Binningen (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für landkreis cochem zell Binningen (Osteifel) gehört mit seinen derzeit ca. 650 Einwohnern seit 2014 zur Verbandsgemeinde Kaiseresch im Norden des Kreises Cochem-Zell (Karte Hagar, 2009, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Der erste urkundliche Beleg für jüdisches Leben im kleinen Dorfe Binningen stammt aus dem Jahre 1757; allerdings müssen bereits im 17.Jahrhundert jüdische Familien hier ansässig gewesen sein, da schon zu dieser Zeit ein Betraum vorhanden gewesen sein soll. Zu Beginn des 19.Jahrhunderts hatte Binningen die größte jüdische Gemeinde im jetzigen Landkreis Cochem-Zell; etwa 25% der Wohnbevölkerung gehörten damals dem mosaischen Glauben an. Zu den gemeindlichen Einrichtungen zählten Synagoge, Schule und Friedhof; diese wurden auch von den Juden der unmittelbaren Umgebung mitgenutzt, darunter denen aus Brohl, Forst, Gameln, Hambuch, Kaifenheim, Karden, Möntenich und Roes. Der in Binningen errichtete Synagogenbau in der Hauptstraße war der größte in der Region. Nach einem Umbau (1841) wurden ihm romanische Stilelemente hinzugefügt. An das Synagogengebäude schloss sich an der rechten Seite die ehemalige jüdische Schule mit Lehrerwohnung an.

          Synagoge (links) und Schulhaus (hist. Aufn., Landesamt)

Religiöse Aufgaben erledigte ein seitens der Gemeinde angestellter Lehrer.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20336/Binningen%20AZJ%2018041859.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20118/Binningen%20Israelit%2011051870.jpg

Anzeigen in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18.4.1859 und in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11.5.1870

Zu Beginn der 1840er Jahre ließ die jüdische Gemeinde ein Schulgebäude errichten, das mit kurzzeitigen Unterbrechungen - es fehlten die finanziellen Mittel zur regelmäßigen Bezahlung eines Lehrers - bis in die 1880er Jahre genutzt wurde. Ansonsten besuchten die jüdischen Kinder die katholische Volksschule und erhielten durch den jüdischen Lehrer Religionsunterricht.

Gegen Mitte des 19.Jahrhunderts wurde am östlichen Ortsrand ein jüdischer Friedhof angelegt, der als Verbandsfriedhof zahlreicher Ortschaften der Region diente, darunter Brohl, Düngenheim, Forst, Gameln, Hambuch, Kaifenheim, Kaisersesch (bis 1920), Karden, Masburg und Moselkern.

Juden in Binningen:

    --- 1781 ..........................  6 jüdische Familien,* *Amt Münster

    --- 1808 .......................... 50 Juden,

    --- 1817 .......................... 80   “  (ca. 25% d. Dorfbev.),

    --- 1858 .......................... 67   “  (ca. 15% d. Dorfbev.),

    --- 1895 .......................... 52   “  (ca. 11% d. Dorfbev.),

    --- 1925 .......................... 25   “  ,

    --- 1933 .......................... 26   “  ,

    --- 1939 .......................... 22   “  ,

    --- 1942 (Mai) .................... keine.

Angaben aus: Angelika Schleindl, Spuren der Vergangenheit - Jüdisches Leben im Landkreis Cochem-Zell, S. 136

Ihren Lebensunterhalt bestritten die Binninger Juden im 19.Jahrhundert vor allem mit dem Viehhandel, aber auch als Metzger und Kleinhändler; drei Juden betrieben Landwirtschaft. Als gegen Mitte des 19.Jahrhunderts die Landflucht einsetzte, ging infolge von Abwanderung auch die Bedeutung der Binninger Judengemeinde zurück. Zu Beginn der NS-Zeit lebten nur noch wenige jüdische Familien am Ort.

Nach dem Novemberpogrom, der auch in Binningen zu Gewalt - Verwüstung der Synagoge und der Schule - führte, wurden die noch hier lebenden Juden in einem Haus zusammengelegt. Von hier wurden sie im April 1942 deportiert.

Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem/Jerusalem wurden 39 gebürtige bzw. längere Zeit in Binningen wohnhaft gewesene jüdische Bürger Opfer der NS-Gewaltherrschaft; aus den umliegenden Dörfern Brohl waren zehn Personen, aus Hambuch elf und aus Gamlen, Kaifenheim, Dünfus und Wirfus jeweils eine  Person mosaischen Glaubens betroffen (namentliche Nennung der betreffenden Personen siehe: alemannia-judaica.de/binningen_synagoge.htm).

 

Nach Kriegsende diente das ehemalige Synagogengebäude Wohnzwecken.

Auf dem jüdischen Friedhof sind bis heute ca. 90 Grabsteine erhalten, die ältesten stammen aus den 1850er Jahren.

Eingangstor zum jüdischen Friedhof und Teilansicht des Geländes* (Aufn. J. Hahn, 2009)

*Anm.: Die abgebrochen Säulen der Grabmale sollen darauf hinweisen, dass hier Verstorbene jüngeren Alters begraben sind.

 

In Brohl lebten bis 1942 zwei jüdische Familien (Gärtner u. Marx); von den insgesamt zehn Angehörigen beider Familien überlebte nur ein einziger den Holocaust. Seit 2014 erinnern neun „Stolpersteine“ an die jüdischen Opfer.

 

[vgl. Treis (Rheinland-Pfalz)]

 

Weitere Informationen:

Stefan Brost, Das jüdische Leben im 19.Jahrhundert in Binningen, in: "Jahrbuch für den Kreis Cochem-Zell 1996", S. 176 f.

Angelika Schleindl, Spuren der Vergangenheit - Jüdisches Leben im Landkreis Cochem-Zell, Hrg. Landkreis Cochem-Zell, Rhein-Mosel-Verlag, 1996, S. 61 f., S. 107 und S. 136 ff.

Binningen/Eifel, in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels”. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 115/116

Ursula Reuter, Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts, Bonn 2007, S. 29

N.N. (Red.), Schicksal der Brohler Juden bewegt bis heute, in: „Wochenspiegel Cochem“ vom 13.8.2013

Ortsgemeinde Brohl (Hrg.), In Brohl werden Stolpersteine verlegt, online abrufbar unter: brohl-eifel.de/gesch2.html  (2014)

Harald Thon (Bearb.), Mathilde Gärtner – die einzige Brohler Jüdin, die den Holocaust überlebte, online abrufbar unter: brohl-eifel.de/gesch3.html