Odenkirchen (Nordrhein-Westfalen)

Kreis Bergheim (Erft) - Wikiwand Odenkirchen ist seit der Eingemeindung (1929) ein südlicher Stadtteil von Mönchengladbach mit derzeit ca. 20.000 Einwohnern (Ausschnitt aus einer Bild-Karte, um 1620, Abb. Gigas/Ritz, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0  und  Ausschnitt aus hist. Karte von 1905, aus: wikipedia.org, gemeinfrei).

 

Bereits gegen Mitte des 14.Jahrhunderts sind Juden im Dorfe Odenkirchen nachweisbar; für die folgenden drei Jahrhunderte fehlen allerdings jedwede Belege. Erst Anfang des 18.Jahrhunderts lassen sich wieder urkundliche Hinweise auf einzelne jüdische Familien finden.

Eine Synagogengemeinde bildete sich um 1810. Etwa zehn Jahre später gab es in Odenkirchen ein kleines Synagogengebäude, das nach einer fast 100jährigen Nutzung durch einen Neubau im Hinterhof der Mühlenstraße, der heutigen Burgmühle, ersetzt wurde; dessen feierliche Einweihung erfolgte im September 1911. In den Gartenanlagen der Burg Odenkirchen soll an diesem Tag ein großes Festkonzert mit -bankett stattgefunden haben.

            Innenraum der Synagoge Odenkirchen (Animation)                                          

Seit ca. 1805 bestand auch zeitweilig eine jüdische Privatschule, in der neben Religions- auch Elementarunterricht erteilt wurde; in der Folgezeit besuchten die jüdischen Kinder die öffentlichen Volksschulen Odenkirchens.

Ein jüdischer Friedhof in Odenkirchen wurde um 1840 abseits des Ortskerns - an der Kamphausener Straße - angelegt. Vermutlich hatte bereits zuvor an anderer Stelle ein Begräbnisgelände existiert.

 Grabstelen - neuerer Teil des Friedhofs (Aufn. aus: steinheim-institut.de)

Mit der Gründung der Kreissynagogengemeinde Gladbach um 1855 verlor die jüdische Gemeinde Odenkirchens ihre Autonomie und wurde zu einer „Spezialgemeinde“ herabgestuft.

Juden in Odenkirchen:

         --- um 1570 ....................... eine jüdische Familie,

    --- 1730 ........................... 12     "       "    ,

    --- 1794 ..........................  10     “       “   n,

    --- um 1805 .......................  73 Juden,*       * in der Bürgermeisterei

    --- um 1815 ................... ca.  45   "  ,

    --- 1849 ..........................  90   “  ,

    --- 1858 ..........................  88   “  ,

    --- 1865 ..........................  89   “  ,

    --- 1880 ..........................  95   “  ,

    --- 1893 ..........................  87   “  ,

    --- 1924 .......................... 112   “  ,

    --- 1932 ..........................  90   “  ,

    --- 1942 (Dez.) ...................  keine.

Angaben aus: Günther Erckens, Juden in Mönchengladbach, Band 2, S. 209 und S. 230

    undefinedPostkarte um 1928, Sammlung W.Gärtner, aus: wikipedia.org, CCO)

 

Die Juden Odenkirchens lebten zunächst vom Viehhandel und Metzgergewerbe; zudem betrieben sie ambulanten Handel; später gehörten einige der Arbeiterschaft an. Zu Beginn des 20.Jahrhunderts wandelte sich ihre berufliche Struktur; nunmehr lebten auch Kaufleute und Fabrikanten in Odenkirchen. Die wenigen jüdischen Geschäfte wurden am 1.April 1933 auch in Odenkirchen boykottiert; die bestehenden Textilbetriebe waren vom Boykott nicht betroffen, wurden aber bis 1938 „arisiert“.

In der Pogromnacht des 10.November 1938 zerstörten SA-Angehörige den Innenraum des Synagogengebäudes; die dann im Anschluss erfolgte Inbrandsetzung konnte durch das Einschreiten örtlicher Behördenvertreter - die Feuerwehr wurde zu Löscharbeiten herangezogen - in Grenzen gehalten werden. Durch Bombenangriffe gegen Ende des Krieges wurde das Gebäude dann völlig zerstört.

Während einem Teil der Odenkirchener Juden noch die Emigration gelang, wurden die verbliebenen deportiert; Ende des Jahres 1942 sollen keine Juden mehr am Ort gelebt haben.

 

Heute erinnert nur wenig an die ehemalige jüdische Gemeinde Odenkirchens.

2006 wurden sog. „Stolpersteine“ vor dem Hause „Zur Burgmühle 24“ verlegt, die an die deportierte und ermordete Familie Levy erinnern sollen.

          alle Aufn. der Stolpersteine R., 2019, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0

In einer weiteren Verlegeaktion (2007) wurden drei „Stolpersteine“ zur Erinnerung an den Odenkirchener Geschäftsmann Oberländer und Familie in den Gehweg vor dem Hause „Burgfreiheit 3“ eingefügt.

                                                      

 

Am Eingang des jüdischen Friedhofs, der während des Krieges von den Nationalsozialisten teilzerstört und nach 1945 zunächst verfiel, befindet sich eine Gedenktafel mit folgenden Wortlaut:

Zur Erinnerung an die Zerstörung der Odenkirchener Synagoge - Zur Burgmühle 24 - am 9./10.November 1938

Wer wird sich für mich gegen die Frevler erheben,

Wer steht für mich gegen den, der Unrecht tut ?

Wäre nicht der Herr meine Hilfe,

Bald würde ich im Land des Schweigens wohnen.     Psalm

Gestiftet von den Odenkirchener Bürgern

 Ein eigenwillig gestaltetes Mahnmal des Bildhauers Wilhelm Josef Strunk ist den Opfern von Terror und Verfolgung gewidmet (Aufn. H., 2010, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0).

 

[vgl.  Mönchengladbach und Rheydt (Nordrhein-Westfalen)]                          

 

 

 

Weitere Informationen:

Emil Heymann, Die jüdische Gemeinde Odenkirchen, in: Odenkirchener Heimatfestwoche Juli 1953, 800 Jahre Burg Odenkirchen, Odenkirchen 1953

M. Engbarth/G.Lamers, Mönchengladbach, in: Wegweiser durch das jüdische Rheinland, Berlin 1992, S. 192 ff.

Günther Erckens, Juden in Mönchengladbach, in: "Beiträge zur Geschichte der Stadt Mönchengladbach", Bd. 2, Mönchengladbach 1989, S. 192 – 236 (Juden in Odenkirchen), S. 494 – 496 (Der jüdische Friedhof in Odenkirchen) und S. 536 - 538 (Grabinschriften jüdischer Friedhof Odenkirchen)

Elfi Pracht-Jörns, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil II: Regierungsbezirk Düsseldorf, J.P. Bachem Verlag, Köln 2000, S. 205 - 207

www.fh-niederrhein.de/~gymoden/pupils/judodenk/synagog.htm

Harald Wendler (Red.), Beeindruckende Feier am Gedenkstein des Jüdischen Friedhofs Odenkirchen, in: „MG-Heute. Mönchengladbacher Zeitung“ vom 11.11.2013

N.N. (Red.), Fünf neue Stolpersteine in Odenkirchen, in: "Bürgerzeitung Mönchengladbach & Umland“ vom Dez. 2017

Auflistung der in Odenkirchen verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Mönchengladbach (Stadtbezirk Süd)