Schloppe (Westpreußen)

Karte des ehem. Landkreises Deutsch Krone (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Der erstmals um 1350 als „Stadt“ erwähnte Ort Schloppe - ca. 25 Kilometer südwestlich von Deutsch Krone gelegen - gehörte bis 1772 zu Polen, danach wurde er preußisch. Die Ortschaft trägt heute den Namen Czlopa und besitzt derzeit ca. 2.300 Einwohner.

Hier lebten bereits in der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts einige jüdische Familien, die zwar ein Privileg des Grundherrn besaßen, in ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit aber stark eingeschränkt waren. Im Laufe des 18.Jahrhunderts wuchs die Gemeinde stark an und erreichte um 1840 ihren zahlenmäßigen Zenit mit mehr als 350 Angehörigen.

Im Besitz der Gemeinde waren ein Friedhof, angelegt im Laufe des 18.Jahrhunderts, und eine um 1840 erbaute Synagoge, die einen Vorgängerbau ersetzte. Etwa zeitgleich wurde die jüdische Gemeindeschule gegründet.

Das an den katholischen Friedhof angrenzende Areal der jüdischen Begräbnisstätte befand sich nahe des Mühlberges; es war flächenmäßig eines der größten in Westpommern.

Juden in Schloppe:

--- 1674 ..........................   28 Juden,

--- um 1775 ................... ca.  190   “  ,*     * andere Angabe: 256 Pers.

--- 1812 ...................... ca.  280   “  (in 69 Haushalten),

--- 1830 ..........................  311   “  ,

--- 1840 ..........................  358   “  ,

--- 1871 ..........................  195   “  ,

--- 1880 ..........................  206   “  ,

--- 1892 ..........................  147   “  (in 30 Haushalten),

--- 1903 ..........................   85   “  ,

--- 1913 ..........................   52   “  ,

--- um 1930 ................... ca.   50   “  ,

--- 1939 (Mai) ....................   14   “  .

Angaben aus: Gerhard Salinger, Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Westpreußens, Teilband 2, New York 2009, S. 348 f.

Nach Mitte des 19.Jahrhunderts nahm die jüdische Bevölkerungszahl stark ab; Anfang der 1930er Jahre lebten in Schloppe noch etwa 50 - 60 Bewohner mosaischen Glaubens.

Zu Beginn des Jahres 1938 waren die meisten jüdischen Geschäfte bereits „arisiert“; das gemeindliche Eigentum (Synagoge, Gemeindehaus) war noch im Oktober 1938 in kommunalen Besitz übergegangen.

Die verbliebenen jüdischen Bewohner wurden im März 1940 aus Schloppe vertrieben und in ein Internierungslager bei Schneidemühl verbracht; von hier aus erfolgte ihre Deportation.

Von dem verwüsteten Friedhof sind heute noch einige Grabsteine - die ältesten aus den 1860er Jahren – erhalten; das ehemalige Begräbnisgelände ist fast völlig von der Vegetation überwuchert.

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Ehem. Friedhof von Schloppe (beide Aufn. mf, 2007, in: commons.wikimedia, CC BY-SA 4.0)

Weitere Informationen:

Max Aschkewitz, Zur Geschichte der Juden in Westpreußen, in: Wissenschaftliche Beiträge zur Geschichte und Landeskunde Ost-Mitteleuropas, hrg. vom Johann Gottfreid Herder-Institut No. 81, Marburg 1967

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 1), New York University Press, Washington Square, New York 2001, Vol. 2, S. 1148

Gerhard Salinger, Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Westpreußens, Teilband 2, New York 2009, S. 348 - 360

Jewish community in Czlopa, in: sztetl.org.pl