Militsch (Schlesien)

  Das niederschlesische Militsch (Ausschnitt aus hist. Karte von 1905, aus: europe1900.eu) ist das heutige poln. Milicz mit derzeit etwa 18.000 Einwohnern; es liegt ca. 55 Kilometer nordöstlich von Breslau/Wroclaw.

Juden haben sich im Mittelalter vermutlich nicht in Militsch niederlassen.

Seit dem 16.Jahrhundert gehörte der an einer wichtigen Handelsstraße gelegene Ort aber zum Durchzugsgebiet jüdischer Händler auf dem Wege zu den Breslauer Märkten; dabei hatten die durchquerenden Handelsjuden eine Abgabe an das Bürgermeisteramt Militsch zu entrichten. - In der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts hielten sich im Ort eine Zeitlang jüdische Flüchtlinge (meist aus Krotoschin) auf, die aber später wieder zu ihrem angestammten Wohnsitz zurückkehrten. Dauerhaft ließen sich wenige jüdische Familien in Militsch erst zu Anfang des 18.Jahrhunderts nieder; als privilegierte Juden lebten sie hier vor allem vom Woll- und Lederhandel.

Dorfstraße in Militsch (Gemälde Max Liebermann, 1883) aus: wikipedia.org, gemeinfrei

Die Juden von Militsch unterstanden dem Glogauer Rabbinat; das Statut der Synagogengemeinde Militsch datiert aus dem Jahre 1860.

Ende der 1820er Jahre ließ die hiesige Judenschaft - inzwischen war eine Gemeinde entstanden - eine Synagoge erbauen.

Bereits ein Jahrzehnt zuvor war ein eigenes Friedhofsgelände erworben worden; von nun an mussten die Verstorbenen nicht mehr auf dem jüdischen Friedhof in Krotoschin bzw. Dyrhernfurth beerdigt werden.

Juden in Militsch:

        --- 1794 ..........................   5 jüdische Familien,

    --- 1812 ..........................  10     “       “   (ca. 50 Pers.),

    --- 1825...........................  60 Juden,

    --- 1848 .......................... 105   "  ,

    --- 1864 .......................... 197   “  ,

    --- 1871 ..........................  64   “  ,

    --- 1890 .......................... 139   "  ,

    --- 1907 ..........................  69   “  ,

    --- 1924/25 .......................  91   “  ,

    --- 1933 .......................... 105   “  ,

    --- 1937 ..........................  46   “  ,

    --- 1939 ..........................   5   “  .*    * im Kreis Militsch

Angaben aus: Bernhard Brilling, Die jüdischen Gemeinden Mittelschlesiens - Entstehung und Geschichte, S. 118

         Ansichtskarte / Postkarte Milicz Militsch Schlesien, | akpool.de Breslauer Straße, um 1910 (Abb. aus: akpool.de)

Zu Beginn der NS-Zeit lebten am Ort nur noch etwa 50 Juden; sechs Jahre später existierte keine Gemeinde in Militsch mehr. Fünf jüdische Bewohner mussten noch miterleben, wie im November 1938 ihre Synagoge und die wenigen Läden zerstört wurden.

 

 

Weitere Informationen:

K. Kluge, Chronik der Stadt Militsch, Militsch 1909

Fritz Bloch, Die Juden in Militsch. Ein Kapitel aus der Geschichte der Niederlassung von Juden in Schlesien, Dissertation Breslau 1926

Bernhard Brilling, Die jüdischen Gemeinden Mittelschlesiens - Entstehung und Geschichte, Verlag Kohlhammer, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1972, S. 116 - 119

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 2), New York University Press, Washington Square, New York 2001, S. 824

Christian-Erdmann Schott (Bearb.), Militsch, hrg von der Stiftung Kulturwerk Schlesien, online abrufbar unter: kulturwerk-schlesien.de/kulturlandschaftschlesien/staedte/artikel/530.Militsch-Milicz.html

Milicz, in: sztetl.org.pl