Strutt (Elsass)

Der kleine niederelsässische Ortschaft Strutt (derzeit kaum mehr als 200 Einwohner) ist das heutige franz. Struth - in unmittelbarer Nähe des "Naturparks Nordvogesen" gelegen.

Die Wurzeln einer jüdischen Gemeinde in Strutt liegen Ende des 17.Jahrhunderts; allmählich vergrößerte sich die Zahl der hier lebenden Familien und erreichte gegen Mitte des 19.Jahrhunderts ihren zahlenmäßigen Höchststand. Danach setzte die Abwanderung der Familien in größere Städte ein.

Das heute noch existierende, im neoromanischen Stile errichtete Synagogengebäude wurde 1835/1836 eingeweiht; eine Apsis wurde im Jahre 1903 angebaut.

 

                                            Synagoge in Strutt (Vergrößerung aus einer Bildpostkarte)                           Inschrift über dem Eingangsportal

Die Inschrift über dem Eingang mit Zitat aus Psalm 118,20 lautet: „Dies ist das Tor zum HERRN, Gerechte ziehen durch es hinein...“

Religiös-rituelle Aufgaben erledigte zeitweise ein von der Gemeinde angestellter Lehrer. Eine jüdische Schule gab es im Ort seit den 1860er Jahren; sie konnte bis ca. 1925 betrieben werden. Im Kellergeschoss des schulgebäudes befand sich eine Mikwe.

Vermutlich seit Mitte des 18.Jahrhunderts stand für die verstorbenen Gemeindeangehörigen ein Friedhofsgelände zur Verfügung; es liegt westlich des Ortes an einem Steilhang. 

http://www.alemannia-judaica.de/images/Alsace%203/Struth%20Cimetiere%20103.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Alsace%203/Struth%20Cimetiere%20101.jpg

Ansichten des jüdischen Friedhofs in Struth (Aufn. J. Hahn, 2004)

Die jüdische Gemeinde Strutt gehörte dem Rabbinat Sarre-Union an, nach 1926 dem Rabbinat von Zabern (Saverne).

Juden in Strutt:

         --- 1756 ........................   7 jüdische Familien,

    --- 1784 ........................  17     “       “   (ca. 70 Pers.),

    --- 1807 ........................ 108 Juden,

    --- 1846 ........................ 148   “  ,

    --- 1870 ........................ 161   “  ,

    --- 1900 ........................ 146   “  ,

    --- 1910 ........................ 149   “  ,

    --- 1923 ........................  92   “  ,

    --- 1929 ........................  57   “  ,      

--- 1936 ........................  45   “  ,

    --- 1953 ........................  23   “  .

Angaben aus: Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, S. 32

Zu Beginn der 1930er Jahre lebten nur noch wenige jüdische Familien im Ort.

Während der deutschen Besatzungszeit wurden die noch im Ort ansässigen jüdischen Bewohner nach Südfrankreich verbracht; von dort wurden sie meist in die NS-Vernichtungslager deportiert.

Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem/Jerusalem und des „Gedenkbuches – Opfer der Verfolgung der Juden ...“ sind zwölf gebürtige Struther Juden Opfer der „Endlösung“ geworden (namentliche Nennung der betroffenen Personen siehe: alemannia-judaica.de/struth_synagogue.htm).

 

Ein Teil der Überlebenden kehrte nach Kriegsende zurück und gründete eine neue, kleine Gemeinde. Als die Zahl der Gemeindeangehörigen stark rückläufig war, stellte man Ende der 1960er Jahre die regelmäßigen Gottesdienste in der Synagoge ein. Das Synagogengebäude - mitsamt seiner Inneneinrichtung - steht heute unter Denkmalschutz; 1997 bzw. 2002 wurde das Bauwerk grundlegend renoviert, in dem zu hohen Feiertagen einmal im Jahr noch Gottesdienste abgehalten werden.

      Synagoge in Struth (Aufn. Olivier Lévy, 2007, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)                     Innenraum (Aufn. J. Hahn, 2004)

Auf dem jüdischen Friedhof befindet sich ein Denkmal für die vier jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges aus Struth sowie für die acht deportierten Gemeindeglieder.

Denkmal auf dem Friedhof (Aufn. J. Hahn, 2004) http://www.alemannia-judaica.de/images/Alsace%203/Struth%20Cimetiere%20107.jpg

Weitere Informationen:

Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, Jerusalem 1992

Jean Daltroff, La route du judaïsme en Alsace, 2. Aufl. Bernardswiller 2010, S. 57

Struth, in: alemannia-judaica.de (mit diversen Bilddokumenten zur jüdischen Ortshistorie)