Treptow/Rega (Hinterpommern)

 Treptow a.d.Rega war eine Kleinstadt im Kreis Greifenberg - gelegen zwischen der Kreisstadt und Kolberg; es ist das heutige polnische Trzebiatow mit derzeit ca. 10.000 Einwohnern.

Treptow a. d. Rega in der Lubinschen Karte von 1618 (Abb. aus: wikipedia.org, BILD PD-alt)

Erstmals ließen sich Juden nachweislich um 1695 in Treptow nieder; urkundlich ist Jochim David genannt, der - seit 1695 mit einem Privileg ausgestattet – sich um 1720 im Ort ansässig machte. Doch bereits Jahrzehnte zuvor hatten jüdische Händler das Städtchen aufgesucht, was nicht immer die Zustimmung der christlichen Kaufleute fand. Mitte des 18.Jahrhunderts lebten nur sehr wenige jüdische Familien in Treptow; ihre Zahl war von der Stadt und der Kaufmannschaft, die um ihre wirtschaftliche Situation fürchtete, begrenzt worden. Im Laufe des 19.Jahrhunderts wuchs die Gemeinde an; im Jahre 1880 umfasste sie mehr als 200 Angehörige.

Zu den Einrichtungen der Kultusgemeinde zählte ein eigenes Friedhofsgelände an der Camminer Straße (angelegt um 1860) und eine Synagoge in der Badstüberstraße, nahe der Regabrücke; an Stelle eines älteren Gebäudes entstand in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts hier ein Neubau.

                                             Synagoge in Treptow (hist. Aufn.)

Juden in Treptow:

    --- um 1750 ........................   4 jüdische Familien,

    --- 1812 ...........................  12     “       “    ,

    --- 1816 ...........................  51 Juden,

    --- 1831 ........................... 130   “  ,

    --- 1843 ........................... 161   “  ,

    --- 1861 ........................... 181   “  ,

    --- 1871 ........................... 267   “  ,*         * gesamte Synagogengemeinde

    --- um 1890 .................... ca. 150   “  ,

    --- um 1910 .................... ca.  90   “  ,

    --- um 1930/35 ................. ca.  50   “  ,

--- 1939 (Mai) .....................  21   “  .

Angaben aus: M.Heitmann/J.H.Schoeps (Hrg.), “Halte fern dem ganzen Land jedes Verderben ...”, S. 69

Ab Mitte der 1880er Jahre wanderten zunehmend jüdische Familien aus der Kleinstadt ab; sie sahen bessere wirtschaftliche Perspektiven in deutschen Großstädten.

Marktplatz in Treptow (hist. Postkarte um 1910)

Zu Beginn der 1930er Jahre lebten in Treptow nur noch zehn bis 15 jüdische Familien, die als Geschäftsleute tätig waren und sich - verstärkt ab 1935 - Übergriffen ausgesetzt waren.

Da die Synagoge von den NS-Behörden als „Verkehrshindernis“ eingestuft worden war, wurde von der kleinen Gemeinde verlangt, das Bauwerk beseitigen zu lassen; für den Abriss sollte die Gemeinde 2.500,- RM zahlen oder der Stadt das Synagogengrundstück übereignen. Weil der Abbruch zunächst nicht erfolgte, wurde der Eingang zur Synagoge vernagelt.

Über das weitere Schicksal der jüdischen Familien in Treptow ist kaum etwas bekannt; im Juli 1942 sollen die letzten hier lebenden jüdischen Bewohner deportiert worden sein.

 

Die Synagogenruine blieb bis in die Nachkriegsjahrzehnte erhalten; in den 1960er Jahren erfolgte ihr Abriss. Auch der jüdische Friedhof, dessen Grabsteine während der NS-Zeit zumeist zerschlagen worden waren, wurde um 1970 eingeebnet und das Gelände danach als Kinderspielplatz genutzt.

Bildergebnis für Trzebiatow jewish cemetery Grabsteinrelikte (Aufn. aus: Yad Vaschem Photo Archiv)

 

Weitere Informationen:

M.Heitmann/J.H.Schoeps (Hrg.), “Halte fern dem ganzen Land jedes Verderben ...”. Geschichte und Kultur der Juden in Pommern, Georg Olms Verlag, Hildesheim/Zürich 1995, S. 69/70

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 3), New York University Press, Washington Square, New York 2001, S. 1321

Wolfgang Wilhelmus, Geschichte der Juden in Pommern, Ingo Koch Verlag, Rostock 2004

Erich Müller, Juden in Greifenberg und Treptow/Rega, Selbstverlag 2005

Brigitte Ziegler, Treptower jüdischen Glaubens, in: "Beiträge zur Greifenberg-Treptower Geschichte" 28/2005, S. 67/68

Gerhard Salinger, Die einstigen jüdischen Gemeinden Pommerns. Zur Erinnerung und zum Gedenken, New York 2006, Teilband 3, Teil III, S. 834 – 842

Trzebiatow, in: sztetl.org.pl