Neu-Raussnitz (Mähren)

Datei:Map CZ - district Brno-mesto.PNG – Wikipedia Rousínov | Holocaust  Neu-Raussnitz - etwa 20 Kilometer östlich von Brünn (Brno) gelegen - ist das tschechische Rousinov mit derzeit 5.600 Einwohnern (Kartenskizzen 'Tschechien' mit Lage Okres Brrno - Rousinov farbig markiert  und  aus: holocaust.cz/zdroje/zidovske-komunity-v-cechach-a-na-morave/rousinov).

 

Die ersten Juden siedelten sich vermutlich bereits in der zweiten Hälfte des 15.Jahrhunderts in Neu-Raussnitz an; es waren aus den Königsstädten vertriebene Familien, die hier Obdach und Schutz erhielten. Der erste schriftliche Beleg für die Anwesenheit eines Juden stammt aus dem Jahre 1554, als dieser das Privileg erhielt, in Neu-Raussnitz Vieh- und Kleinhandel zu betreiben. Von den Anfängen bis ins 19. Jahrhundert wohnten die Juden hier in einem Ghetto, das mehrfach durch Brände und marodierende Armeen verwüstet wurde. Um 1820 zählte der Ghettobereich fast 150 Häuser; die meisten sind heute noch erhalten.

Eine Gemeinde hatte sich bereits gegen Ende des 16.Jahrhunderts gebildet. 1591 war auch eine Synagoge erbaut worden. In den 1840er Jahren wurden dem Gebäude klassizistische Elemente hinzugefügt.

                                                  Synagogenportal in Neu-Raussnitz (hist. Aufn.)

Ein eigener Begräbnisplatz wurde vermutlich um 1550 angelegt; der älteste noch vorhandene Grabstein stammt aus dem Jahre 1695.

Aus dem ausgehenden 18.Jahrhundert ist das Vorhandensein einer „Jüdischen Normalschule“ überliefert, die im 19.Jahrhundert in eine „deutsche Volksschule“ umgewandelt wurde; ihre Auflösung erfolgte nach dem Ersten Weltkrieg.

Juden in Neu-Raussnitz:

         --- um 1675 .........................     18 jüdische Familien,

    --- 1830 ............................  1.039 Juden,

    --- um 1857 ..................... ca.  1.150   “   (ca. 50% d. Bevölk.),

    --- 1900 ............................    199   “   (ca. 13% d. Bevölk.),

    --- 1930 ............................     31   “ .

Angaben aus: Hugo Gold, Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden Mährens, S. 91

und                 Jiri Fiedler, Jewish Sights of Bohemia and Moravia, S. 163

 

Während des 18. und 19.Jahrhunderts gehörten jüdische Unternehmer aus Neu-Raussnitz zu denjenigen, die am industriellen Wachstum der Stadt Brünn maßgeblichen Anteil hatten, so z.B. auf dem Gebiete der lederverarbeitenden Industrie. Gegen Mitte des 19.Jahrhunderts machte der jüdische Bevölkerungsanteil etwa die Hälfte der Kleinstadtbevölkerung aus.

Ortszentrum von Neu-Raussnitz (hist. Aufn.)

Bis gegen Ende des Ersten Weltkrieges hatte es in Neu-Raussnitz auch eine eigene politische Judengemeinde gegeben. Mit der Abwanderung der jüdischen Familien löste sich die israelitische Gemeinde Ende der 1920er Jahre auf.

Die deutsche Besetzung besiegelte dann das Ende jedes jüdischen Lebens in der Kleinstadt; 1941/1942 setzten die Deportationen ein; zusammen mit den Brünner Juden wurden auch die wenigen jüdischen Bewohner von Neu-Raussnitz verschleppt.

 

Das einstige Synagogengebäude nutzte nach dem Zweiten Weltkrieg die tschechische Hussitische Kirche. Über dem Eingangsportal - wo früher die beiden Gesetzestafeln angebracht waren – befindet sich heute das christliche Kreuz.

  Synagoga Rousínov 01.jpgSynagoga Rousínov 06.jpg

ehem. Synagogengebäude (Aufn. J. Erbanová, 2012, in: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Im Jahre 2006 wurde an der Fassade des Gebetshauses eine Gedenktafel für die hiesigen Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung enthüllt.

       Rousínov, bývalá synagoga, pamětní deska.jpg Gedenktafel (Aufn. P., 2019, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 4.0)

Der jüdische Friedhof mit seinen kunstvollen barocken und klassizistischen Grabmälern - insgesamt zählt man ca. 1.500 Grabstätten - hat die Zeiten überdauert; der älteste Grabstein datiert von 1695.

jüdischer Friedhof Neu-Raussnitz/Rousinov (Aufn. Jitka Erbanová, 2012, aus: wikimepia.org, CC BY-SA 3.0)

 

 

Weitere Informationen:

Max Steif (Bearb.), Geschichte der Juden in Neu-Raussnitz, in: Hugo Gold (Hrg.), Die Juden und Judengemeinden Mährens in Vergangenheit und Gegenwart, Jüdischer Buch- und Kunstverlag Brünn, Brünn 1929, S. 406 - 408

Hugo Gold, Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden Mährens, Olamenu-Verlag, Tel Aviv 1974, S. 91

Jiri Fiedler, Jewish Sights of Bohemia and Moravia, Prag 1991, S. 163/164

Jan Herman, Jewish Cemeteries in Bohemia and Moravia, Hrg. International Association of Jewish Genealogical Societies Cemetery Project

Jewish Families from Rousinov (Neu Raußnitz), Moravia, Czech Republic, online abrufbar unter: geni.com/projects/Jewish-Families-from-Rousinov-Neu-Rau%25C3%259Fnitz-Neu-Rausnitz-Moravia-Czech-Republic/13126