Marienthal (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für donnersbergkreis ortsdienst karte Die kleine Ortschaft Marienthal mit derzeit ca. 350 Einwohnern gehört heute zur Verbandsgemeinde Rockenhausen im Donnersbergkreis - etwa 30 Kilometer südlich von Bad Kreuznach gelegen (Karte aus: ortsdienst.de/rheinland-pfalz/donnersbergkreis).

Die Wurzeln der relativ großen jüdischen Gemeinde im Dorfe Marienthal liegen vermutlich in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts; mit fast 120 Angehörigen erreichte die Landgemeinde ihre Blüte gegen Mitte des 19.Jahrhunderts; doch schon wenige Jahrzehnte später waren die meisten jüdischen Bewohner abgewandert. Seit den 1820er Jahren verfügte die wachsende Gemeinde über eine Schule mit Lehrerwohnung; etwa zur gleichen Zeit wurde auf einem angekauften Anwesen in der heutigen Amtsstraße eine Scheune zu einer schlichten Synagoge umgebaut. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war.

Ihre verstorbenen Angehörigen begrub die Gemeinde auf einem Hanggelände südwestlich der Ortschaft, das sich auf der benachbarten Falkensteiner Gemarkung befand; angelegt wurde dieser Friedhof in den 1840er Jahren.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2049/Marienthal%20Friedhof%20051.jpgTeilansicht des jüdischen Friedhofs (Aufn. J. Hahn, 2006)

Zur Gemeinde zählten auch die wenigen jüdischen Einwohner aus Würzweiler; die dortige kleine jüdische Gemeinschaft hatte bereits im 18.Jahrhundert ihren numerischen Höhepunkt erreicht.

Juden in Marienthal:

         --- um 1790 ......................   7 jüdische Familien,

    --- 1802/04 ......................  35 Juden,

    --- 1821 .........................  82   “  (ca. 17% d. Bevölk.),

    --- 1837 .........................  91   "  ,

    --- 1848 ......................... 115   “  (in 22 Familien),

    --- 1866 .........................  55   “  ,

    --- 1875 .........................  42   “  ,

    --- 1890 .........................  30   “  ,

    --- 1900 .........................  25   "  ,

    --- 1910 .........................  10   “  ,

    --- 1925 .........................   4   “  .

Angaben aus: Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff, Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, S. 324

Mit der Auflösung der Gemeinde kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde das stark reparaturbedürftige Synagogengebäude verkauft; es diente in den folgenden Jahrzehnten dem neuen Eigentümer wieder als landwirtschaftlicher Lagerraum.

        Ehem. Synagogengebäude (Aufn. Landesamt für Denkmalpflege, um 1985)

Auf dem ca. 650 m² großen Friedhofsgelände, dessen letzte Belegung 1932 erfolgte, befinden sich noch 25 Grabsteine.

 

Im Dorf Würzweiler, heute ein Ortsteil von Rockenhausen, lebten im 18./19.Jahrhundert vereinzelt jüdische Familien, die ab den 1840er Jahren offiziell der Kultusgemeinde von Marienthal angehörten. Am Ort gab es einen eigenen Friedhof. Ob ein Betraum in Würzweiler vorhanden war, kann nicht sicher belegt werden.

[vgl. Rockenhausen (Rheinland-Pfalz)]

 

Weitere Informationen:

Paul Karmann, Geschichte der Juden in der Nordpfalz 5: Die alte Synagoge in Marienthal, in: "Die Rheinpfalz - Ausgabe Rockenhausen"  vom 27.12.1984

Bernhard Kukatzki, Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in der Verbandsgemeinde Rockenhausen: Synagogen, Schulen, Friedhöfe und Ritualbäder in Dielkirchen, Marienthal, Rathskirchen, Rockenhausen, Teschenmoschel und Würzweiler, Landau 2000, S. 49 - 55

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 324 und S. 409

Otmar Weber, Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südwestpfalz, Hrg. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz (Landau), Dahn 2005, S. 114 

Marienthal, in: alemannia-judaica.de