Rummelsburg (Hinterpommern)

 Rummelsburg ist das heutige polnische Miastko mit derzeit ca. 11.000 Einwohnern – ca. 50 Kilometer südlich der Stadt Stolp (Słupsk) gelegen (Ausschnitt aus historischer Landkarte).

In der in Hinterpommern gelegene Tuchmacherstadt Rummelsburg waren Mitte des 18.Jahrhunderts nur einige wenige jüdische Familien beheimatet; die erste privilegierte Familie war die des Moses Samuel. Erst etwa 100 Jahre wuchs ihre Zahl deutlich. Die Gemeinde verfügte seit 1818 über eine Synagoge, die aber schon 30 Jahre später wegen Baufälligkeit geschlossen werden musste; als Ersatz errichtete man in der Wasserstraße einen Neubau. Um 1820 legte die jüdische Gemeinde am „Galgenberg“ einen eigenen Friedhof an.

Juden in Rummelsburg:

         --- 1728 ........................ eine jüdische Familie,

    --- um 1750 .....................   3     “        “   n,

    --- 1812 ........................  13     “        “    (ca. 50 Pers.),

    --- 1816 ........................ 106 Juden,

    --- 1831 ........................ 122   "  ,

    --- 1840 ........................ 148   “  ,

    --- 1852 ........................ 121   "  ,

    --- 1861 ........................ 147   “  ,

    --- 1890 ........................ 155   "  ,

    --- 1895 ........................ 142   “  ,*   * andere Angabe: 240 Pers.

    --- 1905 ........................ 107   “  ,

    --- 1925 ........................  75   “  ,

    --- 1932/33 ................. ca.  60   “  ,

    --- 1939 ........................   7   “  .

Angaben aus: M.Heitmann/J.H.Schoeps (Hrg.), “Halte fern dem ganzen Land jedes Verderben ...”, S. 63

und                 Wolfgang Wilhelmus, Geschichte der Juden in Pommern, Statistik S. 252

Im August 1881 kam in Rummelsburg und zahlreichen anderen hinterpommerschen Städten zu antisemitischen Ausschreitungen; sie waren von Neustettin, wo pogromartige Unruhen die dortigen jüdischen Bewohner in Angst und Schrecken versetzt hatten, bis hierher geschwappt.

In den letzten Jahrzehnten des 19.Jahrhunderts erreichte die jüdische Gemeinde in Rummelsburg ihren zahlenmäßigen Höchststand; danach setzte eine starke Abwanderungsbewegung in die größeren Städte ein. Das lag vermutlich auch daran, dass es im Frühjahr 1900 abermals zu antijüdischen „Straßenaufläufen“ in Rummelsburg gekommen war. Anlass dieser Unruhen war der angebliche jüdische Ritualmord an einem Schüler im westpreußischen Konitz, den Antisemiten zu ihren Zwecken nutzten. Obwohl die Angeklagten freigesprochen wurden, gingen die Verleumdungen weiter und führten auch in Bütow, Lauenburg und Stolp zu Exzessen. Da die lokale Polizei die Randalierer in Rummelsburg nicht in den Griff bekam, wurde die Freiwillige Feuerwehr und Gendarmerie aus dem Kreisgebiet zu Hilfe gerufen.

 Marktstraße in Rummelsburg (hist. Postkarte, aus: fotopolska.eu)

In den 1930er Jahren löste sich die jüdische Gemeinde in Rummelsburg auf; 1937 verkaufte sie ihr Synagogengebäude an einen einheimischen Handwerksbetrieb. Die jüdischen Geschäftsleute hatten bereits um 1935 auf Grund des wirtschaftlichen Niedergangs ihre Läden aufgeben müssen. Bis Kriegsbeginn hatten fast alle jüdischen Bewohner Rummelsburg verlassen.

 

Bauliche Relikte jüdischen Lebens sind heute nicht mehr vorhanden. Der Friedhof wurde nach 1930 zerstört und alle Grabsteine abgeräumt; das ehemalige jüdische Begräbnisgelände ist heute ein Brachfläche ohne jeden Hinweis auf dessen einstige Bestimmung.

teren cmentarza żydowskiego w Miastku Ehem. Friedhofsgelände (Aufn. Alexander Schwarz, in: kirkuty.xip.pl)


 

In Pollnow (poln. Polanów, derzeit ca. 3.000 Einw.) - im Krs. Schlawe, nordwestlich von Rummelsburg gelegen - existierte im 19.Jahrhundert eine kleine jüdische Gemeinde, die 1860/1880 mit knapp 100 Angehörigen ihren Höchststand erreichte. Erstmalige Niederlassung einer Familie war hier um 1735 erfolgt. Bis 1812 wurden Verstorbene auf dem jüdischen Friedhof in Neustettin begraben, ehe danach ein eigenes Beerdigungsgelände zur Verfügung stand. Gemeindliche Zusammenkünfte fanden in der zu Beginn des 19.Jahrhunderts errichteten Synagoge in der Langebachstraße statt. In der kleinen Gemeinde, deren Angehörige zumeist aus sozial-schwachen Familien kamen, war ein häufiger Kantor/Lehrerwechsel zu verzeichnen.

Juden in Pollnow:

--- 1794 ....................... 13 Juden,

--- 1812 ....................... 11 jüdische Haushalte,

--- 1871 ....................... 98 Juden (ca. 4% d. Bevölk.),

--- 1885 ....................... 74   “  ,

--- 1925 ....................... 37   “  ,

--- 1932/33 ................ ca. 30   “  ,

--- 1939 .......................  9   “  ,

--- 1943 (Herbst) .............. keine.

Angaben aus: Polanow, in: sztetl.org.pl

Anfang der 1880er Jahre kam es - wie in anderen Orten Hinterpommerns - zu antijüdischen Ausschreitungen, die danach eine Abwanderung der Familien mosaischen Glaubens noch beschleunigten. Denn schon in den Jahren zuvor hatte es eine deutliche Abwanderung in die größeren Städte eingesetzt. Mit dem Niedergang der Gemeinde wurde das Synagogengebäude verkauft; die verbliebenen jüdischen Bewohner schlossen sich der Bublitzer Gemeinde an. Im Frühjahr 1939 lebten in Pollnow noch neun Personen mosaischen Glaubens; die letzte Familie wurde im Herbst 1943 deportiert. 

Das vermutlich gegen Ende der 1930er Jahre zerstörte Friedhofsgelände ist heute überbaut. Das Synagogengebäude wurde gegen Kriegsende zerstört.

 

Weitere Informationen:

F. Tribbensee, Die Juden in der Stadt und im Kreis Rummelsburg, Rummelsburg 1940

Karl Knaack, Geduldet und wieder vertrieben - Artikelserie zur Geschichte der Juden in Rummelsburg, in: "Pommersche Zeitung (Ausgabe für die Kreise Bütow, Lauenburg, Rummelsburg)", Okt./Nov. 1990

M.Heitmann/J.H.Schoeps (Hrg.), “Halte fern dem ganzen Land jedes Verderben ...” Geschichte und Kultur der Juden in Pommern, Georg Olms Verlag, Hildesheim/Zürich 1995, S. 63/64

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 2), New York University Press, Washington Square, New York 2001, S. 1105/1106

Wolfgang Wilhelmus, Geschichte der Juden in Pommern, Ingo Koch Verlag, Rostock 2004

Gerhard Salinger, Die einstigen jüdischen Gemeinden Pommerns. Zur Erinnerung und zum Gedenken, New York 2006, Teilband 3, Teil III, S. 605 – 615 (Pollnow) und S. 689 – 701 (Rummelsburg)

Miastko, in: sztetl.org.pl

K. Bielawski (Red.), Miastko, in: kirkuty.xip.pl

Polanow, in: sztetl.org.pl