Vietz (brand. Neumark)

In der Region um Vietz (poln. Witnica, derzeit ca. 6.700 Einw.) – westlich von Landsberg/Neumark gelegen - kann jüdische Ansiedlung erst zu Beginn des 18.Jahrhunderts nachgewiesen werden. Allerdings blieb die Zahl der jüdischen Familien stets überschaubar; in den 1870er Jahren erreichte die Zahl der in Vietz lebenden Gemeindeangehörigen ihr Maximum mit nahezu 90 Personen.

Um 1865 ließ die Gemeinde ein kleines Synagogengebäude in der Wilhelmstraße errichten; bis dahin waren gottesdsienstliche Zusammenkünfte in privaten Räumlichkeiten des Kaufmanns Isaac Krohn abgehalten worden. Die Anlage eines eigenen Friedhofs in der Mühlenstraße – am „Judenberg“ im Südwesten der Ortschaft - ist vermutlich auch gegen Mitte des 19.Jahrhundert erfolgt.

Juden in Vietz:

--- 1831 .......................... 59 Juden,

--- 1875 .......................... 88   “  ,

--- 1890 .......................... 60   “  ,

--- 1905 .......................... 54   “  ,

--- 1925 .......................... 31   “  ,

--- 1932 .......................... 11   “  ,

--- 1939 ..........................  ein “ ().

Angaben aus: Witnica, in: sztetl.org.pl

Vietz bei Landsberg/Warthe -- Stadtansicht

 Ansicht von Vietz, hist. Postkarte um 1890 (Abb. aus: woldenberg-neumark.eu)

 

 

 

 

 

 

 

Um 1930 lebten nur noch ca. zehn Personen jüdischen Glaubens im Ort.

Anm.: Nähere Ausführungen zu den jüdischen Familien findet man unter: Witnica, in: sztetl.org.pl

Da das Synagogengebäude bereits 1935 vom letzten Gemeindevorsteher (Leo Bähr) verkauft worden war, blieb es während der Novembertage 1938 unangetastet. Das während der Kriegsjahre als Lager für militärische Ausrüstung und nach 1945 zeitweilig als Tischlerwerkstatt genutzte Gebäude wurde in den 1960er Jahren abgerissen, um hier einem Wohnblock Platz zu machen. Seit 2001 erinnert ein Gedenkstein daran, dass hier einst die Synagoge der Vietzer Judenschaft gestanden hat.      

Ilustracja nr 11Gedenkstein am ehem. Synagogenstandort (Aufn. A.Kirmiel, 2008, aus: sztetl.org.pl)        

Der jüdische Friedhof, der die NS-Zeit ohne größere Schäden überstand, fiel in der Nachkriegszeit der Zerstörung anheim. Grabsteine wurden zerschlagen oder vom Gelände entfernt und dann zweckentfremdet benutzt. Ab den 1990er Jahren sorgte eine private Initiative für die Erhaltung der nur wenigen Grabmale bzw. -relikte und die Wiederherrichtung des stark vernachlässigten Areals.

Seit 2009 erinnert am Friedhof eine zweisprachige Informationstafel an die Historie des Begräbnisplatzes:

Der Friedhof der jüdischen Gemeinde in Vietz wurde in den Jahren von 1860 – 1936 genutzt. Nach 1946 zerstört. Er wurde durch die Bemühungen der Behörden von Stadt und Gemeinde Witnica sowie des Vereins der Freunde Witnicas mit finanzieller Unterstützung von Wolfgang Stammwitz – dem Sohn eines früheren Einwohners der Stadt Vietz/Ostbahn – restauriert.                                                                                                                                     Witnica 2009

 

Weitere Informationen:

International Association of Jewish Genealogical Societies – Cemetery Projekt

Witnica, aus: sztetl.org.pl

Tomasz Nowak (Red.), Witnica, in: kirkuty.xip.pl (mehrere Aufnahmen vom ehem. Friedhof)