Stuhm (Westpreußen)

Karte des Kreises Marienburg (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

In der ca. 15 Kilometer südlich von Marienburg gelegenen Ortschaft Stuhm (poln. Sztum mit derzeit ca. 10.000 Einwohnern) gab es eine israelitische Gemeinde, deren Wurzeln noch im ausgehenden 18.Jahrhundert liegen. 1788 fand hier erstmalig ein Schutzjude (Jacob Lewin) Erwähnung. Mit der zu Beginn des 19.Jahrhunderts erfolgten Zuwanderung jüdischer Familien bildete sich in Stuhm eine Gemeinde; jeder zehnte Bewohner des kleinen Ortes war 1820/1830 mosaischen Glaubens.

1820 erbaute die kleine Gemeinde ein Bethaus; angegliedert war die Schule. Ein neues Synagogengebäude - erbaut/eingeweiht vermutlich im Jahre 1862 - stand in der Wasserstraße am Hintersee; der Bau konnte nur mit Hilfe von Spendengeldern realisiert werden.

                    Synagoge in Stuhm (siehe Einrahmung)

Die jüdischen Kinder besuchten die lokale christliche Schule; dafür mussten die Gemeindeangehörigen einen „Gehaltszuschuss für den Rektor“ entrichten.

Die Anlage eines Friedhofs soll bereits im 18.Jahrhundert erfolgt sein, als der Juden Samuel Israel ein Grundstück für diesen Zweck erwerben konnte. Sichere urkundliche Belege auf dauerhafte jüdische Ansässigkeit in Stuhm liegen aber erst seit 1806 vor.

Der Gemeinde angeschlossen waren nach 1900 auch jüdische Familien aus nahen Dörfern.

Juden in Stuhm:

--- 1812 ...........................  20 jüdische Haushalte,

--- 1831 ...........................  98 Juden (ca. 10% d. Bevölk.),

--- 1846 ...........................  91   “  ,

--- 1871 ........................... 106   “   (ca. 5% d. Bevölk.),

--- 1885 ........................... 102   “  ,

--- 1898 ...........................  80   “   (ca. 3% d. Bevölk.),

--- 1907 ..........................  77   “  ,

--- 1924 ...........................  69   “  ,

--- 1933 ...........................  46   “  ,

--- 1939 (Mai) .....................   3   “  .*     * andere Angabe: 13 Pers.

Angaben aus: Gerhard Salinger, Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Westpreußens, Teilband 3, S. 717

Mit der nach 1900 einsetzenden Auswanderung nach Nordamerika verlor die jüdische Gemeinde deutlich an Mitgliederzahl, sodass Anfang der 1930er Jahre kaum noch 50 Juden im Dorfe lebten.

Während des Novemberpogroms zerstörten Nationalsozialisten die Synagoge; ihre Ruine wurde erst nach 1945 entfernt. Ende 1939 gab es hier nur noch drei jüdische Bewohner; ihr Schicksal ist unbekannt.

Außer spärlichen Relikten des einstigen jüdischen Friedhofs – einige Steine findet man heute im lokalen Museum - erinnern heute keine Spuren mehr an die einstige jüdische Geschichte Stuhms.

 

Weitere Informationen:

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (), New York University Press, Washington Square, New York 2001, Vol. 3, S. 1256

Gerhard Salinger, Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Westpreußens, New York 2009, Teilband 3, S. 715 - 719

Sztum, in: sztetl.org.pl

K. Bielawski/Peter Podlewski (Red.), Sztum, in: kirkuty.xip.pl