Rhens/Rhein (Rheinland-Pfalz)

Datei:Landkreis mayen.jpg Rhens ist seit 2014 mit der Gemeinde Untermosel zur neuen Verbandsgemeinde Rhein-Mosel (Landkreis Mayen-Koblenz) fusioniert – ca. zehn Kilometer von Koblenz rheinaufwärts gelegen (Rhens am unteren rechten Kartenrand, hist. Karte von 1905, aus: wikipedia.org, gemeinfrei).

In Rhens sollen seit dem späten Mittelalter ständig etwa drei jüdische Familien gelebt haben, die zur Zahlung von Schutzgeldern an die kurkölnische Herrschaft verpflichtet waren. 1441 wird erstmals ein jüdischer Bewohner namentlich genannt, der hier seinen Lebensunterhalt vom Geld- und Pfandhandel bestritt. Rhens, ein damals unbedeutendes Territorium des Erzstifts Köln, war von diesem im 15./16.Jahrhundert mehrfach verpfändet worden, u.a. auch an den Landgrafen von Hessen; in einem von ihm 1532 ausgestellten Schutzbrief hieß es: "Wir Philips von gots gnaden landgraf zu Hessen, grave zu Catzenelnpogen etc. bekennen an diesem brieve, das wir Haym juden genediglichen gegont und zugelassen haben, in unserem furstenthumb zuReins zu wonen, sich daselbst ehrlich, redelich und on sonderlich aller unserer underthanen beschwerunge zuneren. Und nemlich, so hat er uns gelobt und geschworn, das er vor sich, all sein weip, kinder und gesynde und diejenen, siime zustehen ader zustehen mogen, keynen wucher, gesuch oder einichen genieß nemen solle und wolle; Zu Urkund geben unther unserm aufgedruckten secret zu Melsungen …"

Trotz ihrer geringen Zahl wurden die meist vom Kleinhandel lebenden Juden oftmals von den ansässigen christlichen Kaufleuten angefeindet; diese konnten zeitweilig sogar die Ausweisung der Juden erwirken.

Als Rhens um 1800 unter französische Herrschaft geriet, zogen weitere Familien zu; sie stammten vorwiegend aus Ortschaften des Hunsrücks und des Westerwaldes. In den ersten Jahrzehnten des 19.Jahrhunderts soll die jüdische Gemeinde in Rhens „in voller Blüte“ gestanden haben.

Ob die Rhenser Gemeinde den offiziellen Status einer „Synagogengemeinde“ hatten, ist umstritten; so soll die Rhenser Judenschaft seitens der Behörden 1899 angeblich nur als „Spezialgemeinde“ geführt worden sein. Als gegen Ende der 1820er Jahre ein inzwischen verfallenes „Betlocal“ durch einen Synagogenneubau ersetzt werden sollte, blieb aber eine Genehmigung dazu aus, da die aus zehn Familien bestehende Gemeinde nicht die finanziellen Kosten hätte tragen können; ein Bet- und Schulhaus wurde dagegen zugestanden und 1832 in einem älteren Wohnhaus in der Langstraße eingerichtet.

                                                   Synagoge (Gebäude mit Rundbogenfenstern), hist. Aufn. Landesamt

Zur Erledigung rituell-religiöser Aufgaben hatte die Gemeinde zeitweise einen Lehrer verpflichtet.

Verstorbene Juden aus Rhens wurden auf einem vermutlich Anfang des 19. Jahrhunderts angelegten Gelände „Auf dem Lützelforst“ (zwischen Rhens und Waldesch gelegen) beerdigt.

Juden in Rhens:

    --- 1808 ........................... 38 Juden,

    --- 1835 ........................... 19   “  ,

    --- 1853 ........................... 74   “  ,*      *Synagogenbezirk

    --- 1876 ........................... 18 jüdische Familien,

    --- 1899 ....................... ca. 45 Juden (in 10 Familien),

    --- 1905 ........................... 34   “  ,

    --- 1926 ........................... 40   “  ,

    --- 1933 ....................... ca. 40   "  ,

    --- 1939 (Sept.) ................... keine.

Angaben aus: Hans Ott, ‘Die Judengemeinde’, in: Das ist mein schönes Rhens am Rhein - Heimatbuch, Band 1

1913 gründeten hiesige Juden den „Synagogen-Verein Rhens“ mit der Zielsetzung, die religiöse Betätigung zu beleben; so wurden die Mitglieder verpflichtet, regelmäßig gottesdienstliche Zusammenkünfte aufzusuchen; bei Nichterscheinen wurden Geldstrafen fällig.

Die wenigen jüdischen Familien verließen bereits in den ersten Jahren der NS-Zeit ihren Heimatort und emigrierten; deshalb hat Rhens auch keine jüdischen Opfer zu beklagen.

Während des Novemberpogroms von 1938 drangen Angehörigen der SA und der Hitler-Jugend in das Bethaus ein, zerstörten die Ritualien, schleppten die Reste aus dem Gebäude und transportierten diese auf dem Begräbniswagen zum Rheinufer. Vermutlich aus Furcht, ein Brand könnte auf andere Gebäude übergreifen, wurde das Bethaus nicht angezündet. Mehrere Wohnungen wurden demoliert. Die letzten jüdischen Bewohner verließen 1939 die Stadt; am 10. August 1939 wurde im "Koblenzer Nationalblatt" vermeldet, dass nun Rhens „judenrein“ sei. Elf gebürtige jüdische Rhenser Bürger wurden Opfer der „Endlösung“.

 Heute erinnert eine Gedenkplakette an dem zum Wohnhaus umgebauten ehemaligen jüdischen Betlokal (Langgasse) an dessen einstige religiöse Nutzung.

                                              (Aufn. GFreihalter, 2010, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

1994 wurde ein Gedenkstein zur Erinnerung an die einstige jüdische Gemeinde aufgestellt; auf diesem sind die Namen der jüdischen Familien verzeichnet, die 1933 in Rhens lebten. Die Inschrift der Gedenkstele lautet:

Wer die Vergangenheit nicht sieht, verliert den Blick für die Zukunft.

Der jüdischen Gemeinde zum Gedenken. Den Toten zur Ehre, den Lebenden zur Mahnung.

            In Erinnerung: Frank  Günther  Mandel  Mengert  Mayer  Mortge  Wagner

Das jüdische Begräbnisgelände „Auf dem Lützelforst“ - mit einer Fläche von mehr als 5.000 m² - befindet sich derzeit in einem ansprechenden Zustand; der älteste von den dort befindlichen ca. 35 Grabsteinen stammt aus dem Jahre 1864.

Jüdischer Friedhof in Rhens (2).jpg Zugang zum Friedhof (Aufn. J., 2018, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 4.0)

 

Jüdischer Friedhof in Rhens (Aufn. Wolfgang Vogt, aus: home.fotocommunity.de)

Weitere Informationen:

Helmut Prößler, Rhens 874 - 1974. Geschichte und Gegenwart, Rhens 1974, S. 84 - 87

Hans Ott, Das ist mein schönes Rhens am Rhein - Heimatbuch, Band 1, Rhens o.J., S. 267/268 (‘Die Judengemeinde’)

Helene Thill-Hildburg, ‘Rhens judenrein’, in: Sachor - Beiträge zur Jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz, 4.Jg., Ausgabe 3/1994, S. 20 – 27 (Anm.: enthält detaillierte Personendaten)

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 322

Rhens, in: alemannia-judaica.de