Münstermaifeld (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für Mayen koblenz ortsdienst karte  Münstermaifeld mit derzeit ca. 3.500 Einwohnern ist eine Ortschaft im Kreis Mayen-Koblenz - ca. 25 Kilometer südwestlich von Koblenz gelegen (Ausschnitt aus hist. Karte, aus: wikipedia.org, CCO).

Erste Hinweise auf jüdisches Leben in Münstermaifeld finden sich im Zusammenhang mit den Judenmassakern von 1287, die im Zusammenhang mit dem Leichenfund des „Guten Werner“ aus Oberwesel standen. Allein in Münstermaifeld sollen am 17.Juli 1287 ca. 90 Männer, Frauen und Kinder jüdischen Glaubens erschlagen worden sein. Im gleichen Jahre wurden auch jüdische Bewohner von Boppard, Braubach, Lahnstein, Kirn und Wesel ermordet. In weiteren Pogromen (1337 und 1348/1349) wurden dann erneut jüdische Bewohner von Münstermaifeld umgebracht.

In dieser spätmittelalterlichen Epoche hatten die Münstermaifelder Juden über eine Synagoge („judenschoille“, 1420 genannt) und einen Friedhof („judenkirchhov“, 1409 erwähnt) verfügt. In der zweiten Hälfte des 15. und im 16. Jahrhundert soll es im Ort keine jüdischen Bewohner gegeben haben.

Erst gegen Ende des 17.Jahrhunderts werden Juden in Münstermaifeld erneut erwähnt.

Münster Meynfeldt (Merian).jpg "Münster im Meynfeldt" um 1650 (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Um 1885 errichtete die jüdische Gemeinde auf einem schmalen Grundstück in der Severusstraße ihren Synagogenbau; das Baumaterial bestand aus Bruchsteinquadern; das äußere Erscheinungsbild orientierte sich an christlichen Kirchenbauten, war aber mit orientalischen Stilelementen versehen. Dieser Neubau löste eine Betstube in einem Privathaus in der Brunnengasse ab, die es vermutlich bereits seit ca. 1700 gab. 

 

Luftbildaufnahme mit Synagoge, um 1930 - Ausschnittsvergrößerung (Aufn. Landesamt für Denkmalpflege)

Zeitweilig hatte die jüdische Gemeinde einen Lehrer verpflichtet, der für die rituell-religiösen Belange zuständig war.

     Kleinanzeige aus der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 28.4.1904

Verstorbene wurden auf dem jüdischen Friedhof in Mertloch beerdigt. - Die in Pillig lebenden Familien gehörten der Münstermaifelder Gemeinde an.

Juden in Münstermaifeld:

    --- um 1850 ...................... ca. 100 Juden,

    --- um 1885 ...................... ca. 130   “  ,

    --- 1924 .............................  55   “  ,

    --- 1933 ......................... ca.  50   “  ,

--- 1942 (Jan.) ......................  15   “  ,

  (Dez.) ......................  keine.

Angaben aus: Stefan Fischbach, Zur Inventarisation der Synagogenbauten in Rheinland-Pfalz

Gegen Mitte der 1930er Jahre lebten noch etwa 90 Juden in Münstermaifeld.

Während des Novemberpogroms von 1938 wurde das Synagogengebäude in Brand gesteckt. Zuvor war bereits der Innenraum verwüstet worden; nur die Außenmauern blieben stehen.

Seit 1938 verblieb die Synagogenruine unverändert und dokumentierte als vermutlich einzige Synagoge in Rheinland-Pfalz über Jahrzehnte hinweg noch die Spuren der „Kristallnacht“.

     Synagogenruine um 1970 (Aufn. Landesamt für Denkmalpflege)

1942 wurden die letzten 15 Juden aus Münstermaifeld deportiert.

Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem/Jerusalem und des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden ..." wurden 41 aus Münstermaifeld stammende bzw. über einen längeren Zeitraum hinweg hier ansässig gewesene Personen jüdischen Glaubens Opfer der Shoa (namentliche Nennung der betroffenen Personen siehe: alemannia-judaica.de/muenstermaifeld_synagoge.htm).

 

1986 wurde die Synagogenruine in der Severusstraße unter Denkmalschutz gestellt; drei Jahre später beschloss die Kommune, diese als Gedenkstätte für die jüdischen NS-Opfer Münstermaifelds zu bewahren. 1997 gründete sich zu diesem Zwecke der „Förderverein Synagoge Münstermaifeld e.V.“, der sich auf die Initiative von Schülern des Gymnasiums Münstermaifeld gebildet hatte. Zwei Jahre später erhielt die Synagogenruine wieder ein Dach.

Münstermaifeld, ehemalige Synagoge.jpg  

Ehemalige Synagoge (Aufn. Luise Keller, 2004 und GFreihalter, 2010, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Seit dem Jahre 2013 ist das ehemalige Synagogengebäude für die Öffentlichkeit vollkommen zugänglich und dient als Mahnmal und museale Erinnerungsstätte.

2019 wurden in Münstermaifeld die ersten sog. „Stolpersteine“ verlegt; diese erinnern an Angehörige jüdischer Familien, die in der Born-, Franken- und Pilligertorstraße gewohnt haben und Opfer der NS-Gewaltherrschaft geworden sind.

 

Im nahen Brodenbach/Mosel gab es eine kleine jüdische Gemeinde, die sich aus hiesigen und im nahen Umland lebenden Familien zusammensetzte; so aus Alken, Burgen, Loef, Hatzenport u.a. Erste Hinweise auf jüdisches Leben in Brodenbach stammen aus dem ausgehenden 18.Jahrhundert.

Gegen Ende des 19.Jahrhunderts lebten in Brodenbach ca. 45 Bewohner mosaischen Glaubens. Anfang der 1930er Jahre setzte sich die gesamte Gemeinde aus nur noch ca. 40 Angehörigen zusammen, davon aus Brodenbach 18 Personen. Neben einem kleinen Friedhof verfügte sie über einen Betsaal, der sich in der ersten Etage eines Privathauses befand. Während der Novembertage 1938 wurde dieser durch SA-Angehörige völlig zertrümmert; die Ritualien konnten zuvor noch in Sicherheit gebracht werden. Die letzten Gemeindeangehörigen wurden 1942 - zusammen mit anderen Juden aus dem Rhein-Mosel-Gebiet - "in den Osten" deportiert.

Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem/Jerusalem und des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden ..." sind nahezu 50 Angehörige der jüdischen Gemeinde Brodenbach Opfer der NS-Gewaltherrschaft geworden; davon 21 Personen aus Brodenbach, zehn aus Burgen, jeweils fünf aus Hatzenport und Oberfell und jeweils vier aus Alken und Loef (namentliche Nennung der betroffenen Personen siehe: alemannia-judaica.de/brodenbach_synagoge.htm).

 

Auf dem jüdischen Friedhof (im Ehrenburgertal), der von 1875 bis in die 1930er Jahre von Verstorbenen aus Brodenbach, Alken, Burgen, Loef, Hatzenport und Oberfell belegt wurde, findet man heute ca. 50 Grabsteine bzw. -relikte; die Inschriften der meisten Steine sind nicht mehr lesbar.

            jüdischer Friedhof in Brodenbach (Aufn. Otmar Frühauf, 2010)

Zwei sog. "Stolpersteine" für Angehörige der Familie Jonas wurden 2010 in der Moselstraße in Alken verlegt.

 

In Wierschem gab es in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts eine winzige israelitische Gemeinde, die stets nur aus sehr wenigen Familien bestand. Lebten um 1810 etwa 20 Juden im Dorf, so hatte sich deren Zahl bis in die 1890er Jahre auf nur noch sieben reduziert; doch bereits um 1865 hatte sich die Gemeinde aufgelöst. Um 1920 lebten dann keine Juden mehr im Dorf.

Gottesdienstliche Zusammenkünfte fanden in einer Betstube eines Privathauses (Kirchgasse) statt.

Auf dem südwestlich des Ortes im „Gräflich Eltzschen Wald“ liegenden Friedhof wurden im 19.Jahrhundert auch Verstorbene umliegender Gemeinden beerdigt, und zwar solange, bis diese dann eigene Begräbnisstätten besaßen. Heute findet man auf dem schwer zugänglichen Gelände nur noch einzelne Grabsteine, die über das Gelände verstreut sind; das Areal ist fast völlig von der Vegetation überwuchert.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20254/Wierschem%20Friedhof%20415.jpg  http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20254/Wierschem%20Friedhof%20412.jpg

Jüdisches Friedhofsgelände in Wierschem - erhaltener Grabstein (Aufn. Otmar Frühauf, 2010)

 

Weitere Informationen:

Germania Judaica, Band II/2, Tübingen 1968, S. 565/566

Friedhelm Burgard, Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Münstermaifeld im Spätmittelalter, in: "Trierer historische Forschungen", Band 28/1996, S. 359 - 369

Stefan Fischbach, Zur Inventarisation der Synagogenbauten in Rheinland-Pfalz, in: "SACHOR - Beiträge zur jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz", Heft 16 (2/1998), S. 10/11

Julia André, Ein Denkmal wider das Vergessen schaffen. Verein zum Wiederaufbau der Synagoge mit großen Plänen, in: "Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz" vom 7.3.1998

Josef May, Die Vertreibung deutscher Juden aus Alken, Brodenbach, Burgen, Dieblich, Gondorf, Hatzenport, Kobern, Lehmen, Löf und Niederfell, in: Mosel-Kiesel, hrg. von der Volkshochschule Untermosel, Kobern-Gondorf 1/1998, S. 163 - 181  

Georg Giesing, 'Wir sind doch ein Leut“. Auf der Suche nach dem jüdischen Viehhändler Siegfried Forst aus Brodenbach, Briedel 2000 

Wolfgang Fuhrmann, Die Synagogengemeinde in Münstermaifeld. Zwischen Emanzipation und Vernichtung (1800 - 1939), in: Bernhard Koll (Hrg.), Münstermaifeld - die Stadt auf dem Berge vivat - crescat - florat, Münstermaifeld 2003, S. 301 - 381

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 127/128 (Brodenbach), S. 276 – 278 (Münstermaifeld) und S. 387 (Wierschem)

Michael Huyer, Zur Geschichte der Juden am Mittelrhein, Wegweiser Mittelrhein Bd .13.2. Jüdische Friedhöfe, hrg. vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege u. Landschaftsschutz, Koblenz 2006

Münstermaifeld, in: alemannia-judaica.de (mit diversen Aufnahhmen des Synagogengebäudes)

Brodenbach und der jüdische Friedhof, in: alemannia-judaica.de (mit Aufnahmen des Begräbnisgeländes)

Wierschem und der jüdische Friedhof, in: alemannia-judaica.de (mit Aufnahmen des Begräbnisgeländes)

Holger Simonis (Red.), Familie Jonas aus Alken – Schicksal einer jüdischen Nachbarschaft, online abrufbar unter: historisches-alken.de (2010)

Claudia Schneider – Pressemitteilung der Stadt Münstermaifeld, Stolpersteine erinnern an Menschen, online abrufbar unter: muenstermaifeld.de (2019)

Martin Boldt (Red.), Münstermaifeld erinnert an seine deportierten Juden, in: „Rhein-Zeitung“ vom 29.6.2019