Tütz (Westpreußen)

  Der zu Beginn des 14.Jahrhunderts mit Stadtrechten ausgestattete kleine Ort - südwestlich von Deutsch-Krone gelegen - gehörte nach der 1.Teilung Polens (1772) zum preußischen Staatsgebiet (Provinz Westpreußen). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Ortschaft - nun Tuczno - wieder polnisch; sie besitzt derzeit ca. 2.000 Einwohner (Lage von Tütz auf der Karte Bildmitte).

In der Ortschaft Tütz ist jüdische Ansässigkeit erstmals durch ein 1731 ausgestelltes Privileg belegt; hierin wurden neben zugestandenen Rechten auch die wirtschaftliche Betätigungsfelder der jüdischen Ortsbewohner eingegrenzt. Seit der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts existierte eine jüdische Gemeinde, die um 1805 immerhin fast 250 Angehörige zählte und damit mehr als ein Viertel der Dorfbevölkerung stellte. Zwischenzeitlich hatten jüdische Familien nach der 1.Teilung Polens (1772) die Ortschaft verlassen müssen.

Das jüdische Begräbnisareal stammt aus den Anfängen der Gemeinde; es wurde nahe des Schlosses angelegt.

Eine Synagoge hatte die finanzschwache Gemeinde 1817 in der Königstraße errichten lassen.

Juden in Tütz:

--- 1774 ...........................  232 Juden (in 49 Familien),

--- 1788 ...........................  101   “   (ca. 20% d. Bevölk.)

--- 1804 ...........................  241   “   (ca. 28% d. Bevölk.),

--- 1816 ...........................  151   “  ,

--- 1831 ...........................  134   “  ,

--- 1846 ...........................   85   “  (ca. 6% d. Bevölk.),

--- 1871 ...........................  112   “

--- 1880 ...........................   98   “  ,

--- 1895 ...........................   73   “  (ca. 3% d. Bevölk.),

--- 1910 ...........................   38   “  ,

--- 1924 ...........................   30   “  ,

--- 1932 ...........................   33   “  ,

--- 1939 (Mai) .....................    7   “  .

Angaben aus: Gerhard Salinger, Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Westpreußens, Teilband 2, New York 2009, S. 375/376

Da der Ort seinen Bewohnern kaum wirtschaftliche Perspektiven bot, setzte bereits im ersten Jahrzehnt des 19.Jahrhunderts eine Abwanderung ein. Ein Großbrand der Kleinstadt (1834) ließ weitere Familien ihren Wohnort verlassen. Um 1840 lebten in Tütz noch ca. 80 Juden; im Jahre 1900 waren es dann nur noch ca. 50 Personen.

Während des Pogroms vom Nov. 1938 soll das Synagogengebäude – es war im Sommer 1938 veräußert worden – unzerstört geblieben sein*; die rituelle Einrichtung war zuvor nach Schneidemühl gebracht worden. Hingegen wurden zwei jüdische Geschäfte und Wohnungen verwüstet, drei Männer ins KZ Sachsenhausen verbracht. *Einer anderen Angabe zufolge soll das Synagogengebäude in Brand gesetzt worden sein.

Die wenigen jüdischen Bewohner wurden nach 1940 in Ghettos Ostpolens deportiert.

Der einstige jüdische Friedhof, dessen Anlage aus den Anfängen der Gemeinde stammt, ist heute völlig in Vergessenheit geraten; nur wenige Grabsteinrelikte und Reste der Friedhofsmauer weisen auf das frühere Begräbnisgelände hin. Der älteste hier aufgefundene Stein datiert von 1788.

Verstreute Grabsteinrelikte auf dem ehem. jüdischen Begräbnisareal von Tütz (Aufn. aus: shabbat-goy.com)

Weitere Informationen:

Paul Böthin (Bearb.), 670 Jahre Tütz (Tuszno) – Zeittafel, in: Deutsch-Kroner und Schneidemühler Heimatbrief, 51. Jg., Hannover 2001, online anrufbar unter: deutsch-krone.com/tuetz

Gerhard Salinger, Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Westpreußens, Teilband 2, New York 2009, S. 361 - 377

Tuczno, in: sztetl.org.pl

K. Bielawski (Red.), Tuczno, in: kirkuty.xip.pl