Hofheim (Unterfranken/Bayern)

Datei:Hofheim in Unterfranken in HAS.svg Hofheim i. UFr. ist eine Kommune mit derzeit ca. 5.000 Einwohnern im Landkreis Haßberge und und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Hofheim/Unterfranken - knapp 30 Kilometer nordöstlich von Schweinfurt gelegen (Karte Hagar, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Die Zahl der jüdischen Bewohner in Hofheim erreichte zu keiner Zeit mehr als 60 Personen; zur Bildung einer Gemeinde kam es hier erst um 1880, nachdem einige Familien aus Lendershausen und anderen Orten nach 1860 hier zugezogen waren.

Zunächst besuchten die Hofheimer Juden Gottesdienste in der Synagoge von Lendershausen. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges erwarb die Gemeinde ein Haus in der Ortsmitte (Kirchgasse), in dem der Betsaal, ein Raum für den Religionsunterricht und eine Keller-Mikwe untergebracht waren.

       Ehem. jüdisches Gemeindehaus (hist. Aufn. )

Die religiös-rituellen Aufgaben besorgte ein Religionslehrer, der die Hofheimer und Lendershausener Juden gemeinsam betreute.

                                     aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31.Jan. 1924

Einer der herausragendsten Gemeindemitglieder war der Kaufmann Moses Reus. In einem anlässlich seines Todes erschienenen Artikel der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 7. Januar 1927 wurde sein einstiges Wirken gewürdigt:„ Hofheim in Unterfranken. Am 25. Dezember (1926) verschied in Hofheim der Kaufmann Moses Reus, der seit Gründung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden dessen Tagung als Mitglied angehörte und lange Jahre hindurch das Vorsteheramt in seiner Gemeinde bekleidet hat. Mit ihm verliert die unterfränkische Judenheit eine ihrer markantesten Persönlichkeiten. Trotz seiner vorgerückten Jahre war der Dahingeschiedene unermüdliche im Interesse seiner Gemeinde, wie im Interesse des Verbandes tätig, für den er stets mit voller Hingabe eingetreten ist. Als Kassier des Rabbinatsbezirks Burgpreppach hat er die Geschäfte des Bezirks in musterhafter Weise geführt. Auch im Kuratorium der früheren Bürgerschule Burgpreppach war er bis zuletzt tätig. Sein Andenken wird bei allen, die ihn kannten, stets in hohen Ehren gehalten werden.“

Verstorbene wurden auf dem jüdischen Bezirksfriedhof in Kleinsteinach beerdigt.

Als 1920 die israelitische Kultusgemeinde Lendershausen aufgelöst wurde, schlossen sich die verbliebenen Gemeindemitglieder der Kultusgemeinde Hofheim an.

Juden in Hofheim:

--- 1867 .........................   7 Juden,

--- 1871 .........................  24   “  ,

--- 1880 .........................  39   “  (ca. 4% d. Bevölk.),

--- 1890 .........................  47   “  (ca. 5% d. Bevölk.),

--- 1900 .........................  39   “  ,

--- 1910 .........................  59   “  (ca. 6% d. Bevölk.),

--- 1925 .........................  54   “  ,

--- 1940 .........................  keine.

Angaben aus: Cordula Kappner, Aus der jüdischen Geschichte des heutigen Landkreises Hassberge

1881 erreichten die antijüdischen Unruhen – ausgelöst vom Hofprediger Stöcker – auch Hofheim; so wurden bei zwei jüdischen Familien Fensterscheiben eingeworfen.

Anfang der 1930er Jahre lebten in Hofheim noch ca. 45 jüdische Bewohner, die als Viehhändler und im Einzelhandel tätig waren.

Zwei gewerbliche Anzeigen von 1901/1902

Landgerichtsstraße mit dem Geschäft von B. Friedmann (Sammlung A. Elpelt)

Das insgesamt einvernehmliche Verhältnis zwischen den jüdischen und christlichen Einwohnern wurde im Zusammenhang des angeblichen Ritualmordes von Manau (1929) erheblich gestört; denn die Nationalsozialisten nutzten dies in der Folgezeit zu Propagandazwecken weidlich aus.

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung des Betsaals mit den hierher verbrachten wertvollen Ritualien aus der Synagoge Lendershausen vernichtet (oder entwendet ?). Das Gebäude selbst blieb erhalten und wurde zu einem Wohnhaus umgebaut.

Im Gefängnis von Hofheim wurden jüdische Männer aus der ganzen Gegend eine Zeitlang festgehalten. Täglich mussten sie mit dem Transparent „Kolonne Grünspan lernt arbeiten!“ zu Arbeitseinsätzen marschieren.

h89_19Abb. C. Stephani, aus: DAVID- Jüdische Kulturzeitschrift, Heft 87 (7/2011)

Auf Grund zunehmender Repressalien verließen bis 1940 alle Familien den Ort; während einem Teil die Emigration gelang, verzog der andere in größere deutsche Städte.

Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem/Jerusalem wurden zwölf ehemalige jüdische Bewohner Hofheims Opfer der Shoa.

 

An der Außenwand der Kirche erinnert heute eine kleine Tafel an die einstige jüdische Gemeinde.

                                                  Abb. aus: alemannia-judaica.de

 

Hinweis: Im gleichnamigen Hofheim (Taunus) existierte auch eine kleine jüdische Gemeinde. [vgl. Hofheim (Hessen)]

 

Weitere Informationen:

Baruch Z.Ophir/F. Wiesemann (Hrg.), Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918 - 1945. Geschichte und Zerstörung, Oldenbourg-Verlag, München/Wien 1979, S. 73 und S. 347/348

Israel Schwierz, Steinerne Zeugen jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation, Hrg. Bayrische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 1992, S. 73

Cordula Kappner, Die jüdischen Bürger in Hofheim, in: Chronik der Stadt Hofheim und ihrer Stadtteile, hrg. Arbeitskreis Hofheimer Stadtgeschichte, 1993, S. 111 - 114 

Cordula Kappner, Aus der jüdischen Geschichte des heutigen Landkreises Hassberge, Hrg. Landratsamt Hassberge, Hassfurt 1998

Hofheim (Unterfranken), in: alemannia-judaica.de (mit diversen Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Cordula Kappner, „Oppenheimer Wein ist giftig". Vom Judentörle zum Faschingswagen - kleiner Abriss der Geschichte der jüdischen Bürger in Hofheim, in:  "Main-Post" vom 3. 6. 2011

Claus Stephani (Red.), „Kolonne Grünspan lernt arbeiten“ - Im Jüdischen Museum Berlin. Eine Ausstellung klagt an, in: "DAVID – Jüdische Kulturzeitschrift" Heft 87 (7/2011)

Roland Flade (Red.), Tage der Schande, in: „Main-Post“ vom 8.11.2013 (betr. u.a.: „Kolonne Grünspan lernt arbeiten“)

Martin Schweiger (Red.), Die Erinnerung an jüdische Opfer am Leben erhalten, in: „Main-Post“ vom 15.5.2019