Rosenberg/Ružomberok (Slowakei)

Bildergebnis für Ružomberok mapa  Die Stadt Rosenberg ist das slowakische Ružomberok (ung. Rózsahegy) mit derzeit ca. 27.000 Einwohnern - etwa 55 Kilometer von Banská Bystria (Neusohl) bzw. 60 Kilometer von Zilina (Sillein) entfernt gelegen (Kartenskizze aus: deacademic.com).

Seit den 1820er Jahren machten sich jüdische Familien in Rosenberg ansässig, die 1860 hier offiziell eine Gemeinde gründeten; bereits in den Jahrzehnten zuvor hatten sich Juden in umliegenden Dörfern aufgehalten.

Zu den gemeindlichen Einrichtungen zählten ein um 1865 eröffneter Friedhof (mit einer Chewra Kadischa) und ein im neoromanischen Stile errichtetes Synagogengebäude, das 1870* seine Einweihung erfuhr. *andere Angabe: 1880

  Etwa zeitgleich richtete man eine jüdische Elementarschule ein. 

Juden in Rosenberg/Ružomberok:

--- 1848 ...........................    25 jüdische Familien,

--- 1869 ....................... ca.   400 Juden,

--- 1880 ...........................   434   “  ,

--- 1910 ........................... 1.063   “  ,

--- 1922 ....................... ca. 1.300   “  ,

--- 1940 ....................... ca.   800   “  ,

--- 1941 (Mai) ................. ca.   350   “  .

Angaben siehe: The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 2), S. 1107

Jüdische Bewohner Rosenbergs waren sowohl im Wirtschaftsleben als auch in der Kommunalpolitik aktiv; mehr als 100 Geschäfte, zahlreiche Handwerksbetriebe und mehrere große Fabriken hatten jüdische Besitzer.

Als gegen Ende des Ersten Weltkrieges in den umliegenden Dörfern antijüdische Ausschreitungen zu verzeichnen waren, erfolgte von dort nun ein Zuzug nach Ružomberok.

In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen gewann die zionistische Bewegung in der Stadt an Einfluss; mehrere Organisationen konnten nun hier Fuß fassen und eine Anhängerschaft rekrutieren.

Als im Herbst 1938 der slowakische Staat gegründet wurde, setzte auch in Rosenberg die Entrechtung und Verfolgung seiner jüdischen Bewohner ein. Deportationen begannen im März 1942 (nach Majdanek).

Einige hundert sollen der Vernichtungsmaschinerie entronnen sein, da sie sich in die Wälder geflüchtet und hier den Partisanen angeschlossen hatten.

 

Nur jeder 5.Einwohner jüdischen Glaubens überlebte die faschistische Herrschaft. Bis 1949 hatten fast alle Überlebenden die Stadt verlassen und waren nach Palästina/Israel oder in die USA emigriert; nur wenige alte Leute blieben zurück.

Das Synagogengebäude, das jüngst umfassend saniert/restauriert wurde, dient heute als städtisches Kulturhaus.

Datei:Synagogue in Ružomberok.jpg  Synagogue in Ružomberok1.jpg

Ehem. Synagoge (Aufn. Marcin Szala, 2009, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

Der jüdische Friedhof befindet sich heute auf dem Gelände des kommunalen Friedhofs. Ursprünglich wurden verstorbene Juden auf einem anderen Begräbnisplatz (in Váh) beerdigt, der während der Kriegsjahre zerstört worden war. Von dort stammen auch die Grabplatten, die man zu einem Lapidarium gefügt hat.

 Jewish cemetery Ružomberok Jewish cemetery Ružomberok

Teilansicht des jüdischen Friedhofs - Lapidarium (beide Aufn. 2011, aus: zilina-gallery.sk)

Auf dem jüdischen Friedhof befindet sich auch ein Lapidarium, das aus zahlreichen Grabtafeln besteht und an ehemalige jüdische Bewohner der Stadt erinnert.

 

Jüdische Ansässigkeit im Dorfe Lúčky bzw. Luky (ung. Lucski) – im Kreis Rosenberg/Ružomberok (ung. Rózsahegy) gelegen - begann vermutlich im frühen 18.Jahrhundert.

Juden in Luky:

--- 1828 ...................... 190 Juden,

--- 1940 ......................  70   “ .

Angaben aus: The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 2), S. 766

Die in Luky lebenden jüdischen Dorfbewohner wurden im Frühjahr 1942 nach Auschwitz-Birkenau bzw. in den Lublin-Distrikt deportiert.

 

In den letzten Jahrzehnten des 18.Jahrhunderts ließen sich in Namestovo (ung. Námesztó, poln. Namiestowo) - im Nordosten des Landes nahe der polnischen Grenze, ca. 40 Kilometer nordöstlich von Rosenberg (Ružomberok) gelegen - aus mährischen Gebieten kommende jüdische Familien im Ort nieder und gründeten eine Gemeinde, die der orthodoxen Richtung zuzurechnen war.

Seit ca. 1850 besuchten die jüdischen Kinder eine eigene Schule.

Der jüdische Friedhof von Namestovo ist einer der ältesten der Slowakei.

Juden in Namestovo :

--- 1828 ........................ 176 Juden,

--- 1880 ........................ 286   “  ,

--- 1921 ........................ 135   “  ,

--- 1930 ........................ 125   “  ,

--- 1940 ........................ 114   “  .

Angaben aus: The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 2), S. 872

Gegen Ende des 19.Jahrhunderts setzte eine Ab- und Auswanderung ein, die auch durch das Wirken zionistischer Organisationen bedingt war.

Mit Beginn der slowakischen Nationalgründung wurden die noch in Namestovo lebenden Juden ihrer Wirtschaftsgrundlage beraubt, indem ihre Gewerbebetriebe/Geschäfte „arisiert“ und die Familien aus dem öffentlichen Leben verdrängt wurden. Gleichzeitig wurden die Männer zu Zwangsarbeit herangezogen.

Im Frühjahr 1942 setzten die Deportationen ein, die in die Ghettpo- u. Vernichtungslager auf polnischem Boden führten; die allermeisten fanden hier einen gewaltsamen Tod.

Als die Stadt von deutschen Truppen besetzt wurde, fielen die letzten jüdischen Bewohner Exekutionskommandos zum Opfer oder konnten flüchten. Nur zwei jüdische Bewohner sollen den Holocaust überlebt haben.

Zeugnis ehemaliger jüdischer Ansässigkeit in Nawestovo legt heute nur noch der alte Friedhof ab. Das bis ca. 2010 völlig von der Vegetation überwucherte und stark in Mitleidenschaft gezogene Beerdigungsgelände wurde auf private Initiative hin in einen wieder würdigen Zustand versetzt.

Jewish cemetery Námestovo Jüdischer Friedhof in Namestovo (Aufn. 2012, aus: zilina-gallery.sk)

 

Weitere Informationen:

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 2), New York University Press, Washington Square, New York 2001, S. 1107/1108 (Rosenberg/Ruzomberok), S. 766 (Luky) und S. 872(Namestovo)

Maros Borský, Synagogue Architecture in Slovakia towards creating a memorial landscape of lost community, Dissertation (Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg), 2005, S. 158

The Jewish Community of Ružomberok, Hrg. Beit Hatfutsot – The Museum of the Jewish People, online abrufbar unter: dbs.bh.org.il/place/ruzomberok

Židovský cintorín Ružomberok – בית הקברות היהודי Jewish Cemetery in Ružomberok - Jüdischer Friedhof in Ružomberok, online abrufbar unter: zilina-gallery.sk

The Jewish Community of Namestovo, Hrg. Beit Hatfutsot – The Museum of the Jewish People, online abrufbar unter: dbs.bh.org.il/place/namestovo

Židovský cintorín Námestovo – בית הקברות היהודי – Jewish Cemetery in Námestovo Jüdischer Friedhof in Námestovo, online abrufbar unter: zilina-gallery.sk

dpa, Unbekannte verwüsten jüdischen Friedhof, in: SPIEGEL online vom 18.12.2019