Horkheim (Baden-Württemberg)

Bildergebnis für landkreis heilbronn karte Datei:HeilbronnKarteHorkheim.png  Horkheim ist seit 1974 ein Ortsteil der Stadt Heilbronn mit derzeit ca. 4.000 Einwohnern (Kartenskizzen 'Landkreis Heilbronn', aus: ortsdienst.de/baden-wuerttemberg/landkreis-heilbronn  und  'Stadtteil Heilbronns' mit Horkheim farbig markiert, S. 2006, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0).

 

Gegen Ende des 17.Jahrhunderts wurden erstmals Juden in der Burg Horkheim aufgenommen; von der Kurpfalz mit der Burg Horkheim belehnte Adelsfamilien (Heilbronner Patrizier) sahen in der Ansiedlung von Juden eine Gelegenheit, durch die von diesen geleisteten Schutzgeldzahlungen ihre eigene finanzielle Situation zu verbessern. Wenn die ‚kurpfälzischen’ Juden die Burg verließen, begaben sie sich „ins Ausland“ und mussten deshalb Leibzoll an Württemberg bezahlen. Im Dorf selbst hingegen war Juden bis 1811 jegliche Ansässigkeit untersagt. Die meisten ‚Burg-Juden’ waren anfänglich nicht zu Schutzgeldzahlungen verpflichtet, da sie die eingefallenen Gemäuer der Burg auf ihre Kosten hergerichtet und hier auch neue Wohnungen erstellt hatten. Gleichzeitig boten sie dem Burgherrn auch ihre Dienste an, indem sie als Geldgeber fungierten.

Seit Beginn des 18.Jahrhunderts sind ein Synagogenraum und eine Mikwe bezeugt; beide befanden sich im Wohnturm der Burganlage.

                                  Horkheimer Burganlage (Aufn. J. Hahn, 2005)

Seit 1750 kam es zu erheblichen Differenzen, als der neue Grundherr der Burg Horkheim finanzielle Forderungen an die jüdischen Bewohner stellte. Bis 1790 verließ ein Teil der jüdischen Familien die Burg. Erst nach 1806 konnten sich Juden auch im Dorf Horkheim niederlassen. Zeitweilig hatten sie hier einen eigenen Synagogenraum zur Verfügung. Im Zusammenhang der Neuorganisation der israelitischen Gemeinden in Württemberg wurden die Horkheimer Juden im Jahre 1832 der Kultusgemeinde Sontheim zugewiesen; hier suchten sie auch die Gottesdienste auf; ob weiterhin der hiesige Betraum benutzt wurde, ist nicht bekannt.

[vgl. Sontheim (Baden-Württemberg)]

Bis ca. 1840 begruben die Horkheimer Juden ihre Toten auf den jüdischen Friedhöfen in Affaltrach, Heinsheim oder Neckarsulm, zuletzt auf dem Friedhof in Sontheim.

Juden in Horkheim:

         --- um 1745 ....................... 12 jüdische Familien,*       * Burg Horkheim

    --- um 1750 ....................... 17     “       “    ,*

    --- um 1770 ....................... 90 Juden,*

    --- um 1790 .......................  8 jüdische Familien,*

    --- 1828 .......................... 54 Juden,**                 ** Burg und Dorf Horkheim

    --- 1841 .......................... 64   “  ,

    --- 1858 .......................... 72   “  ,

    --- 1867 .......................... 32   “  ,

    --- 1885 .......................... 41   “  ,

    --- 1895 .......................... 25   “  ,

    --- 1905 .......................... 17   “  ,

    --- 1933 ..........................  4   “  .

Angaben aus: W.Angerbauer/H.G.Frank, Jüdische Gemeinden in Kreis und Stadt Heilbronn. Geschichte ..., S. 115

 

Ab den 1860er Jahren wanderten die jüdischen Bewohner Horkheims zunehmend ab, vor allem ins benachbarte Heilbronn.

Zu Beginn der NS-Zeit lebten nur noch vier jüdische Bewohner im Ort; diese wurden 1941/1942 deportiert; alle vier kehrten nicht mehr zurück.

Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem/Jerusalem und des „Gedenkbuches – Opfer der Verfolgung der Juden ...“ wurden zwölf aus Horkheim stammende Juden Opfer der „Endlösung(namentliche Nennung der betroffenen Personen siehe: alemannia-judaica.de/horkheim_synagoge.htm).

 

Bei einer Renovierung des Horkheimer Burgturms wurde vor kurzem eine Freskoarbeit mit hebräischer Inschrift freigelegt.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2054/Horkheim%20Burg%20202.jpg  http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2039/Horkheim%20Burg%20013.jpg

Burgturm und dort anzutreffende Relikte von Fresken (Aufn. Ekkehard Fritz)

Im Heilbronner Stadtteil Horkeim erinnern mehrere „Stolpersteine“ an jüdische Opfer der NS-Gewaltherrschaft.

verlegt in der Hohenloher Straße (Aufn. Rolf Acker, 2019, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

 

[vgl. Heilbronn (Baden-Württemberg)]

 

 

 

Weitere Informationen:

Duncker, Zur Geschichte der Juden in Horkheim und Talheim, in: "Vierteljahrshefte des Zabergäuvereins" (1905), S. 4 - 16

Paul Sauer, Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. Denkmale - Geschichte - Schicksale, Hrg. Archivdirektion Stuttgart, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1966, S. 103

W.Angerbauer/H.G.Frank, Jüdische Gemeinden in Kreis und Stadt Heilbronn. Geschichte - Schicksale – Dokumente, in: "Schriftenreihe des Landkreises Heilbronn", Band 1, Hrg. Landkreis Heilbronn 1986, S. 110 - 115

Ekkehard Fritz, Dokumentation über die Bestandssicherung der ehemaligen Synagoge im Turm der Burg Horkheim, Horkheim 2003

Horkheim, in: alemannia-judaica.de

Joachim Hahn/Jürgen Krüger, “Hier ist nichts anderes als Gottes Haus ...” Synagogen in Baden-Württemberg, Teilband 2: Orte und Einrichtungen, Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart 2007, S. 195/196

Auflistung der Stolpersteine in Heilbronn, online abrufbar unter: stolpersteine-heilbronn.de