Wachbach (Baden-Württemberg)

Datei:Bad Mergentheim im Main-Tauber-Kreis.png Wachbach ist mit derzeit ca. 1.300 Einwohnern heute einer der größten Stadtteile von Bad Mergentheim im Main-Tauber-Kreis - ca. 35 Kilometer von Würzburg gelegen (Karte F. Paul, 2009, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0).

Bereits im 13.Jahrhundert sollen sich Juden in Wachbach aufgehalten haben; auch der Deutsche Orden soll 1495 jüdische Familien hier aufgenommen haben. Doch erst vom Adelsgeschlecht von Adelsheim ausgestellte Schutzbriefe aus dem frühen 17.Jahrhundert belegen mit Sicherheit erstmals urkundlich die Existenz von Juden. Im 18.Jahrhundert lebte ein Teil der jüdischen Familien in einem der Grundherrschaft gehörenden „Judenhaus“, vermutlich am heutigen Ritterplatz. Um 1800 lebten in Wachbach sowohl Schutzjuden des Deutschen Ordens als auch solche der Herren von Adelsheim.

Ein von der Gemeinde benutzter Synagogenraum in einem Privathaus ist seit 1816 nachgewiesen. Mitte der 1820er Jahre errichtete die Wachbacher Judenschaft eine neue Synagoge mit Lehrerwohnung in der heutigen Alten Schlossstraße. Ein im Keller des Gebäudes befindlicher Brunnen diente der Speisung einer Mikwe.

                                           Ehem. Synagogengebäude (Aufn. um 1930)

Stellenanzeigen aus „Der Israelit“ von 1884 und 1891

Die jüdische Elementarschule in Wachbach wurde bereits 1863 wegen Schülermangels aufgegeben; die wenigen Kinder besuchten danach die evangelische Ortsschule.

Ihre Toten begrub die Wachbacher Gemeinde auf dem israelitischen Friedhof in Unterbalbach; auf diesem wurden auch verstorbene Juden aus der Umgebung beigesetzt. Das Begräbnisgelände liegt an der Straße am Ortsausgang in Richtung Oberbalbach.

Juden in Wachbach:

    --- 1807/12 ........................ 101 Juden,

    --- 1824/26 ........................ 126   “   (ca. 12% d. Bevölk.),

    --- 1832 ........................... 150   “   (ca. 13% d. Bevölk.),

    --- 1843 ........................... 215   “   (ca. 17% d. Bevölk.),

    --- 1854 ........................... 175   “  ,

    --- 1867/69 ........................ 100   “   (ca. 10% d. Bevölk.),

    --- 1875 ...........................  78   “  ,

    --- 1886 ...........................  53   “  ,

    --- 1900 ...........................  18   “   (ca. 2% d. Bevölk.),

    --- 1910 ...........................  11   “  ,

    --- 1925 ...........................   9   “  ,

    --- 1932/33 ........................   8   “  ,

    --- 1940 ...........................   2   “  .

Angaben aus: Paul Sauer, Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. Denkmale .., S. 187

Die meisten Juden Wachbachs lebten vom Vieh- und Fruchthandel, waren Hausierer und Makler und zogen in der Umgebung umher, um ihre Geschäfte zu betreiben.

                                       Der „Gewürzjude von Wachbach“ (Zeichnung von C.J. v. Adelsheim)

Bis Ende des 19.Jahrhunderts hielten die Wachbacher Juden streng an ihren religiösen Riten und Gesetzen fest; so war z.B. innerhalb des Dorfes eine Grenze markiert, die sie während des Sabbats nicht überschreiten durften.

Nach 1850 wanderten jüdische Dorfbewohner vermehrt ab, zumeist nach Bad Mergentheim, was innerhalb weniger Jahrzehnte zum völligen Niedergang der Gemeinde führte. Die schweren antijüdischen Ausschreitungen im Jahre 1848 hatten die Abwanderung noch beschleunigt.

Die nun in Auflösung begriffene jüdische Gemeinde verkaufte 1902 das Synagogengebäude, das fortan landwirtschaftlichen Zwecken diente. Erst drei Jahrzehnte später erfolgte dann die offizielle Gemeindeauflösung.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20380/Wachbach%20GemZeitung%20Wue%2016021935.jpg Anzeige aus: "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16.2.1935

Die letzten beiden Jüdinnen aus Wachbach wurden in den letzten Kriegsjahren nach Theresienstadt deportiert.

Acht gebürtige Wachbacher Juden wurden nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem/Jerusalem Opfer der "Endlösung" (namentliche Nennung der betroffenen Personen siehe: alemannia-judaica.de/wachbach_synagoge.htm).

             Ehem. Synagogengebäude vor dem Abriss (Aufn. Hornig, 1985)

Gegen Ende der 1980er Jahre wurde das ehemalige Synagogengebäude - es stand seit ca. 1970 leer - schließlich abgerissen, nachdem das Vorhaben für eine Restaurierung gescheitert war; bis zu diesem Zeitpunkt waren noch Reste des Ritualbades und der blaue Anstrich des einstigen Synagogenraums erhalten geblieben.

 

Weitere Informationen:

Paul Sauer, Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. Denkmale - Geschichte - Schicksale, Hrg. Archivdirektion Stuttgart, Kohlhammer Verlag Stuttgart 1966, S. 187/188

Die Juden in Tauberfranken 1933 - 1945. Quellen und didaktische Hinweise für die Hand des Lehrers, Hrg. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, 1984

Anita Bengel, Ortsarchiv Wachbach, Heft 2/1984

Thomas Schmidt, Renovierung der Synagoge Wachbach - Da wird wohl kein Geld vorhanden sein, in: "Fränkische Nachrichten" vom 14.9.1985

Joachim Hahn, Erinnerungen und Zeugnisse jüdischer Geschichte in Baden-Württemberg, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1988, S. 335

Anita Bengel, Wachbach - Geschichte eines Dorfes, in: "Veröffentlichungen zur Ortsgeschichte und Heimatkunde in Württembergisch-Franken", hrg. vom Historischen Verein für Württembergisch-Franken, Band 10, Bad Mergentheim 1995, S. 235 - 239

Hartwig Behr/Horst F. Rupp, Vom Leben und Sterben. Juden in Creglingen, Verlag Königshausen & Neumann GmbH, Würzburg 1999

Wachbach, in: alemannia-judaica.de

Joachim Hahn/Jürgen Krüger, “Hier ist nichts anderes als Gottes Haus ...” Synagogen in Baden-Württemberg, Teilband 2: Orte und Einrichtungen, Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart 2007, S. 28