Mrotschen (Posen)

Bildergebnis für Kreis schneidemühl landkarte In Mrotschen (poln. Mrocza, derzeit ca. 4.400 Einw.) – östlich der Stadt Schneidemühl und nordwestlich der Stadt Bromberg gelegen - ließen sich jüdische Familien ab der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts nieder; sie bildeten seit den 1830er Jahren offiziell eine Gemeinde. Ihren Zenit erreichte die Zahl der Gemeindeangehörigen einige Jahre vor der Mitte des 19.Jahrhunderts.

Zu den Kultuseinrichtungen gehörten eine Synagoge und ein am Ortsrand angelegter Friedhof.

Juden in Mrotschen:

--- 1772 .........................  82 Juden,

--- 1808 ......................... 132   “  (ca. 20% d. Bevölk.),

--- 1816 ......................... 164   "  ,

--- 1849 ......................... 221   “  (ca. 18% d. Bevölk.),

--- 1871 ......................... 213   “  (ca. 13% d. Bevölk.),

--- 1885 ......................... 165   “  (ca. 10% d. Bevölk.)

--- 1895 ......................... 181   “  (ca. 9% d. Bevölk.),

--- 1903 ......................... 185   “  ,

--- 1910 ......................... 137   “  (ca. 5% d. Bevölk.),

--- 1920 .........................  95   “  ,

--- 1922 ..................... ca.  50   “  ,

--- 1939 .........................  16   “  ,

--- 1941 (März) ..................  11   "  ,

         (Dez.) ..................  keine.

Angaben aus: Mrocza, aus: sztetl.org.pl

http://mrocza.fotopolska.eu/foto/360/360304.jpgKirchenstraße in Mrotschen (hist. Postkarte, um 1910, aus: fotopolska.eu)

Die meisten jüdischen Bewohner verließen in den Jahren nach Ende des Ersten Weltkrieges die Kleinstadt in Richtung Deutschland; bereits im ausgehenden 19.Jahrhundert hatte sich eine Abwanderung abgezeichnet. Zuzüge jüdischer Familien aus dem östlichen Polen vergrößerten in den 1920er Jahren zwischenzeitlich die Gemeinde. Zwischen beiden jüdischen Bevölkerungsgruppen – den alteingesessenen und den zugewanderten Familien – gab es deutliche Spannungen.

Die wenigen noch im Ort verbliebenen Familien schlossen sich Anfang der 1930er Jahre der israelitischen Gemeinde von Schubin an, nachdem die Mrotschener Gemeinde 1932 offiziell aufgelöst worden war. Das Synagogengebäude war bereits im Jahre 1923 verkauft worden, als sich bereits damals eine Tendenz zur Gemeindeauflösung abgezeichnet hatte.

1941 wurden die wenigen noch hier lebenden Juden ins „Generalgouvernement“ deportiert; bereits unmittelbar nach Kriegsausbruch hatte ein SS-Einsatzkommando jüdische Männer ermordet.

Anm.: Im Jahre 1942 wurde der Ort von den NS-Behörden in „Immenheim“ umbenannt.

 

Das zu einem Wohnhaus umgebaute ehemalige Synagogengebäude ist bis heute erhalten.

Vom jüdischen Friedhof sind allerdings keine Relikte mehr vorhanden.

 

Weitere Informationen:

A.Heppner/J.Herzberg, Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüdischen Gemeinden in den Posener Landen, Koschmin - Bromberg 1909

Mrocza, aus: sztetl.org.pl