Kronberg/Taunus (Hessen)

Datei:Kronberg im Taunus in HG.svg Die Stadt Kronberg i. T. (bis 1933 „Cronberg“) mit derzeit ca. 18.000 Einwohnern ist heute ein Luftkurort im hessischen Hochtaunuskreis und Teil der Metropolregion Frankfurt/Main (Karte Hagar, 2009, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Jüdische Bewohner lassen sich in Kronberg bereits für das Jahr 1300 nachweisen; ein 1330 erteiltes kaiserliches Stadtprivileg gab den Herren von Kronberg das Recht, zwölf jüdische Familien in der Stadt zu halten. Aus dieser Zeit kann auch ein Bethaus im Bereich der Judengasse (heutige Höllgasse) belegt werden.

Nach dem Pestpogrom von 1348/1349, der auch die Kronberger Judengemeinde vernichtet haben soll, liegen nur vereinzelte Hinweise auf jüdisches Leben im Ort vor; diese endeten dann zu Beginn des 16.Jahrhunderts. Nach der Frankfurter Ständetagung von 1516 wurden die Juden vermutlich aus der Stadt gewiesen.

Merian-Stich, um 1655 (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Eine neuzeitliche Gemeinde in Kronberg entstand im Laufe des 17. Jahrhunderts. Zu Beginn des 18.Jahrhunderts setzte sich die hiesige jüdische Gemeinde aus beinahe 30 Familien zusammen, die damals unter den Schutz von Kurmainz kamen; zuvor waren sie den Herren von Kronberg untertänig gewesen. Um ca. 1700 wurde in einem alten Fachwerkhaus in der Mauerstraße die Synagoge eingerichtet; in ihr fanden bis ca. 1900 regelmäßige Gottesdienste statt, danach nur noch zu besonderen Anlässen.

 Die alte Synagoge von Kronberg (Gemälde von F. Wucherer, 1919)

Zur Kronberger Gemeinde zählten zunächst auch die Juden aus dem benachbarten Königstein und Falkenstein; diese gründeten 1807 eine eigene Gemeinde mit Sitz in Falkenstein.

Ein älterer jüdischer Friedhof lag bis um 1700 im Norden der Burg Cronenbourg; von diesem sind keinerlei Spuren mehr vorhanden. Mit Erlaubnis der Freiherren von Bettendorf wurde 1708 ein neues Begräbnisgelände geschaffen, für dessen Nutzung die Gemeinde eine symbolische Pacht zu zahlen hatte. Anfang der 1930er Jahre wurde fast das gesamte Gelände eingeebnet; bereits zuvor war der jüdische Friedhof in Falkenstein benutzt worden.

Juden in Kronberg:

         --- um 1720 ........................  26 jüdische Familien,

    --- 1780 ........................... 108 Juden,

    --- 1795 ...........................  99   “  ,

    --- 1815 ...........................  25 jüdische Familien,

    --- 1825 ........................... 128 Juden,

    --- 1843 ........................... 152   “  ,

    --- 1866 ...........................  38   “  (in 10 Familien),

    --- 1900 ...........................  30   “  ,

    --- 1913 ...........................  13   “  ,

    --- 1932/33 ........................  28   “  ,

    --- 1936 ...........................  15   “  ,

    --- 1942 ...........................   5   “  .

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 1, S. 452 f.

Die in Kronberg lebenden Juden um 1800/1820 verdienten ihren bescheidenen Lebensunterhalt als Makler, Viehhändler/Metzger und als Kleinhändler. Gegen 1840/1850 hatte die Zahl der in Kronberg lebenden Juden ihren Höchststand erreicht; innerhalb nur knapp zweier Jahrzehnte war die Gemeinde durch Abwanderung sehr viel kleiner geworden. Seit dieser Zeit wurde das nahe Königstein Sitz der Hauptgemeinde, zumal dort auch wohlhabendere Juden zugezogen waren.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20132/Cronberg%20Frf%20IsrFambl%2015111907.jpgaus: "Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 15.11.1907

Zur offiziellen Auflösung der jüdischen Gemeinde in Kronberg und ihr Anschluss an Königstein kam es endgültig im Jahre 1908. Nach Schließung der Kronberger Synagoge - die letzten Gottesdienste hatten 1912/1914 hier stattgefunden - ging das Haus in den Besitz der Kommune über; 1926/1927 wurde es wegen Baufälligkeit abgebrochen. Die Kultgegenstände sowie ein Memorbuch waren zuvor der Synagoge in Königstein übereignet worden.

                                  Kronberger Synagoge (hist. Aufn., um 1920, Stadtarchiv)

Zu Beginn der NS-Herrschaft lebten in Kronberg noch ca. 20 bis 30 jüdische Bewohner. Die meisten verzogen in den folgenden Jahren nach Frankfurt/M., einige wenige emigrierten. Die letzten fünf Juden wurden im Laufe des Jahres 1942 deportiert.

Nachweislich sollen 14 gebürtige Kronberger Juden Opfer der „Endlösung“ geworden sein (vgl. Kurzbiografien der Opfer in: Stadt Kronberg/Taunus (Hrg.), Stolpersteine in Kronberg/Taunus – Biografien und Hintergründe).

 

Seit 1983 befindet sich im Rathausgarten ein Gedenkstein, der den während der NS-Zeit umgekommenen jüdischen Bürger Kronbergs gewidmet ist.

Seit 2007 wurden sog. „Stolpersteine“ im Gehwegpflaster verlegt, die jeweils den letzten Wohnort der Personen kennzeichnen, die Opfer der NS-Gewaltherrschaft geworden sind.

              File:Kronberg, Eichenstraße 28, Stolpersteine.JPG verlegt in der Eichenstraße (Aufn. Karsten Ratzke, 2015)

2009 wurde ein Hinweisschild am Straßenschild "Kleine Mauerstraße" angebracht mit dem folgenden Text: "Früherer Name 'Synagogenstraße' nach dem dort 1703 erbauten Bethaus, das nach Auflösung der jüdischen Gemeinde 1908 verkauft und 1927 als baufällig abgetragen wurde. Der Name wurde während der NS-Herrschaft 1935 in 'Kleine Mauerstraße' geändert. Bei diesem Namen blieb es auch nach 1945". Zusätzlich wurde vor dem Haus (Ecke Mauerstraße/Kleine Mauerstraße), das sich heute an Stelle der Synagoge befindet, eine Bronzetafel aufgestellt, welche auf die ehemals dort befindliche Synagoge hinweist.

Der "Geschwister-Franck-Weg" erinnert an die beiden jüdischen Frauen Anni Emilie Franck (1880) und ihre Schwester Klara Greding geb. Franck (1879).

Nur ein kleiner Teil des jüdischen Friedhofs er liegt in einem bewaldeten Gelände - erinnert heute noch daran, dass in Kronberg eine jüdische Gemeinde beheimatet war.

                     „Restfriedhof“ in Kronberg (Aufn. J. Hahn, 2010) http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20252/Kronberg%20Friedhof%20476.jpg

Auf dem Gelände befindet sich ein Gedenkstein mit dem Text: 

Friedhof der jüdischen Gemeinde in der Stadt Kronberg.

Über Jahrhunderte hinweg - von 1700 bis 1926 - fanden hier die Mitglieder der jüdischen Gemeinde ihre letzte Ruhestätte. 1933/34 haben die Nationalsozialisten den Friedhof zerstört und den größten Teil der Grabsteine vernichtet. 

Psalm 3,2-5: 'Ach Ewiger, wie sind der Feinde so viele. So viele, die sich setzen wider mich. So viele, die von mir frohlocken: Für ihn ist keine Hilfe bei Gott! Du aber, Ewiger, bist ein Schild für mich, setzest mich zu Ehren, hebst mein Haupt empor. Mit lauter Stimme rufe ich an den Ewigen, und von seinem Heiligen Berg erhört er mich.'

Zur Ewigen Mahnung.  

[vgl. Königstein (Hessen)]

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 1, S. 411 - 413

Heinz Sturm-Godramstein, Juden in Königstein. Leben - Bedeutung - Schicksale, Hrg. Magistrat der Stadt Königstein, Stadtarchiv 1983

Germania Judaica, Band III/1, Tübingen 1987, S. 692/693

Wolfgang Ronner, Zur Geschichte der Juden im alten Kronberg (1330 - 1802), in: "Nassauische Annalen", 98/1987, S. 143

Benno Szklanowski/Sigrid Hintze: Steinerne Zeugen der Vergangenheit - Der jüdische Friedhof in Kronberg. Eine Dokumentation im Gedenken der Zerstörung jüdischer Kultur, Darmstadt 1993   

Thea Altaras, Das jüdische Rituelle Tauchbad und Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? Teil II, Königstein i. Ts. 1994, S. 131

Kronberg im Taunus, in: alemannia-judaica (mit diversen Bild- u. Textdokumenten zur jüdischen Ortshistorie) 

Hanspeter Borsch, Der jüdisc he Friedhof in Kronberg – Dokumentation, Kronberg 2013 (mit zahlreichem Bildmaterial als PDF-Datei vorhanden)

Walter A. Ried (Red.), Als aus Nachbarn Feinde wurden, in: „Taunus-Zeitung“ vom 5.11.2013

Stadt Kronberg/Taunus (Hrg.), Stolpersteine in Kronberg/Taunus – Biografien und Hintergründe + Lageplan der verlegten Steine (Flyer), Referat Kultur- u. Stadtgeschichte Kronberg o.J.

Auflistung der in Kronberg/Taunus verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Kronberg_im_Taunus

David Schahinian (Red.), Erinnerung in vielfältiger Form, in: „Frankfurter Neue Presse“ vom 30.1.2016