Trabelsdorf (Oberfranken/Bayern)

Datei:Lisberg in BA.svg Trabelsdorf mit seinen derzeit ca. 800 Einwohnern ist seit 1976 ein Ortsteil der Verwaltungsgemeinschaft Lisberg im Landkreis Bamberg - ca. 15 Kilometer westlich der Kreisstadt gelegen (Karte Hagar, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Das kleine Dorf Trabelsdorf an der Aurach beherbergte seit etwa 1740 einige jüdische Familien, die unter dem Schutz eines Adelsgeschlechts standen. Ihren Lebensunterhalt verdienten die Trabelsdorfer Juden im Handel und Handwerk.

Um 1800 erbaute die hiesige Judenschaft am Ortsrand ein schlichtes Synagogengebäude. Im Laufe weniger Jahrzehnte wurde es baufällig; die Kosten für die fälligen Renovierungsarbeiten konnten von den Mitgliedern der Gemeinde nur unter größten Anstrengungen aufgebracht werden.

                                                        Thora-Schrein in der Synagoge Trabelsdorf (hist. Aufn.)

Ab 1905 gehörten auch die wenigen Juden aus Lisberg zur Trabelsdorfer Kultusgemeinde. Zwei Jahre später schlossen sich die Gemeinden von Trabelsdorf und Walsdorf zusammen, da die Zahl der religionsmündigen männlichen Mitglieder inzwischen stark zurückgegangen war. Wenige Jahrzehnte wurde am Ort auch eine kleine Religionsschule betrieben, deren Lehrer häufig wechselten.

    

aus der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 3.Jan. 1884, vom 6.Dez. 1900 und vom 22.Okt. 1908

Eine eher ungewöhnliche (für heutige Verhältnisse kaum vorstellbare) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Dezember 1900, in der einem Lehrer seitens der Gemeinde öffentlich für seine Arbeit gedankt und für die Zukunft alles Gute gewünscht wird.

Einen eigenen Friedhof besaß die Judenschaft Trabelsdorf nicht; ihre Verstorbenen wurden auf dem nahgelegenen Lisberger Friedhof beerdigt.

Die Kultusgemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Bischberg mit Sitz in Burgebrach (ab 1826); ab Beginn des 20.Jahrhunderts war Bamberg das zuständige Rabbinat.

Juden in Trabelsdorf:

         --- 1811 ........................ 63 Juden,

    --- 1824 ........................ 74   “   (ca. 20% d. Dorfbevölk.),

    --- 1840 ........................ 80   “  ,

    --- 1852 ........................ 67   “  ,

    --- 1875 ........................ 66   “  ,

    --- 1890 ........................ 66   “  ,

    --- 1900 ........................ 59   “   (ca. 15% d. Dorfbevölk.),

    --- 1910 ........................ 37   “  ,

    --- 1925 ........................ 16   “  ,

    --- 1928 ........................ 25   “   (in 7 Familien),

    --- 1933 ........................ 18   “   (ca. 4% d. Dorfbevölk.),

    --- 1938 ........................ 14   “  ,

    --- 1942 (Apr.) ................. 10   “  ,

             (Juni) ................. keine.

Angaben aus: Klaus Guth, Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800 - 1942), S. 304

Während der NS-Zeit lebten nur noch wenige Juden in Trabelsdorf; die Kultusgemeinde war Anfang der 1930er Jahre offiziell aufgelöst worden.

Während des Novemberpogroms von 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge von einem SA-Trupp aus Bamberg, dem sich auch Einheimische angeschlossen hatten, zerstört. Das Gebäude selbst blieb baulich erhalten und wurde von der Ortsgemeinde für einen Spottpreis erworben. Die verbliebenen Personen wurden im Frühjahr 1942 nach Izbica deportiert; über ihr weiteres Schicksal ist kaum etwas bekannt. Mindestens zwölf Trabelsdorfer Juden, die noch nach 1930 im Dorf wohnten, fielen dem Holocaust zum Opfer. Das Gedenkbuch des Bundesarchivs verzeichnet insgesamt 24 in Trabelsdorf gebürtige bzw. längere Zeit am Ort lebende Personen mosaischen Glaubens, die der "Endlösung" zum Opfer gefallen sind.

Im Frühjahr 1949 mussten sich 24 der am Novemberpogrom 1938 in Trabelsdorf und Walsdorf Beteiligten vor dem Landgericht Bamberg verantworten; sie wurden zu Gefängnisstrafen zwischen einem Monat und vier Jahren verurteilt.

 

2016/2017 wurden im Lisberger Ortsteil Trabelsdorf sechs sog. "Stolpersteine" verlegt; sie erinnern an Luise Löwenfels* und an fünf Angehörige der Familie des jüdischen Viehhändlers Siegfried Liffgens. 2018 kamen vier weitere Stolpersteine (Bamberger Straße) hinzu.

         Fünf "Stolpersteine" für Fam. Liffgens (Aufn. Chr. Horn, 2018)

* Aus Trabelsdorf stammte die Jüdin Luise Löwenfels (geb. 1915), die im Alter von 20 Jahren zum katholischen Glauben konvertierte. Als katholische Ordensschwester (Maria Aloysia) wurde sie von den Niederlanden aus nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort im August 1942 ermordet. An sie erinnert seit 2006 in der niederländischen Ortschaft Geleen ein Gedenkstein.

[vgl. Lisberg (Bayern)]

 

Weitere Informationen:

Adolf Eckstein, Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstbistum Bamberg, Bamberg 1898 (Neudruck Bamberg 1995)

Baruch Z. Ophir/F. Wiesemann (Hrg.), Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918 - 1945. Geschichte und Zerstörung, München/Wien 1979, S. 150/151

Ulrike Krzywinski, Trabelsdorf, in: Klaus Guth (Hrg.), Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800 - 1942). Ein historisch-topographisches Handbuch, Bayrische Verlagsanstalt, Bamberg 1988, S. 301 - 308

Israel Schwierz, Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern - Eine Dokumentation, Hrg. Bayrische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 1992, S. 236

Johann Fleischmann, Mesusa 1 - Spuren jüdischer Vergangenheit an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach, Hrg. Arbeitskreis “Jüdische Landgemeinden an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach”, Selbstverlag J.Fleischmann, Mühlhausen 1998, S. 191

Trabelsdorf, in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

S. Michael Westerholz, Das Schicksal der jüdischen Nonne Luise Loewenfels aus Trabelsdorf, in: Johann Fleischmann, Mesusa 4 - Lebensbeschreibungen und Schicksale. Spuren jüdischer Vergangenheit an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach, Hrg. Arbeitskreis “Jüdische Landgemeinden an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach”, Selbstverlag, Mühlhausen 2004

Hans-Christof Haas (Bearb.), Trabelsdorf, in: Mehr als Steine ... Synagogengedenkband Bayern, Band 1, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg/Allgäu 2007, S. 209 - 213

Christa Horn (Red.), Erster Stolperstein in Trabelsdorf, online abrufbar als PDF-Datei unter: vg-lisberg.de (2016)

Christa Horn (Red.), Stolpersteine, online abrufbar als PDF-Datei unter: vg-lisberg.de (2017)

Auflistung der in Lisberg verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Lisberg

Marion Krüger-Hundrup (Red.), Spurensuche gegen das Vergessen, in: inFranken.de vom 24.9.2018

Marion Krüger-Hundrup (Red.), Bamberg. Erinnerungsbuch der Schüler: Spurensuche gegen das Vergessen, in: „Main-Post“ vom 2.4.2019

Projekt des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums Bamberg, Gedenkbuch für die jüdische Bevölkerung der ehemaligen Gemeinden Trabelsdorf und Lisberg, 2019