Bretzenheim/Nahe (Rheinland-Pfalz)

Bad Kreuznach (Landkreis) Karte Bretzenheim/Nahe ist eine Ortsgemeinde der Verbandsgemeinde Langenlonsheim im Nordteil des Landkreises Bad Kreuznach mit derzeit ca. 2.500 Einwohnern (Landkreiskarte ohne Eintrag von Bretzenheim, aus: ortsdienst.de/rheinland-pfalz/bad-kreuznach).

In der nördlich von Bad Kreuznach gelegenen Ortschaft Bretzenheim sollen bereits im ausgehenden Mittelalter Juden gelebt haben. Nach 1650 setzte eine neuerliche Ansiedlung von Juden ein; eine Gemeinde bildete sich dann im Laufe des 18.Jahrhundert. Im Vieh- und Warenhandel, aber auch in Geldgeschäften spielten die jüdischen Familien damals eine für das Dorf bedeutende Rolle. 1800 machte der jüdische Bevölkerungsteil (mit ca. 50 Personen) etwa 8% der Dorfbevölkerung aus, nachdem aus anderen Ortschaften Juden hierher gezogen waren.

1774 wird erstmals ein Betsaal erwähnt. Zudem existierte eine Religionsschule und ein rituelles Bad.

Die Anlegung einer jüdischen Begräbnisstätte an der Gemarkungsgrenze zwischen Bretzenheim und Bad Kreuznach (Gemarkung "Auf dem Galgen") datiert vermutlich in die Zeit um 1700.

                                 Jüdisches Begräbnisareal bei Bretzenheim (Aufn. J. Hahn, 2008)

Juden in Bretzenheim/Nahe:

--- um 1665 ..........................  3 jüdische Haushaltungen,

--- um 1675 ..........................  eine  “         “     (),

--- um 1720 ..........................  4     “         “       ,

--- 1730 .............................  7 jüdische Familien,

--- 1795 .............................  9     “        “   (ca. 50 Pers.),

--- 1808 ......................... ca. 40 Juden,

--- 1843 ............................  41   “  ,

--- 1895 ............................  15   “  ,

--- 1925 ............................   5   “  .

Angaben aus: Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels” , S. 127

Die jüdischen Familien sollen im dörflichen Leben weitestgehend integriert gewesen sein; so waren sie Angehörige von lokalen Vereinen und stellten auch Mitglieder der Freiwilligen Ortsfeuerwehr.

Im Laufe des 19.Jahrhunderts sank die Zahl der Juden Bretzenheims und lag um 1900 bei nur noch 15 Personen. Die Betstube wurde aufgegeben und die Gemeinde 1895 aufgelöst; die noch verbliebenen Juden hatten sich dann der Kultusgemeinde Langenlonsheim angeschlossen.

1925 wurden in Bretzenheim nur noch fünf Bewohner mosaischen Glaubens gezählt. Zehn Jahre später lebte nur noch eine einzige Jüdin im Dorf.

Während der NS-Zeit wurde der jüdische Friedhof geschändet und ein Teil der Grabsteine entwendet.

Anfang 1945 wurden auf diesem Gelände 38 KZ-Häftlinge beigesetzt, die gegen Kriegsende im Bereich von Bad Kreuznach zu Zwangsarbeit gezwungen und an den unmenschlichen Bedingungen gestorben waren. Die in Bretzenheim beerdigten Personen wurden dann 1948 exhumiert und in einen Ehrenhain des kommunalen Friedhofs von Bad Kreuznach umgebettet.

Unmittelbar nach Kriegsende musste der jüdische Friedhof in Bretzenheim wieder hergerichtet werden; zu diesen Arbeiten waren ehemalige NSDAP-Angehörige verpflichtet worden.

Jüdischer Friedhof Bretzenheim (Aufn. A., 2015, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

 

Hinweis: In dem heute zu Mainz gehörenden Stadtteil Bretzenheim gabe auch eine jüdische Kultusgemeinde.  vgl. dazu: Bretzenheim (Rheinland-Pfalz)

 

Weitere Informationen:

Hartmut Lempert, Das Schicksal der Juden im Kreis Kreuznach in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts, in: Aufsätze zur Geschichte des Raumes an der mittleren Nahe, Bad Kreuznach 1985, S. 141 ff.

Maren Heyne, Stille Gärten - beredte Steine. Jüdische Friedhöfe in Rheinland-Pfalz, Bonn 1994, S. 138 - 142

Dokumentation jüdische Grabstätten im Kreis Bad Kreuznach. Geschichte und Gestaltung, in: "Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Bad Kreuznach", Band 28/1995, S. 129 - 146

Bretzenheim/Nahe, in: alemannia-judaica.de

Hans Schneider, Die Geschichte der Juden von Bretzenheim an der Nahe, in: "Sachor - Beiträge zur jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz", Heft Nr. 19 – 2/2000, S. 32 - 49

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels” Synagogen. Rheinland-Pfalz und Saarland, Mainz 2005, S. S. 127