Innsbruck/Tirol (Österreich)

Datei:Karte A Tirol I.svg Das im westlichen Teil Österreichs liegende Innsbruck ist die Hauptstadt des Bundeslandes Tirol mit derzeit ca. 131.000 Einwohnern (Kartenskizze von Tirol mit Innsbruck dunkel markiert, A. 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

 

Seit ca. 1300 hielten sich Juden in Tirol auf, doch war ihre Anzahl stets sehr gering; sie arbeiteten vornehmlich als Händler, Zolleinnehmer und Geldverleiher im Auftrag der Görzer Grafen. Nachdem Kaiser Maximilian I. 1496 „auf ewige Zeiten“ die Juden aus der Steiermark und den niederösterreichischen Ortschaften vertrieben ließ, zogen vermehrt Juden nach Tirol. Die erste Niederlassung einer jüdischen Familie in Innsbruck lässt sich Mitte des 14.Jahrhunderts belegen; befristete Schutzbriefe erlaubten Juden gegen Zahlung einer jährlichen Abgabe von 40 Gulden den Aufenthalt in der Stadt. Die Pestverfolgungen von 1348/1349 beendeten dann für Jahrzehnte jegliche jüdische Ansässigkeit in Innsbruck; erst 1415 ist erstmals wieder ein Jude bezeugt. Gegen Ende des 16.Jahrhunderts lebten sehr wenige jüdische Familien in der Stadt; sie besaßen die Funktion von sog. Hofjuden. Einer war Samuel May, der in erster Linie als Lieferant von wertvollen Tuchen dauerhaft für den Hof tätig war und zahlreiche Privilegien besaß; so durfte er in der Residenzstadt auch ein Haus erwerben. Sein Sohn führte dessen Geschäfte weiter und begründete das „Handelshaus May“.

http://www.steutzger.biz/images/1771.jpg Kupferradierung von 1725 (Abb. aus: steutzger.biz)

Im 17./18.Jahrhundert war die Innsbrucker Sailergasse zentrales Wohngebiet der hiesigen Juden; doch dauerhaft konnten sich Juden nicht in Innsbruck niederlassen, da mehrfach Ausweisungen und Vertreibungen ausgesprochen wurden. Im Gefolge des Aufstandes der Tiroler gegen die Bayern und Franzosen plünderten 1809 Aufständische Geschäfte und Wohnungen der vermögenden jüdischen Familien und misshandelten einige Personen. Erst seit 1867 konnten Juden ohne behördliche Einschränkungen ihren Wohnsitz in Innsbruck bzw. in ganz Tirol nehmen.

In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts wanderten dann besonders Juden aus Böhmen, Ungarn und Galizien nach Tirol ein; doch blieb deren Anteil an der Gesamtbevölkerung stets verschwindend gering (etwa 0,2%). 1890 - nach einer anderen Angabe erst 1910 - gründete sich in Innsbruck eine israelitische Kultusgemeinde, die - außer den Juden in Hohenems - alle jüdischen Bewohner Tirols und Vorarlbergs einschloss.

[vgl. Hohenems (Österreich)]

1914 wurde das Landesrabbinat für Tirol und Vorarlberg von Hohenems nach Innsbruck verlegt; der letzte Rabbiner von Hohenems, Dr. Josef Link, wurde nun zum ersten Rabbiner von Tirol und Vorarlberg bestellt.

Anm.: Josef Link (geb. 1879 in Neutra/Slowakei) war Sohn eines Kaufmanns. Nach seinem Studium an der Universität Straßburg hatte er 1905 als Hohenemser Rabbiner die Nachfolge von Aron Tänzer angetreten. Mit der Verlagerung des jüdischen Lebens von Hohenems (nach Innsbruck und Meran) wurde 1914 das Landesrabbinat Vorarlberg/Tirol nach Innsbruck verlegt. Bis zu seinem Tode (1932) betreute Josef Link neben der größeren Innsbrucker Gemeinde auch weiterhin die kleine Restgemeinde in Hohenems.

Gottesdienstliche Zusammenkünfte fanden in Privathäusern statt; um 1900 diente ein Haus in der Anichstraße, von 1910 bis 1938 ein Gebäude in der Sillgasse als Betraum.

Anm.: 1912 hatte die Kultusgemeinde ein Grundstück in der Gutenbergstraße (in Saggen) für den Bau einer Synagoge erworben; doch wurde das angesparte Geld mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges aus patriotischer Gesinnung heraus in eine Kriegsanleihe investiert, die dann am Ende des Krieges verloren war.

Der alte jüdische Friedhof am sog. „Judenbühel“ oberhalb von Innsbruck - östlich der Weiherburg - ist bereits im Jahre 1503 (?) bezeugt; 1598 bekam der damals in Innsbruck ansässige Jude Samuel May von der Erzherzogin Anna Katharina die Erlaubnis, seine Nachkommen auf dem Bühel unterhalb des Schlosses Weiherburg, wo „der Juden alte Grabstätte war“, beerdigen zu lassen. Jahrhundertelang wurden nun hier die jüdischen Bewohner Innsbrucks begraben, bis im Jahre 1864 ein angrenzendes Areal des Innsbrucker Westfriedhofs zur Verfügung gestellt wurde. Grund für die Neuanlage war eine mehrmalige Schändung der Gräber auf dem alten Areal gewesen. In den Jahren nach der Neuanlage des israelitischen Friedhofs wurden Grabsteine vom „Judenbühel“ teilweise auf den neuen Friedhof umgesetzt. 1880 wurde die Umfassungsmauer am alten jüdischen Friedhof niedergerissen und das Areal eingeebnet. 

Juden in Innsbruck:

         --- um 1780 ..........................   2 jüdische Familien,

    --- 1804 .............................  47 Juden,

    --- um 1850 ..........................  90   “  ,*

    --- 1869 .............................  59   “  ,

    --- um 1880 .......................... 110   “  ,*

    --- 1900 ............................. 186   “  ,*         * Kultusgemeinde Tirol

    --- 1910 ............................. 392   “  ,*

             ............................. 119   “  ,**       ** nur in der Stadt Innsbruck

    --- 1920 ......................... ca. 225   “  ,*

    --- 1934 ............................. 317   “  ,*

    --- 1938 ......................... ca. 130   “  ,*           (andere Angabe: ca. 200 Pers.)

    --- 1939 .............................  45   “  ,*

    --- 1940/41 ..........................  keine.

Angaben aus: Karl Schadelbauer, Geschichte der Juden in Innsbruck

und                 Maria Luise Stainer, “Wir werden den Juden schon eintunken !” - Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Innsbruck, ...

http://static3.akpool.de/images/cards/56/564957.jpg Maria Theresienstraße (hist. Postkarte, um 1910)

Mit der Zuwanderung von jüdischen Flüchtlingen aus Osteuropa setzte nun ein aggressiver Antisemitismus ein, der sich nach dem Ersten Weltkrieg noch steigerte. Dafür verantwortlich waren deutsch-nationale Kreise wie der „Tiroler Antisemitenbund“, dem angesehene Politiker fast aller Parteien angehörten, und Teile der Innsbrucker Universität. Nach 1918 hatte die Organisation enormen Zulauf; in vielbesuchten Veranstaltungen wurden zahlreiche, später Gesetz gewordene Forderungen propagiert. Das bescherte der zionistische Bewegung - besonders bei jungen Juden - regen Zulauf; schon 1924 wanderten die ersten Innsbrucker Juden nach Palästina aus.

Boykotte jüdischer Geschäfte gab es in Innsbruck bereits 1933, was zahlreiche jüdische Bewohner frühzeitig veranlasste, die Stadt zu verlassen. Mit dem Einmarsch der deutschen Truppen im März 1938 begann auch in Innsbruck die Ausschaltung der jüdischen Bürger aus dem öffentlichen Leben und die „Arisierung“ ihrer Betriebe; darunter befanden sich auch die drei bedeutendsten jüdischen Unternehmen: das Jenbacher Berg- und Hüttenwerk, die Plansee-Werke und die Möbelfabrik Brüll.

       

              Schmierereien an jüdischen Geschäften, März 1938 (Stadtarchiv/-museum Innsbruck)

Erster gewalttätiger Höhepunkt der NS-Politik war der Novemberpogrom von 1938, der sich gegen die etwa 130 in Innsbruck lebenden Juden richtete. Auf Befehl des NS-Gauleiters Franz Hofer, der sich an die Spitze „der kochenden Volksseele gegen die Juden“ stellte, wurden NS-Rollkomandos - bestehend aus ca. 90 Mitgliedern der SA, SS und des NSKK - eingesetzt, die den Betraum in der Sillgasse  zerstörten sowie jüdische Geschäfte und Wohnungen plünderten. Dabei arbeitete man eine Liste der zu überfallenden Juden regelrecht ab, die „Arisierungskommissar“ Duxneuner zuvor erstellt hatte. Drei angesehene Bürger Innsbrucks - darunter der Leiter der Kultusgemeinde Richard Berger - wurden ermordet; mehrere Juden begingen Selbstmord. Am 11.November erschien in der „Neuesten Zeitung“ unter der Überschrift „Die Synagoge in Innsbruck wurde zertrümmert“ der folgende Artikel:

... Wie in allen deutschen Städten ist es auch in Innsbruck zu ähnlichen Zusammenstößen gekommen. Die berechtigte und verständliche Empörung hat auch in unserer Stadt zu Ausschreitungen geführt, die durch ihren elementaren Ausbruch der zutiefst erregten Bevölkerung Opfer gefordert hat. Unter anderem wurde die jüdische Synagoge in der Straße der Sudetendeutschen von einer Menschenmenge in der Nacht zum Donnerstag gestürmt und im Innern zerstört. Die Menge zertrümmerte in ihrer berechtigten Wut über die erbärmliche Blutbad die Einrichtungsgegenstände des jüdischen Hauses und machte in erregten Rufen gegen die Juden ihrer verständlichen Empörung Luft. Auch die wenigen noch nicht entjudeten Geschäfte fielen dieser Empörung zum Opfer. Zwei Innsbrucker Judengeschäfte wurden in den frühen Morgenstunden des Donnerstags gründlich zerstört. Um weitere Ausschreitungen zu verhindern, mußte eine Reihe von Juden in Schutzhaft genommen werden. .... Im übrigen ist durch die großen Fortschritte der Entjudungsaktion gerade Innsbruck und damit unser Gau in der glücklichen Lage, in allerkürzester Zeit von jeglicher jüdischen Belastung endgültig befreit zu werden.

Über die Vorgänge während des Novemberpogroms gibt ein Bericht des Führers des SD-Unterabschnitts Tirol vom 12.11.1938 Auskunft:

                                                                                                                                       G e h e i m !                                                                           Innsbruck, 12.11.1938

... In der Nacht vom 9. auf 10. ds. Mts. wurde von Seiten der Bevölkerung schlagartig eine Aktion gegen die Juden Innsbrucks unternommen. Im Verlaufe dieser Aktion wurden die Wohnungen aller noch nicht ausgewanderter Juden schwer beschädigt. Falls Juden bei dieser Aktion keinen Schaden erlitten haben, dürfte dies darauf zurückzuführen sein, daß sie übersehen wurden. Zu Plünderungen ist es nirgends gekommen. ... Auch die Synagoge wurde zertrümmert. ... Abschließend liegt folgendes Ergebnis vor: Es wurden bis jetzt 3 Juden getötet ... Außerdem wurden insgesamt 18 Juden festgenommen. Es handelt sich vorwiegend um arbeitsfähige Personen. Nahezu alle von ihnen waren verletzt, jedoch nur einer auf schwere Art. ... Irgendwelche Aktionen gegen Juden auf dem Lande konnten nicht festgestellt werden. Dies hat seinen Grund darin, daß die Anzahl der Juden auf dem Lande, besonders in Vorarlberg, eine äußerst geringe ist. ...

 „Arisierung“ des Kaufhauses Bauer-Schwarz

Nachdem man den fünf Firmeninhabern im April 1938 die Leitung des Kaufhauses „Bauer-Schwarz entzogen hatte, wurde es zunächst kommissarisch verwaltet und Monate später zu einem Spottpreis an die "reichsdeutsche" Firma Ferdinand Kraus veräußert.

Die wenigen, noch in Tirol verbliebenen Juden wurden in die Emigration getrieben oder nach Wien abgedrängt. Wem hier nicht die rechtzeitige Auswanderung gelang, der wurde deportiert. Am 15.März 1939 wurde Tirol für „judenfrei“ erklärt - wie es im NS-Jargon hieß.

Wenige Jahre nach Kriegsende fanden mehrere Prozesse gegen Verantwortliche des Novemberpogroms statt; dabei wurden z.T. hohe Haftstrafen ausgesprochen.

 

Nach 1945 kehrten nur wenige überlebende Innsbrucker Juden aus dem Exil bzw. aus den Lagern in ihre Heimatstadt zurück. Zwei Jahre später wurde die „Israelitische Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg” begründet, offiziell aber erst 1952 anerkannt.

Nach Kriegsende war Tirol auch „Durchgangsstation“ jüdischer Überlebender und Displaced Persons auf dem Weg vor allem nach Palästina; einer der Knotenpunkte der Flüchtlingsströme war die Stadt Innsbruck. In diesem Kontext wurden hier DP-Lager eingerichtet, die bis 1949 bestanden. So hatten Ende Mai 1945 jüdische DPs das sog. „Jüdische Komitee in Innsbruck“ gegründet, um den Überlebenden Hilfe angedeihen zu lassen. Insgesamt hielten sich im Juni 1945 etwa 2.000 jüdische Flüchtlinge in Innsbruck und Umgebung auf. Ziel ihrer Wünsche war eine Auswanderung nach Palästina bzw. in die USA.

Seit 1961 besaß die Kultusgemeinde Innsbruck in der Zollerstraße wieder eine Stätte für gottesdienstliche Zusammenkünfte. An die ehemalige Synagoge in der Sillgasse erinnert heute eine 1981 angebrachte Gedenktafel. 1993 weihte die Gemeinde - nach zweijähriger Bauzeit - an gleicher Stelle in der Sillgasse eine neue Synagoge ein. In Anwesenheit von etwa 800 Gästen aus dem In- und Ausland hielt der damalige Bischof Reinhold Stecher die Festrede; er war es gewesen, der sich intensiv dafür eingesetzt hatte, dass die jüdische Gemeinde ihren angestammten Platz in der Stadt zurückerhielt.

 

Synagoge in Innsbruck (Aufn. S. Legner, 2016, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0  und  Granger, 2016, aus: wikipedia.org, CCO)

Über dem Eingang steht die hebräische Inschrift „Baut mir dieses Haus, und ich werde darin wohnen“.

 http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2033/Innsbruck%20Synagoge%20005.jpg Innenraum der Synagoge in der Sillgasse (Aufn. J. Hahn, 2003)Die Israelitische Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg in Innsbruck /  Synagoge

Nach mit hohem Kostenaufwand verbundenen Sanierungsmaßnahmen wurde die Innsbrucker Synagoge Ende 2014 erneut eingeweiht. 2012 zählte die jüdische Gemeinde in Tirol etwa 150 Mitglieder.

Im Sommer 1997 wurde am Eduard-Wallnöfer-Platz (vormals Landhausplatz) ein Denkmal - der Entwurf stammt von einem 18jährigen Schüler der HTL Fulpnes - enthüllt, das an die Opfer des Pogroms von 1938 erinnern soll; an dessen Sockel sind die Namen der vier jüdischen Bürger verzeichnet, die in der „Kristallnacht“ in Innsbruck ermordet wurden; ein Inschriftentext erinnert an die Opfer der Shoa mit den Worten:   um nicht zu vergessen, dass Vorurteile, Hass und Unbesonnenheit zu einer grausamen Spirale der Gewalt führen können ... wurde dieses Mahnmal 1997 errichtet. um nicht zu verschweigen, dass in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938, "Reichskristallnacht" - Novemberpogrom, jüdische Mitbürger in Innsbruck ermordet wurden und ihnen viele Kinder, Frauen und Männer in den Tod folgen mussten“.

   Mahnmal Landhausplatz Mahnmal am Eduard-Wallnöfer-Platz (Aufn. M.Mühlmann, 2011, aus: novemberpogrom1938.at)

Anm.: In unmittelbarer Nähe befindet sich das sog. Befreiungsdenkmal, auf dem die Namen von 107 Menschen angebracht sind, die im Widerstand gegen das NS-Regime ums Leben kamen.

Auf dem in Vergessenheit geratenen alten Friedhof auf dem „Judenbühel“ - spätestens seit Ende des 16.Jahrhunderts wurden hier verstorbene Juden begraben - wurde 2009 ein Denkmal aus zahlreichen, in den Boden eingelassenen stählernen Platten erstellt, das - nach archäologischen Grabungen - die ursprüngliche Mauerbegrenzung wieder kenntlich macht. Die hier neu geschaffene Gedenkstätte, die durch den Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg eingeweiht wurde, soll frühe Wurzeln jüdischer Geschichte in Tirol wieder sichtbar machen.


Gelände des ehemaligen jüdischen Friedhofs „Judenbühel“ (Aufn. Niko Hofinger, 2007)

Ehem. Begräbnisgeländes (Aufn. H.Hammer, 2012, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Kontrovers diskutiert wird in Innsbruck die Verlegung sog. „Stolpersteine“. Während von kommunaler Seite bislang eine ablehnende Haltung eingenommen wird, hat die Initiative „Stolpersteine für Tirol“ den ersten Stein auf Privatgrund verlegt; mit diesem wird an den Innsbrucker Alfred Graubart erinnert, der wegen seines jüdischen Glaubens während des Novemberpogroms brutal misshandelt wurde; 1939 gelang ihm die Flucht nach England. Sein Bruder wurde ermordet..

"Stolperstein" für Alfred Graubart (Aufn. Thomas Parth, 2020)

Jüngst wurde seitens des städtischen Kulturausschusses der Vorschlag gemacht, anstelle von „Stolpersteinen“ sog. „Erinnerungszeichen“ jeweils dort anzubringen, wo sich der letzte freigewählte Wohnort der betroffenen Person befand. Zudem ergänzend dazu soll ein virtuelles Gedenkbuch geschaffen werden, das kurze biografische Daten beinhaltet. Das in Rahmen eines Wettbewerbs ausgelobte Konzept wurde 2022 vom kommunalen Kultusausschuss angenommen: es sieht vor, mit Namen beschriftete Messingscheiben in Augenhöhe anzubringen und die jeweiligen biografischen Daten per QR-Code abzurufen.

Das jüdische Mahnmal „Mobiles Bethaus“ - eine Kunstinstallation von den Künstlern Oskar Stocker und Luis Rivera 2021 erstellt - war zum Gedenken an den 83.Jahrestag der Novemberpogrome vor dem Innsbrucker Landestheater aufgestellt worden; doch bereits Tage später wurde es von ‚unbekannten Tätern‘ so demoliert, dass es aus Sicherheitsgründen abgebaut werden musste. Die begehbare Skulptur - auf dem Grundriss eines Davidsterns - nannte auch namentlich alle 106 Juden/Jüdinnen, die in der Pogromnacht von 1938 Gewalttätigkeiten ausgesetzt waren.

Mobiles Bethaus"Mobiles Bethaus" (Aufn. aus: tirol.orf.at vom 12.11.2021)

 

 

 

Weitere Informationen:

Karl Klaar, Der alte Judenfriedhof bei Innsbruck, in: Alt-Innsbruck und seine Umgebung, Innsbruck 1897, Bd. 2, S. 129 f.

Hugo Neugebauer, Zur Geschichte der Juden in Tirol, in: "Tiroler Heimatblätter", Heft 7/8 (1938)

Aron Tänzer, Die Geschichte der Juden in Tirol und Vorarlberg, Meran 1905

Karl Schadelbauer, Geschichte der Juden in Innsbruck, in: Hugo Gold (Hrg.), Geschichte der Juden in Österreich - ein Gedenkbuch, Olemanu-Verlag, Tel Aviv 1971, S. 35 f.

Gad Hugo Sella, Die Juden Tirols. Ihr Leben und Schicksal, Tel Aviv 1979

Gretl Köfler, Die Austreibung der Juden aus Tirol im Jahr 1938, in: "Das Fenster", Heft 29, Innsbruck 1981

Peter Eppel (Bearb.), Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 - 1945, Hrg. Dokumentationsarchiv des Österr. Widerstandes, Wien 1984

Egon Pinzer (Red.), Dem Juden traut kein wahrer Christ. Historische Streiflichter zur Lage der Juden in Tirol. Der Tiroler Antisemitenbund, in: „sturzflüge - eine Kulturzeitschrift", No. 15/16 (1986), S. 5 ff.

Thomas Albrich, Tirol - Transitland des jüdischen Exodus 1945 - 1948, in: “sturzflüge - eine Kulturzeitschrift", No. 15/16 (1986), S. 137 - 148

Michael Gehler, Studentischer Antisemitismus an der Universität Innsbruck, in: “sturzflüge - eine Kulturzeitschrift", No. 15/16 (1986), S. 73 - 87

Germania Judaica, Band III/1, Tübingen 1987, S. 583/584

Michael Gehler, Spontaner Ausdruck des „Volkszorns“ ? Neue Aspekte zum Innsbrucker Judenpogrom vom 9./10.November 1938, in: "Zeitgeschichte", No. 18 (1990/91), S. 2 - 21

Pierre Genée, Synagogen in Österreich, Löcker Verlag, Wien 1992, S. 108 - 110

Niko Hofinger, “Unsere Losung ist: Tirol den Tirolern !” Antisemitismus in Tirol 1918 - 1938, in: "Zeitgeschichte", No. 21/1994, Heft 3/4, S. 83 - 108

Martin Achrainer/Niko Hofinger, “Wie lebten wie sie, aber abseits von ihnen” - Alltag und Ausgrenzung der Tiroler Juden bis 1938, in: Ansichtssachen. 61 Gründe, Innsbruck zu verlassen oder dazubleiben, Hrg. Michael-Gaismair-Gesellschaft, Innsbruck 1996, S. 30 - 36

Martin Achrainer (Red.), In Tirol überlebt. Vier jüdische "U-Boote" in Tirol 1943 - 1945, in "Tiroler Heimat", Band 60/1996, S. 159 - 184

Thomas Albrich (Hrg.), “Wir lebten wie sie ...” - Jüdische Lebensgeschichten aus Tirol und Vorarlberg, Haymon-Verlag, Innsbruck 1999

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Juden und Jüddinnen in Tirol 1867–1945 – ein kurzer Überblick, online abrufbar unter: erinnern.at/bundeslaender/tirol/unterrichtsmaterial/unterrichtsmaterial/Juden und Juedinnen

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Thomas Albrich, Von Salomon Sulzer bis „Bauer & Schwarz“. Jüdische Vorreiter der Moderne in Tirol und Vorarlberg, Haymon-Verlag, Innsbruck 2009

Thomas Albrich (Hrg.), Judenbichl – Die jüdischen Friedhöfe in Innsbruck, Haymon Verlag, Innsbruck 2010

Horst Schreiber (Hrg.), Von Bauer & Schwarz zum Kaufhaus Tyrol, in: Studien zu Politik und Geschichte 12. Veröffentlichungen des Innsbrucker Stadtarchivs 42, Innsbruck/Wien/Bozen 2010

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Claudia Brandlechner/Katharina Santer (Red.), Fremde und DPs im Tirol der Nachkriegszeit, online abrufbar unter: erinnern.at/bundeslaender/tirol/

Horst Schreiber, Von Innsbruck nach Israel: der Lebensweg von Erich Weinreb/Abraham Gafni – mit einem historischen Essay über jüdisches Leben in Tirol, Studienverlag Innsbruck/Wien/Bozen 2014

Manfred Mühlmann (Bearb.), Orte des Novemberpogroms 1938 in Innsbruck - Tirol - Österreich, online abrufbar unter: novemberpogrom1938.at

Thomas Albrich (Hrg.), Die Täter des Judenpogroms 1938 in Innsbruck, Haymon-Verlag 2016

Horst Schreiber (Bearb.), Das Novemberpogrom in Innsbruck – ein kurzer Überblick, online abrufbar unter: eduard-wallnoefer-platz.at/pogromdenkmal/das-novemberpogrom-in-innsbruck

Niko Hofinger (Bearb.), Jüdische Geschäfte 1938, online abrufbar unter: novemberpogrom1938.at (Aufnahmen vom April 1938)

Martin Achrainer (Bearb.), Orte des Novemberpogroms 1938 in Innsbruck, online abrufbar unter: novemberpogrom1938.at/pogrom-innsbruck/

strosa (Red.), Novemberpogrom: „Innsbruck hat zugeschaut“, in: „Tiroler Tageszeitung“ vom 11.11.2018

Ursula Schattner-Rieser (Hrg.), 700 Jahre jüdische Präsenz in Tirol: Geschichte der Fragmente, Fragmente der Geschichte, Innsbruck 2018

Niko Hofinger/Esther Pirchner/Sonja Prieth, Das jüdische Innsbruck: Sichtbares und Unsichtbares in Alltag und Eriinnerung, Hrg. Israelitische Kultusgemeinde für Tirol u. Vorarlberg, Limbus Verlag Innsbruck/Wien 2019

Michael Domanig (Red.), „Stolpersteine“ für Tirol: Initiative will NS-Opfer in ganz Tirol sichtbar machen, in: „Tiroler Tageszeitung“ vom 8.8.2020

Thomas Parth (Red.), Stolpersteine statt Vergessen: Erster NS-Gedenkstein iin Innsbruck installiert, in: „Tiroler Tageszeitung“ vom 27.9.2020

M. Domanig (Red.), Neuer Anlauf in der NS-Gedenkkultur in Innsbruck, in: „Tiroler Tageszeitung“ vom 8.3.2021

Alexander Paschinger (Red.), NS-Gedenken: „Stolpersteine“ sind kein Teil des „Innsbrucker Wegs“, in: „Tiroler Tageszeitung“ vom 30.5.2021

IKG für Tirol und Vorarlberg (Hrg.), Israelitische Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg - Offizielle Webseite, online abrufbar unter: ikg-innsbruck.at (2021)

N.N. (Red.), „Mobiles Bethaus“ gegen Antisemitismus in Innsbruck beschädigt, in: „Tiroler Tageszeitung“ vom 12.11.2021

kap – gh (Red.), Österreich: Entsetzen über Beschädigung von jüdischem Mahnmal, in: „Vatican News“ vom 12.11.2021

Stadt Innsbruck (Red.), „Zeitpunkte“ als Gedenkzeichen für Opfer des NS-Regimes, in: Pressemitteilung der Stadt Innsbruck vom 28.6.2022

Gerda Hofreiter, Verstoßen – Die Wege der jüdischen Kinder und Jugendlichen aus dem Gau Tirol-Vorarlberg 1938-1945, Tyrolia-Verlag, Innsbruck/Wien 2023