Thaleischweiler (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für landkreis südwestpfalz ortsdienst karte Thaleischweiler ist ein Ortsteil der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Fröschen im Landkreis Südwestpfalz - nur wenige Kilometer nördlich von Pirmasens gelegen (ohne Karteneintrag von Thaleischweiler, Karte aus: ortsdienst.de/rheinland-pfalz/suedwestpfalz).

Die ersten schriftlichen Unterlagen, die die Existenz von Juden in Thaleischweiler belegen, stammen aus dem Jahre 1767: ein Schreiben an die dortige Herrschaft ist unterzeichnet von einem gewissen „Joseph Isaac Schulz, Jud zu Thaleischweiler", der den „Schleichhandel“ umherziehender „Betteljuden“ beklagte. So schrieb er: „Durchlauchtigster Erbprinz und Gnädigster Fürst und Herr! Es hat sich seit einiger Zeit in Euer Hochfürstlich Durchlauchter hiesigen Residenz eine solche Menge von Betteljuden unter dem Schein einer Commerzie allhier eingenistet, daß nicht nur zum Schaden gnädigster Herrschaft höchst derer Bataillons und Bürgerschaft, sondern auch meines hiesigen Bewerbs allerlei sehr gefährlichen Schleichhandels täglich getrieben werden. Wann nun die Folgen dergleichen Schleichhandel, welche teils in Verwechslung und Exportierung derer guten Münzsorten gegen schlechte und verrufene und teils in Aufkaufung derer durch allerhand Dienstboten entwendet werdender Sachen bestehen, Euer Hochfürstlichen Durchlaucht nach weisester höchster Einsicht selbstgnädig bekannt sind. Es belanget an höchstdieselbere mein untertänigst gehorsamstes Bitten, durch eine emanierende herrschaftliche Verordnung dergleichen höchstgefährliche und dem gemeinen Wesen sehr schädliche Schleichhandel dergestalten zu verleiten, daß der kaufende Jud jederzeit bei Straf schuldig und gehalten sein sollte, die Deklaration bei des Oberschultheißen oder Berichtsmann tun, damit der recht- oder unrechtmäßige Besitz des verkauften Objekts dann erforschet und dadurch viele fast täglich geschehender Unterschleifung vorgebogen werden möchte. Und da dieser mein untertänigster Bericht nicht sowohl mein eigenes als höchster Herrschaft und dero Untertanen Interesse zum Ziele hat, so zweifle ich um so weniger an gnädigster Willfahr dieselben und verharre in tiefster Erniedrigung.
Untertänigst gehorsamster Knecht Joseph Isaac Schulz, Jud von hier
"

(Abschrift aus: Gerhard Reischmann, Das Judentum in Thaleischweiler)

Von 1767 bis zum Jahre 1826 finden sich dann zwar keine weiteren schriftlichen Hinweise über jüdisches Leben im Ort, doch kann davon ausgegangen werden, dass während dieses Zeitraumes Juden hier gelebt und auch eine Gemeinde gegründet haben, die im Jahre 1826 immerhin 15 Familien mit ca. 100 Personen zählte. Mit fast 150 Angehörigen erreichte diese Mitte des 19.Jahrhunderts ihren zahlenmäßigen Höchststand.

Im Jahre 1826 ist in der überlieferten Ortsgeschichte von Thaleischweiler wieder von Juden die Rede. Denn in einem damals verfassten und tradierten Schreiben beantragten sie bei der Königlich Bayrischen Regierung in Speyer, eine eigene Synagoge benutzen und unterhalten zu dürfen („Aller untertänigstes Gesuch der jüdischen Gemeinde zu Thaleischweiler um daselbst eine Synagoge nebst einem Lehrzimmer für ihre Jugend mit Wohnung für den Lehrer aus selbsteigenen Mitteln errichten zu dürfen.")

So hatte die Kultusgemeinde ein Haus in der Klostergasse erworben, das zu einer Synagoge umgebaut wurde.

                                   Synagoge_Klostergasse_001_400 Synagoge in Thaleischweiler (hist. Aufn., um 1925/1930)

Bis Ende der 1870er Jahre bestand eine jüdische Schule, die seit den 1850er Jahren in einem eigens dafür angekauften Hause in der Hauptstraße untergebracht war. Das von Jacob Levy um 1855 erworbene Gebäude ging zwar noch 1878 in den Besitz der Kultusgemeinde über, wurde dann aber – nach ca. 20jähriger Benutzung - alsbald geschlossen (Anm.: Dieses Gebäude wurde um 1930 abgerissen). Zeitweilig hatte die israelitische Gemeinde einen Lehrer angestellt, der – wie es allgemein üblich war – auch als Vorbeter und Schochet tätig war.

                      Stellenanzeige aus der Zeitschrift „Der Israelit" vom 29.Okt. 1879

Für Verstorbene stand seit 1902 ein Beerdigungsareal am Ort zur Verfügung; zuvor hatte der jüdische Zentralfriedhof in Herschberg als Begräbnisplatz gedient.

Juden in Thaleischweiler:

        --- 1800 ...........................  95 Juden (ca. 16% d. Bevölk.),

    --- 1804 ...........................  86   “  ,

    --- 1823 ...........................  99   “    (ca. 13% d. Bevölk.),

    --- 1848 ........................... 143   “    (in 25 Familien),

    --- 1875 ........................... 101   “  ,

    --- 1900 ...........................  37   “  ,

    --- 1912 ...........................  15   “  ,

--- 1924 ...........................  12   “  .

Angaben aus: Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff, Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, S. 362

Die um 1850/1870 recht große Gemeinde schrumpfte infolge von Abwanderung innerhalb weniger Jahrzehnte stark zusammen; als wegen des fehlenden Minjan keine Gottesdienste mehr abgehalten werden konnten, schlossen sich die wenigen Juden ihren Glaubensgenossen in Höheinöd an. Das Synagogengebäude wurde verkauft und diente fortan Wohnzwecken.

 Zustand des ehem. Synagogengebäudes 2008 (Aufn. J. Hahn)

Innerhalb des allgemeinen Ortsfriedhofs findet man die kleinflächige „jüdische Abteilung“.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20146/Thaleischweiler%20Friedhof%20100.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20146/Thaleischweiler%20Friedhof%20107.jpg

jüdisches Gräberfeld auf dem Kommunalfriedhof Thaleischweiler und älterer Grabstein (beide Aufn. J. Hahn, 2008)

 

Im nahen, einige Kilometer nördlich Thaleischweilers gelegenen Höheinöd (heute Teil der Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben) existierte seit dem ausgehenden 18.Jahrhundert eine kleine jüdische Gemeinschaft, die um 1850 etwa 70 Personen (in zwölf Familien) umfasste. In einem Wohnhaus war ein Betraum eingerichtet, in dem Männer und Frauen auf gleicher Höhe, nur durch eine niedrige Wand getrennt, beteten. Seit ca. 1910 gehörten auch die in Thaleischweiler und Thalfröschen lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Höheinöd und suchten hier die Gottesdienste auf. Für Verstorbene stand ein Areal auf dem kommunalen Friedhof zur Verfügung. In den folgenden Jahrzehnten verringerte sich die Zahl der Gemeindeangehörigen weiter; Anfang der 1930er Jahre lebten noch etwa 20 Juden im Ort; Gottesdienste fanden hier nun nicht mehr statt. 1935 wurde das Synagogengebäude verkauft. Die letzten hier noch verbliebenen Bewohner israelitischen Glaubens wurden im Oktober 1940 ins südfranzösische Gurs deportiert. vgl. Höheinöd (Rheinland-Pfalz)

 

Weitere Informationen:

Gerhard Reischmann, ‘Das Judentum in Thaleischweiler’. Die Geschichte der Juden, in: Festbuch zur 750-Jahr-Feier der Ortsgemeinde Thaleischweiler-Fröschen, Pirmasens 1987, S. 377 - 393

Karl Fücks, Die jüdische Gemeinde, in: E. Braun, Höheinöd 1295 – 1995, Hauenstein 1995, S. 139 - 142

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 188 (Höheinöd) und S. 362 (Thaleischweiler)

Otmar Weber, Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südwestpfalz, Hrg. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz (Landau), Dahn 2005, S. 229 (Höheinöd) und S. 243/244 (Thaleischweiler)

Thaleischweiler, in: alemannia-judaica.de

Gerhard Reischmann, Das Judentum in Thaleischweiler, online abrufbar unter: heimatlexikon-thaleischweiler-froeschen.de