Gemeinden im Nationalsozialismus, Hofheim 2005 (Begleitpublikation zur Ausstellung „Verdrängt, verleugnet, vergessen ...“, hrg. vom Stadtmuseum/Stadtarchiv)

Hofheim am Taunus: 25 neue Stolpersteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus, in: „Pressemeldung Rhein-Taunus-Kreis“ vom 10.5.2010

hk (Red.), Drei weitere Stolpersteine, in: „Frankfurter Neue Presse“ vom 28.8.2013

Magistrat der Stadt Hofheim am Taunus (Hrg.), Stolpersteine in Hofheim, online abrufbar unter: hofheim.de/tourismus/Stadtportrait/Stolpersteine/Stolpersteine_in_Hofheim (mit biografischen Daten der NS-Opfer)