Neu Zerekwe (Böhmen)

Jüdische Gemeinde - Härtlings (Böhmen)Lage des Okres Pelhřimov Neu Zerekwe oder Cerekwe ist eine kleine böhmische Ortschaft knapp zehn Kilometer westlich von Pilgram (Pelhřimov); es ist das tschechische Nová Cerekev mit derzeit ca. 1.100 Einwohnern (Ausschnitt aus hist. Karte, aus: europe1900.eu und Kartenskizze 'Tschechien' mit Pelhřimov rot markiert).

 

Die Existenz von Juden im Orte Neu Zerekwe wird bereits zu Beginn des 16.Jahrhunderts vermutet; ein Friedhof und ein Betraum lassen sich aus der Zeit des späten 17.Jahrhunderts nachweisen. 1855 ließ die jüdische Gemeinde inmitten ihrer Wohnhäuser ein im maurisch-orientalischen Mischstil gestaltetes Synagogengebäude – an Stelle eines aus Holz erstellten Vorgängerbaus - errichten, das die Zeiten überdauert hat und in allerjüngster Vergangenheit mit hohem Kostenaufwand restauriert wurde.

 Synagoge Neu Zerekwe (Abb. Czeva, aus: commons-wikimedia.org, CC BY-SA 3.0)

In den 1860er Jahren wurde in unmittelbarer Nähe des alten Friedhofs ein neues Beerdigungsgelände in Nutzung genommen.

Juden in Neu Zerekwe:

         --- um 1725 ..........................    6 jüdische Familien,

    --- um 1750 ..........................    9     “       “    ,

    --- 1836 .............................  151 Juden,

    --- 1850 .............................  160   "   (in ca. 30 Familien),

    --- 1880 .............................  162   “  ,

    --- 1895 .............................  109   “  ,

    --- 1900 .............................   63   “  ,

    --- 1930 .............................   20   “  ,

    --- 1942 (Jan.) ......................   22   “  ,

             (Dez.) ......................   keine.

Angaben aus: Institut Terezínské iniciativy

 

Im ausgehenden 19.Jahrhundert war die Kultusgemeinde in Auflösung begriffen; ihre verbliebenen Angehörigen schlossen sich der jüdischen Gemeinde von Pilgrams an.

Die wenigen jüdischen Familien, die nach der deutschen Besetzung noch in der Stadt lebten, wurden im November 1942 - via Tabor - nach Theresienstadt verschleppt; von dort wurden die meisten nach Auschwitz-Birkenau deportiert.

 

Bis Ende der 1980er Jahre wurde das Synagogengebäude als Lagerhaus für Rohstoffe benutzt. Seit 1998 ist die Eigentümerin des Synagogengebäudes in Nova Cerekev die jüdische Gemeinde in Prag. 2013/2014 konnte das Gebäude nach einer kompletten Renovierung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden; ein erheblicher Anteil der Kosten für die Restaurierung stammt aus Subventionen aus europäischen Fonds. Künftig soll hier eine Dauerausstellung „Architektur der Synagogen in den böhmischen Ländern“ untergebracht werden.

Nová-Cerekev-synagoga2011c.jpg Nová-Cerekev-synagoga2015zk.jpg

Synagogengebäude vor und nach der Restaurierung (Aufn. Ben Skála 2008 bzw. 2015, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0)  

Nová-Cerekev-synagoga2015f.jpg Nová-Cerekev-synagoga2015g.jpg Thora-Schrein - Gebotstafeln (Aufn. 2015, ders.)

An die ehemalige jüdische Gemeinde erinnert - neben dem Synagogengebäude - der um 1690 angelegte Friedhof, der noch etwa 140 Grabmale aufweist; der älteste Stein datiert von 1692. Auf dem Areal fanden auch zahlreiche Juden aus Pilgram ihre letzte Ruhe.

Der neue Friedhof, der nach der vollständigen Belegung der alten Begräbnisstätte angelegt worden war, weist noch ca. 270 Grabsteine auf; zudem hat die im Stile der Neogotik 1866 hier erstellte Trauerhalle die Zeiten überdauert.


 

Friedhofsgelände - Taharahaus - alte Grabmale (alle Aufn. Jitka Erbenová, 2012, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

 

 

 

In Tschernowitz (tsch. Černovice u Tábora, derzeit ca. 1.800 Einw.), einer Kleinstadt im Bezirk Pelhřimov, ist eine jüdische Gemeinde seit 1723 urkundlich belegt; doch dürften sich schon Jahrzehnte vorher Juden im Ort aufgehalten haben, da der jüdische Friedhof bereits im Laufe des 17.Jahrhunderts angelegt worden war. Im 19.Jahrhundert sollen hier durchschnittlich 15 jüdische Familien gelebt haben.

Während der NS-Okkupation wurden fast alle Angehörigen der kleinen jüdischen Gemeinde deportiert und ermordet.

Abgesehen von wenigen Relikten des zerstörten jüdischen Friedhofs und dem jüngst restaurierten Taharahaus erinnert heute kaum noch etwas an die jüdische Ortsgeschichte. Das im 19.Jahrhundert errichtete Synagogengebäude wurde zu einem Wohnhaus umgebaut, so dass dessen einstige Nutzung heute nicht mehr zu erkennen ist.

 Synagogengebäude - Aufn. vor 1940 (Abb. aus: wikipedia.org)

 

 

 

In Kamnitz a.d.Linde (tsch. Kamenica nad Lipou, derzeit ca. 3.800 Einw.) - ebenfalls einer Kleinstadt im Kreis Pelhřimov – hat das Synagogengebäude die deutsche Okkupation fast unversehrt überstanden. Das Gebäude war erst unmittelbar vor Beginn des Zweiten Weltkrieges errichtet worden. Die wenige Jahre später profanierte Synagoge wird heute von der Hussitischen Gemeinde genutzt.

Ehem. Synagoge (Aufn. Markéta Berešová, 2012, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

 

 

 

Weitere Informationen:

Karl Blan (Bearb.), Neu-Cerekwe, in: Hugo Gold (Hrg.), Die Juden und Judengemeinden Böhmens in Vergangenheit und Gegenwart, Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn/Prag 1934, S. 600

Jiří Cerny (Red.), Monumente der jüdischen Besiedlung in Nová Cerekev, in: "Vlastivědný sborník Pelhřimovska", 1/1990,  S. 19 - 24

Jiri Fiedler, Jewish sights of Bohemia and Moravia, Prag 1991, S. 123

Jewish Families from Nová Cerekev (Neu Zerekwe), Bohemia, Czech Republic, online abrufbar unter: geni.com/projects/Jewish-families-from-Nov%25C3%25A1-Cerekev-Neu-Cerekwe-Bohemia-Czech-Republic/15327

Jewish cemetery Nová Cerekev, online abrufbar unter: region-vysocina.cz/jewish-cemetery-nova-cerekev-cx1731

Jewish cemetery in Nová Cerekev, online abrufbar unter: commons.wikimedia.org/wiki/Category:Jewish_cemetery_in_Nová_Cerekev (Anm. mit zahlreichen Aufnahmen des Geländes und der hier befindlichen Grabsteine)