Rössel/Ermland (Ostpreußen)

  Das Landstädtchen Rössel (auch: Rößel), im östlichen Teil des Ermlandes im NO von Allenstein gelegen, wurde 1241 vom Deutschen Orden gegründet. Nach 1945 kam die teilzerstörte Kleinstadt Rössel unter polnische Verwaltung; sie heißt heute Reszel (mit derzeit ca. 5.000 Einw.) und liegt in der Woiwodschaft Ermland-Masuren (warminsko-mazurskie) etwa 55 Kilometer nordöstlich von Olsztyn (Allenstein).

Ansicht von Rössel, um 1820 (aus: wikipedia.org, CCO)

Juden sollen sich erstmals um 1814/1815 in Rössel angesiedelt haben; über die Entwicklung der jüdischen Gemeinde in den Anfangsjahrzehnten ist kaum etwas bekannt. Um 1880 erreichte die Zahl der Gemeindeangehörigen - mit knapp 140 Personen - ihren zahlenmäßigen Höchststand. Ihre Synagoge stand in der Schlossstraße. Wegen rückläufiger Mitgliederzahlen wurde das Gebäude kurz vor dem Ersten Weltkrieg aufgegeben; nur noch ein Raum diente danach als Betsaal.

Der jüdische Friedhof, der in den 1850er Jahren angelegt wurde, lag auf einem Hügel außerhalb des Stadtgebiets.

Juden in Rössel:

    --- 1816 .........................  28 Juden,

    --- 1834 .........................  55   “  ,

    --- 1846 .........................  61   “  ,

             ......................... 317   “  ,*       *im Landkreis Rössel

    --- 1871 ......................... 129   “  ,

    --- 1880 ......................... 133   “  ,

    --- 1895 .........................  84   “  ,

             ..................... ca. 300   “  ,*

    --- 1900 .........................  64   “  ,

    --- 1910 .........................  59   “  ,

    --- 1925 .........................  20   “  ,

             ......................... 132   “  ,*

    --- 1933 .........................  20   “  ,

             ......................... 108   “  ,*

    --- 1939 .........................   4   “  ,

    --- 1942 (März) ..................   keine.

Angaben aus: Aloys Sommerfeld, Juden im Ermland - Ihr Schicksal nach 1933, S. 116    

und                 A. Wołosz, Żydzi w miastach Prus Wschodnich. Obecność zapomniana czy zatarta?, in: “Studia Angerburgica”, Band 7/2002, S.103 f.    

Ab der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts musste sich die kapitalkräftige und einflussreiche jüdische Kaufmannschaft vermehrt mit dem Neid der christlichen Konkurrenten auseinandersetzen; dadurch wurde zeitweilig das ansonsten recht einvernehmliche Zusammenleben gestört.

Zu Beginn der 1930er Jahre lebten nur noch wenige jüdische Bewohner in Rössel. 1937 wurden alle jüdischen Einwohner des Kreises Rössel schriftlich aufgefordert, ihren Besitz zu verkaufen und bis Ende September 1937 das Kreisgebiet zu verlassen.*

*Anm.: Diese Ausweisungsanordnung wich zu diesem Zeitpunkt von den ‚üblichen’ antijüdischen Maßnahmen ab. Da fast alle Juden diesem Erlass Folge leisteten und den Kreis Rössel verließen, war die Zahl der jüdischen Opfer später hier gering.

Die letzten vier Juden Rössels wurden im Februar 1942 in das als Sammellager dienende jüdische Altersheim nach Allenstein abtransportiert; von hier aus wurden sie - zusammen mit vielen anderen ostpreußischen Juden - in die Vernichtungslager deportiert.

Vom jüdischen Friedhof, auf dem Anfang der 1930er Jahre die letzte Beerdigung erfolgte, sind heute kaum sichtbare Spuren mehr vorhanden.

 

In Seeburg (poln. Jeziorany, früher: Zyborg, derzeit ca. 3.300 Einw.) sollen sich im ausgehenden 18.Jahrhundert jüdische Händler aufgehalten haben, die aber erst nach 1815 ein dauerhaftes Bleibe- und Wohnrecht erhielten. Die kleine Glaubensgemeinschaft erreichte in den 1870er Jahren mit ca. 80 Personen ihren zahlenmäßigen Höchststand. Die Seeburger Juden waren der Gemeinde von Rössel angeschlossen. Eine eigene Synagoge war nicht vorhanden. Ein Friedhof wurde in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts angelegt.

Im ausgehenden 19.Jahrhundert verließen die meisten jüdischen Familien Seeburg; um 1900 lebten in der Kleinstadt noch ca. 40 Juden.

Marktplatz von Seeburg - hist. Postkarte

Die wenigen während der NS-Zeit noch hier verbliebenen jüdischen Bewohner wurden Opfer der Shoa.

 

Weitere Informationen:

Aloys Sommerfeld, Juden im Ermland - Ihr Schicksal nach 1933, in: "Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands", Beiheft 10/1991, Münster 1991, S. 115 - 119

Aloys Sommerfeld, Juden im Ermland, in: M.Brocke/M.Heitmann/H.Lordick (Hrg.), Zur Geschichte und Kultur der Juden in Ost- und Westpreußen, Georg Olms Verlag, Hildesheim/u.a., 2000, S. 87 ff.

Reszel, in: sztetl.org.pl