Wiesenbach (Baden-Württemberg)

Datei:Blaufelden in SHA.svgWiesenbach ist seit der Eingemeindung (1972) der größte Ortsteil der Stadt Blaufelden im Norden des Landkreises Schwäbisch-Hall (topografische Karte mit Eintrag von Blaufelden, aus: hohenlohebahn.net  und  Kartenskizze Hagar, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Seit Anfang des 17. Jahrhunderts liegen nur wenige urkundliche Hinweise auf jüdisches Leben im markgräflich ansbachischen Dorfe Wiesenbach vor. Dauerhaft schienen sich Juden hier aber nicht angesiedelt zu haben, da das nahe Crailsheim bessere Lebensbedingungen bot. Das Wohngebiet der jüdischen Familien konzentrierte sich vermutlich zunächst auf die ehemalige "Judengasse" (heute Engelhardshauser Straße).

Seit 1790 soll am Ort ein bescheidener Betraum bestanden haben; auf dem zugehörenden Hofgelände war in einem Kellergewölbe eine Mikwe untergebracht. Der Synagogenraum durfte von den hiesigen Familien auch dann noch genutzt werden, nachdem die kleine Gemeinde in Wiesenbach 1828 ihre Selbstständigkeit verloren hatte und als ‚Filialgemeinde’ der Gemeinde Michelbach a.d.Lücke angeschlossen war. Zudem verfügte die kleine Gemeinde über ein kleines Haus in der Hirtengasse, in dem Schule und Lehrerwohnung untergebracht waren.

Ihre Verstorbenen begrub die Wiesenbacher Judenschaft zunächst auf dem jüdischen Friedhof in Schopfloch, ab 1840 dann auf dem Friedhof in Michelbach a.d. Lücke.

Die Wiesenbacher Juden gehörten – wie die Religionsgemeinde in Michelbach - zum Bezirksrabbinat Braunsbach.

Juden in Wiesenbach:

        --- um 1605 .........................   3 jüdische Familien,

    --- um 1630 .........................   7     “       “    ,

    --- 1806 ............................   6     “       “    ,

    --- 1821 ............................  44 Juden,

    --- 1833 ............................  50   “  ,

    --- 1861 ............................  53   “  (ca. 8% d. Dorfbev.),

    --- 1885 ............................  33   “  ,

    --- 1900 ............................  30   “  ,

    --- 1925 ............................  15   “  ,

    --- 1933 ............................   4   “  ,

    --- 1938 (Dez.) .....................   keine.

Angaben aus: Gerhard Taddey, Kein kleines Jerusalem, Geschichte der Juden im Landkreis Schwäbisch Hall, S. 241

Jahrzehntelang lag die Zahl der in Wiesenbach lebenden jüdischen Familien fast konstant bei zwölf bis 15 Haushalten; sie verdienten ihren bescheidenen Lebenserwerb im Vieh- und Kleinwarenhandel. Mitte des 19.Jahrhunderts verließen jüngere Juden das Dorf, weil es ihnen keine ausreichenden Existenzmöglichkeiten mehr bot; ihr Ziel war zumeist Nordamerika.

Ende der 1920er Jahre löste sich die jüdische Gemeinschaft offiziell auf; das kleine Bethaus wurde 1933 auf Abbruch verkauft.

https://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20399/Wiesenbach%20GemZeitung%20Wue%2001071928.jpg aus: "Gemeindezeitung für die Isr. Gemeinden Württembergs" vom 1.7.1928

Zu Beginn der 1930er Jahre lebten nur noch sehr wenige Juden im Dorf; der letzte jüdische Bewohner emigrierte 1938 in die USA.

Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem/Jerusalem sind sieben aus Wiesenbach stammende Juden dem Holocaust zum Opfer gefallen (namentliche Nennung der betroffenen Personen siehe: alemannia-judaica.de/wiesenbach_synagoge.htm).

 

Seit Mitte der 1980er Jahre steht am ehemaligen Standort des Synagogengebäudes eine Stele (vermutlich eine steinerne Säule des einstigen Almemors), die mit einer Hinweistafel versehen ist.

 

 

Weitere Informationen:

Paul Sauer, Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. Denkmale - Geschichte - Schicksale, Hrg. Archivdirektion Stuttgart, Kohlhammer Verlag Stuttgart 1966, S. 191/192

Robert Walter/u.a., Wiesenbach – eine kleine Chronik, 2.Auflage, o.O. 1983, S. 162 f.

Gerhard Taddey, Kein kleines Jerusalem - Geschichte der Juden im Landkreis Schwäbisch Hall, Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1992, S. 93 und S. 318 - 320

Wiesenbach mit Blaufelden, in: alemannia-judaica.de