Bochum (Nordrhein-Westfalen)

  Kreis bochum-land (1907).png Die Stadt Bochum mit derzeit mehr als 360.000 Einwohnern ist das Zentrum des mittleren Ruhrgebietes und eine Stadt im nordrhein-westfälischen Reg.bezirk Arnsberg (Karte des Ruhrgebietes um 1940 und hist. Karte von 1907, aus: commons.wikimedia.org, gemeinfrei).

  Bochum um 1830 (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

In Bochum sollen bereits seit dem späten Mittelalter dauerhaft Juden gelebt haben; erste urkundliche Hinweise sind aus dem Jahre 1349 überliefert. Erst knapp drei Jahrhunderte später finden sich dann weitere urkundliche Hinweise auf jüdisches Leben im Ort: 1616 sind in einer Stadtrechnung zwei jüdische Familien namentlich erwähnt. Gegen Ende des 16.Jahrhunderts soll in Bochum eine Synagoge bzw. ein Betraum existiert haben, doch der erste zeitgenössische Beleg dafür stammt erst aus dem Jahre 1650. Die wenigen jüdischen Familien - zu keiner Zeit mehr als zehn - lebten im 17./18.Jahrhundert vom Kleinhandel und als Schlachter, einige weitere vom Zinsgeschäft und der Pfandleihe. Zu den wenigen wohlhabenden Juden in Bochum zählte Lehmann Abraham, der 1751 das Grundstück des ältesten jüdischen Friedhofs „Vor dem Buddenbergtor” erwarb und der Gemeinde vermachte. Er war auch zeitweilig Vorsteher der märkischen Judenschaft. Ab Mitte des 18.Jahrhunderts soll sich in einem Hinterhaus an der Schützenbahn eine kleine Synagoge befunden haben; bis dahin wurden die Räume von Privathäusern für gottesdienstliche Zwecke genutzt.

Judenschaft

Es wohnen auch Juden in der Stadt, welche sich vom Handeln, Wechseln, und besonders vom Schlachten ernähren. Sie haben ohngeachtet der geringen Anzahl dennoch eine guteingerichtete Synagoge oder Schule, welche auf der Schützenbahn liegt. Im Jahre 1722 waren hier 7 Familien. Sie haben sich seitdem vermehrt, denn im Jahre 1789 waren vorhanden 11 Familien die aus 49 Personen bestanden, worunter 25 männlichen und 24 weiblichen Geschlechts waren. .. Die Judenschaft stehet unter dem Stadtgerichte und Magistrate. ...

aus: Carl Arnold Kortum, Nachricht vom ehemaligen und jetzigen Zustande der Stadt Bochum (um 1790)

Eine jüdische Schule ist seit den 1730er Jahren belegt. War der Schulbesuch jüdischer Kinder zunächst freiwillig, so änderte sich dies in den 1820er Jahren. Seit dieser Zeit wurden die jüdischen Kinder in der Wohnung des ersten jüdischen Volksschullehrers Bochums unterrichtet; ab ca. 1850 war die Elementarschule in einem Fachwerkhaus zwischen Schützenbahn und Oberer Marktstraße, der heutigen Massenbergstraße, untergebracht. Erst mit dem Bau der neuen Synagoge in der Wilhelmstraße wurde in allernächster Nähe ein Schulneubau eingeweiht, das bald erweitert werden musste. 1883 wurde die bis dahin private Unterrichtsanstalt der jüdischen Gemeinde in eine öffentliche städtische Schule umgewandelt, und die Lehrer waren nun Beamte.

Gegen Mitte des 19.Jahrhunderts zählte die jüdische Gemeinde Bochums etwa 200 Mitglieder; da ihre Synagoge an der Schützenbahn zu klein und zudem baufällig geworden war, entschloss sich die Gemeinde zu einem Neubau.

  

Synagoge Bochum (hist. Postkarte und Aufn. um 1925, Stadtarchiv)

Nach zweijähriger Bauzeit wurde die neue Synagoge in der Wilhelmstraße, der heutigen Huestraße, im Sommer 1863 in Anwesenheit der gesamten ‚Stadtprominenz’ und unter Teilnahme der übrigen Bevölkerung Bochums feierlich eingeweiht. Der Bau - nach dem Vorbild der Dresdener Synagoge errichtet - bot im Erdgeschoss ca. 220 Männern und auf der Empore ca. 100 Frauen Platz. Auf Grund steigender Zuwanderungszahlen musste das Gebäude knapp 30 Jahre später erheblich erweitert werden; ein letzter Umbau fand 1925 statt. Die meisten maurischen Stilelemente, die bei der Erweiterung hinzugefügt worden waren, verschwanden nun wieder.

  Synagoge (hist. Aufn., um 1890/1895, aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Die religiös-orthodoxen Ostjuden Bochums - vermutlich einige hundert Personen - besaßen in der Synagoge einen eigenen Bet- und Versammlungsraum.

Seit den 1720er Jahren existierte ein jüdischer Friedhof am Butenbergtor bzw. in der Wittenstraße. Etwa 100 Jahre später nutzte die jüdische Gemeinde einen Begräbnisplatz an der Friedhofstraße. Etwa ab dem Ende des Ersten Weltkrieges fanden Beerdigungen auf dem neuen jüdischen Friedhof an der Wasserstraße in Wiemelhausen statt, der im Zuge einer Erweiterung des seit dem Ende des 19.Jahrhunderts bestehenden kommunalen Friedhofs angelegt wurde.

Bochum - Wasserstraße - Jüdischer Friedhof Wiemelhausen 09 ies.jpg

Grabstätten auf dem Friedhof in Wiemelhausen (Aufn. Franz Vincentz, 2012, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Bochum - Wasserstraße - Jüdischer Friedhof Wiemelhausen 08 ies.jpgBochum - Wasserstraße - Jüdischer Friedhof Wiemelhausen 07 ies.jpg

auffällige Ornamentik älterer Grabsteine (Aufn. Frank Vincentz, 2012, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0)

Moritz David - 1875 in Gimbsheim geboren – wurde nach seiner Promotion 1901 zum ersten Rabbiner der Synagogengemeinde Bochum berufen und amtierte dort bis zu seinem freiwilligen Ruhestand (1934). 1938 betreute er kurzzeitig das vakante Rabbinat in Dortmund, ehe er nach England emigrierte. Moritz David starb 1956 in Manchester.

Juden in Bochum:

    --- um 1590 ...........................     5 jüdische Familien,

    --- 1649 ..............................     7     “       “    ,

    --- 1722 ..............................     7     “       “    ,

    --- 1789 ..............................    49 Juden (in 11 Familien),

    --- 1812 ..............................    74   “  ,

    --- 1830 ..............................   133   “   (in 16 Familien),

    --- 1852 ..............................   201   “  ,

    --- 1864 ..............................   235   “  ,

    --- 1875 ..............................   589   “  ,

    --- 1890 ..............................   764   “  ,

    --- 1895 ..............................   803   “  ,

    --- 1900 .......................... ca.   800   “  ,

    --- 1916 .............................. 1.023   “  ,

    --- 1924 .............................. 1.088   “  ,

    --- 1930 .............................. 1.244   “  ,

    --- 1932/33 ........................... 1.134   “  ,*   * Angehörige der Kultusgemeinde

    --- 1938 (Okt.) ................... ca.   640   "  ,

    --- 1939 (Mai) ........................   615   “  ,

             ..............................   326   “  ,*

   --- 1941 ...............................   253   “  ,

    --- 1942/43 ............................    ?    “  ,

    --- 1946 (Febr.) ................... ca.   30   “  .

Angaben aus: Günter Gleising, Die Verfolgung der Juden in Bochum und Wattenscheid der Jahre 1933 - 1945 ...

Bis zu Beginn der 1930er Jahre wuchs die Bochumer Kultusgemeinde auf ca. 1.200 Mitglieder an und war damit die drittgrößte in Westfalen. Ihren Lebensunterhalt bestritten die Bochumer Juden überwiegend als Kaufleute und Handwerker, aber auch als Rechtsanwälte und Ärzte.

Kaufhaus der Gebr. Alsberg (hist. Aufn. aus: gelsenkirchener-geschichten.de)

Wenige Wochen nach der NS-Machtübernahme fand auch in Bochum der reichsweit angeordnete Boykott jüdischer Geschäfte statt. „Der Abwehrkampf” - so die Meldung der Zeitung „Rote Erde” - sei „in aller Ordnung vor sich gegangen”.

Von 1925 bis 1933 bestimmte Dr. Otto Ruer – als Sohn jüdischer Eltern 1867 in Münster geboren - als Oberbürgermeister die Geschicke der Stadt Bochum. Auf Grund falscher Anschuldigungen wurde er von den Nationalsozialisten aus seinem Amt gedrängt, kam in Haft und wurde in den Tod getrieben.

Bis Ende 1936 ging etwa die Hälfte der ca. 110 jüdischen Einzelhandelsgeschäfte in „arischen“ Besitz über.

vgl. Ingrid Wölk (Bearb.), Bochum, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe – Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Arnsberg, Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Ardey-Verlag Münster 2016, S. 205

Zu den ersten aus Bochum deportierten Juden gehörten mehrere hundert Juden polnischer Staatsangehörigkeit, die Ende Oktober 1938 in Richtung der polnischen Grenze abgeschoben wurden.

Am Abend des 9.November 1938 fand im Schützenhof eine von der NSDAP-Kreisleitung organisierte Gedenkveranstaltung an den Hitler-Putsch von 1923 statt, auf der sich die Bochumer SA versammelt hatte. Im Anschluss an dieses Treffen setzte dann auch in Bochum der gezielte Terror gegen die Synagoge und jüdische Geschäfte ein. Gegen Mitternacht ging die Bochumer Synagoge in der Wilhelmstraße (Huestraße) in Flammen auf, die Brandstifter waren SA-Angehörige unter Leitung des Gaupropagandaleiters Brust, des NSDAP-Kreisleiters Riemenschneider und des Oberbürgermeisters Piclum. Drei Stunden später war das Gebäude eingeäschert, die noch stehende Kuppel wurde anschließend zerstört. Die Ruine der Synagoge wurde im Januar 1939 abgetragen.            

Die Synagoge abgebrannt

Das Volk ist empört. Die feige Mordtat des jüdischen Verbrechers Grünspan an dem deutschen Botschaftsrat 1.Klasse vom Rath hat in der gesamten deutschen Bevölkerung die größte Empörung hervorgerufen. ..., stieg die Empörung ins Unermeßliche. Auch in Bochum wuchs sie in den späten Abendstunden zu einer spontanen Kundgebung, die sich dahin auswirkte, daß die Synagoge in Brand gesteckt wurde. Ueberall sammelten sich die Menschen, die in ihren Beifallskundgebungen er erkennen gaben, daß alle der feste Entschluß beseelt, einmal endgültig mit dem Judenmob Schluß zu machen.

 aus: "Rote Erde" vom 10.11.1938

Im Verlauf der Nacht zogen dann z.T. stark angetrunkene SA-Trupps durch die Stadt und plünderten und zerstörten Geschäfte und Wohnungen jüdischer Bürger, gingen aber auch gewalttätig gegen einzelne Personen vor. Etwa 60 namentlich bekannte jüdische Männer wurden im Polizeipräsidium in der Uhlandstraße in Haft genommen und drei Tage später per LKW nach Dortmund und von dort in einem Sammeltransport ins KZ Sachsenhausen verfrachtet.

Auch das Innere der jüdischen Volksschule wurde verwüstet. Ab Mitte 1939 war die Schule dann aufgelöst, und das Gebäude diente anschließend als „Judenhaus“. 13 jüdische Familien wurden hier vor ihrer Deportation zwangsweise einquartiert. Andere „Judenhäuser” lagen in der Rheinischen Straße 28, der Rottstraße 11, der Franzstraße 11, der Gorthestraße 9, der Horst-Wessel-Straße 56 und am Moltkeplatz. Ab Januar 1942 mussten die jüdischen Bewohner von hier aus den Weg in die Ghettos und Lager im besetzten Polen antreten. Zusammen mit vielen anderen Juden des Regierungsbezirks Arnsberg wurden sie zunächst ins Dortmunder Sammellager im Saal des Lokals “Zur Börse” in der Steinstraße gebracht; von hier aus deportiert - vor allem nach Riga, Auschwitz, Theresienstadt und Zamosc.

In den Nachkriegsjahren mussten sich einige ehemalige SA- und NSDAP-Angehörige vor Gericht wegen ihrer Beteiligung an den Aktionen des Novemberpogroms verantworten.

 

Im Februar 1946 lebten ca. 30 jüdische Bewohner in Bochum, und sie schickten sich an, wieder eine Gemeinde ins Leben zu rufen. Ab Herbst 1947 stand im Alten Amtshaus in der Brückstraße ein Betsaal zur Verfügung (bis 1953 in Nutzung).

Auf Grund der geringen Mitgliederzahl schlossen sich die Gemeinden Bochum, Herne und Recklinghausen 1953 zu einer Kultusgemeinde zusammen. Der überwiegende Teil des Gemeindelebens fand von nun an in Recklinghausen statt, wo 1955 auch eine Synagoge eingeweiht wurde. Mit der in den 1990er Jahren erfolgten Zuwanderung aus Gebieten der ehemaligen UdSSR vergrößerte sich die Zahl der Gemeindeangehörigen derart, dass sich die „Jüdische Kultusgemeinde Bochum – Herne – Recklinghausen“ 1999 teilte. Die nun neu gebildete „Gemeinde Bochum - Herne - Hattingen“ zählte 2006 mehr als 1.200 Mitglieder und ist damit eine der mitgliederstärksten Nordrhein-Westfalens.

Ende 2007 wurde die neue jüdische Synagoge am Rande der Innenstadt/Castroper Straße eingeweiht; den Grundstein für den Bau hatte im November 2005 noch der inzwischen verstorbene Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, gelegt. Die Kosten von rund sieben Millionen Euro für den Synagogenbau teilten sich die Stadt Bochum, das Land Nordrhein-Westfalen und die jüdische Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen.

Die neue Synagoge auf ihrem steinernen Plateau © Thomas Mayer 

Bochumer Gemeindezentrum (Aufn. aus: planergruppe-oberhausen.de  und  Aufn. Ulrich Knufinke)

Auf dem Vorplatz der Synagoge befindet sich seit 2010 eine Stele, die an den ehemaligen Kantor der Bochumer Synagoge, Erich Mendel (1902–1988), erinnert. Diese Stele ist der erste Baustein eines Stationenweges zu Orten der Erinnerung an jüdisches Leben in der Stadt. - An Dr. Otto Ruer, den letzten demokratisch gewählten Bochumer Oberbürgermeister vor 1933, erinnert heute ein Platz in der Innenstadt Bochums; in dessen Mitte ist eine Gedenktafel eingelassen. 2014 wurde erstmals der Dr.Otto Ruer-Preis ausgelobt. 

Mittlerweile sind im gesamten Stadtgebiet Bochums ca. 280 sog. „Stolpersteine“  verlegt worden (Stand 2021), die an Angehörige verschiedener NS-Opfergruppen erinnern; die ersten Steine wurden bereits 2004 in die Gehwege eingelassen. Finanziert haben die Verlegungen der Steine zumeist Privatleute, Schulklassen, Vereine und Firmen.

Stolperstein für Georg Salomon Stolperstein für Elfriede Salomon geb. Watermann  Stolperstein für Ferdinand Sternberg Stolperstein für Ella Sternberg

verlegt in der Annastraße – Kortumstraße (alle Aufn. Gmbo, 2015, aus: wikipedia.org, CCO)

 Stolperstein für Isak Salomon Stolperstein für Emma Salomon  Stolperstein für Robert Samuelsdorff Stolperstein für Fritz Samuelsdorff verlegt in der Hüller Str.

... und in Bochum-Langdreer (Aufn. Medienwerkstatt Bochum) Abb

Künftig sollen zu den bislang verlegten Steinen noch weitere hinzukommen.

Anm.: Eine 2018 verlegte sog. "Stolperschwelle gegen das Vergessen" soll an die Opfer des KZ-Außenlagers auf dem ehem. Werksgelände des Bochumer Vereins an der Oberen Stahlindustrie erinnern.

Am Standort der 1938 zerstörten Synagoge in der Huestraße 30 wurde 1968 eine bronzene Gedenktafel mit folgendem Text angebracht:

Wie eine lodernde Flamme frass es um sich. Klag. 2.3

Hier stand die im Jahre 1861 erbaute Synagoge der Jüdischen Kultusgemeinde Bochum.

Sie wurde während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft am 9.11.1938 niedergebrannt.

Am 9. November 2004 wurde an der Harmoniestraße eine Stele aufgestellt, die auf die frühere Synagoge aufmerksam macht. Neben einem Foto und einer Lageskizze ist der folgende Text zu lesen:

Hier stand die 1861 bis 1863 erbaute und später mehrfach baulich veränderte Synagoge der Jüdischen Gemeinde Bochum. Sie wurde in der Nacht vom 9. November 1938 durch die SA zerstört. Öffentliche Proteste aus der Bevölkerung gegen die Zerstörung sind nicht bekannt geworden. Es ist unsere Aufgabe, die Ursachen hierfür sichtbar zu machen, damit wir aus ihnen für die Gegenwart und Zukunft lernen.

Im Rahmen des sog. Stationenweges zur jüdischen Lokalgeschichte wurde 2010 auf dem Platz vor der neuen Synagoge die erste Stele zur Erinnerung an Erich Mendel*, Kantor der Gemeinde von 1922 bis 1939, aufgerichtet.

* Anm.: Der Platz vor der Synagoge ist nach Erich Mendel benannt, der von 1922 bis 1939 in der jüdischen Gemeinde Bochum als Kantor/Lehrer wirkte. Nach seiner erzwungenen Emigration arbeietete er ab 1941 - nun unter seinem neuen Namen Eric Mandell - als Dozent für synagogale Musik am Gratz-College in Philadelphia. Mendels besondere Liebe galt der Musik der Synagoge, die er auch als Komponist, Sammler und Musikgeschichtler pflegte. In den USA schuf er eine der weltweit größten Sammlungen jüdischer Musik.

Die zweite Stele an der Ecke Massenbergstraße/Schützenbahn informiert seit 2011 an die Anfänge jüdischen Lebens in der Stadt. Eine zwei Jahre später aufgestellte dritte Stele Ecke Goethe-/Schillerstraße erinnert an jüdische Familien, die hier bis zu ihrer Deportation gelebt hatten.

Seit 2015 erinnert eine weitere Stele in der Alten Bahnhofstraße (Stadtteil Langendreer, früher Kaiserstr.) an die ehemals hier ansässig gewesenen jüdischen Geschäftsleute.

2019 wurde eine weitere Gedenktafel gegenüber dem Alten Amtshaus aufgestellt, die an den Neubeginn jüdischen Lebens in Bochum erinnern soll. Hier fanden nach dem Kriege für die zurückkehrenden Juden - nun Mitglieder der neugegründeten „Jüdischen Religionsgemeinde Bochum“ - gottesdienstliche Zusammenkünfte statt.

Ausgehend vom 1993 gegründeten überparteilichen Verein „Gegen Vergessen – für Demokratie“ hat sich eine „Initiative Nordbahnhof Bochum“ gebildet, die den Bochumer Nordbahnhof als „kollektiven Erinnerungsort“ gestalten will. Von hier wurden seitens der NS-Behörden zum einen Juden, Sinti und Roma aus Bochum u. Umgebung in die „Lager des Ostens“ deportiert und zum anderen Zwangsarbeiter (aus Osteuropa) zu ihrem Einsatz im Ruhrgebiet verteilt.      

   geschändeter Friedhof,  Wasserstr. (Aufn. Antifasch. Jugend Bochum, 2010)

Da der jüdische Friedhof an der Wasserstraße inzwischen belegt ist, soll der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen ein größeres Areal zur Verfügung gestellt werden, das an den kommunalen Hauptfriedhof angrenzt.

Auf dem jüdischen Friedhof im Stadtteil Wiemelhausen befinden sich auch 52 Gräber von Opfern eines Außenkommandos des KZ Buchenwald. 

[vgl. Wattenscheid (Nordrhein-Westfalen)]

 

Weitere Informationen:

Günter Brakelmann, Hans Ehrenberg - ein judenchristliches Schicksal im 3.Reich, in: "Jahrbuch für Westfälische Kirchengeschichte", Band 72, Lengerich 1979

Helmut Eschwege, Die Synagoge in der deutschen Geschichte - Eine Dokumentation, VEB Verlag der Kunst, Dresden 1980, S. 120/121

Johannes Volker Wagner, Leidenswege Bochumer Juden, in: J.V. Wagner, Hakenkreuz über Bochum, Bochum 1983

Gisela Wilbertz, Jüdische Friedhöfe im heutigen Bochumer Stadtgebiet. Bochum - Wattenscheid - Stiepel, Studienverlag Dr. N. Brockmeyer, Bochum 1988

Gisela Wilbertz, Synagogen und jüdische Volksschulen in Bochum und Wattenscheid. Ein Quellen- und Lesebuch, Studienverlag Dr. N. Brockmeyer, Bochum 1988

Gustav Hermann Seebold, Leidenswege in Bochum, Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945 (Faltblatt), Hrg. Stadtarchiv Bochum, Bochum 1988

Annette Zehnter, Widerstand und Verfolgung in Bochum und Wattenscheid 1933 - 1945, Essen 1992

Günter Gleising, Die Verfolgung der Juden in Bochum und Wattenscheid der Jahre 1933 - 1945 in Berichten, Bildern und Dokumenten, Hrg. Bund der Antifaschisten, Kreisvereinigung Bochum, WURF-Verlag, 1993

Benno Reicher, Jüdische Geschichte und Kultur in NRW - ein Handbuch, in: Sekretariat für gemeinsame Kulturarbeit in NRW Hrg.), Kulturhandbücher NRW, Band 4/1993, S. 59 - 65

Manfred Keller/Gisela Wilbertz (Hrg.), Spuren im Stein - Ein Friedhof als Spiegel jüdischer Geschichte in Bochum, Essen/Bochum 1997

Juden in Bochum - Werkbuch mit Dokumentation der Ausstellung “Spurensuche, Jüdisches Leben in Bochum”. Arbeitshilfen, Materialien für ..., 1998, Projekt der Evang. Stadtakademie Bochum mit der Jüdischen Gemeinde Bochum - Herne - Hattingen

Klaus Kunold (Hrg.), Zwischen Verdrängung und Spurensuche, in: "Schriftenreihe zur antifaschistischen Geschichte Bochums", Heft 6, Ruhr-Echo-Verlag, 1998

G. Birkmann/H. Stratmann, Bedenke vor wem du stehst - 300 Synagogen und ihre Geschichte in Westfalen u. Lippe, Klartext Verlag, Essen 1998, S. 44 f.

Michael Brocke (Hrg.), Feuer an dein Heiligtum gelegt - Zerstörte Synagogen 1938 in Nordrhein-Westfalen, Ludwig Steinheim-Institut, Kamp Verlag, Bochum 1999, S. 52 – 54

Jens Brockschmidt, Hoffnung und Resignation im Selbstzeugnis. Jüdisches Leben in Bochum unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Politik, Magisterarbeit an der Ruhr-Universität Bochum, Bochum 2000

M.Keller/H.Schneider/J.V.Wagner (Hrg.), Gedenkbuch für die Opfer der Shoa aus Bochum und Wattenscheid, Bochum 2000

Evangelische Stadtakademie Bochum (Hrg.), Stationenweg zur jüdischen Geschichte in Bochum und Wattenscheid. Ein Impulspapier, Bochum 2001

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 1), New York University Press, Washington Square, New York 2001, S. 161 - 163

Rainer Adams (Bearb.), Die Bochumer Juden vor 1933, in: Stadtarchiv Bochum (Hrg.), Vom Boykott bis zur Vernichtung. Leben, Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Juden in Bochum und Wattenscheid 1933 - 1945. Ein Quellen- und Arbeitsbuch, Essen 2002

Alfred Hinz, Die "Arisierung" jüdischen Haus- und Grundbesitzes durch die Stadtgemeinde Bochum unter der NS-Herrschaft und die Restitution nach Kriegsende (Magisterarbeit der Ruhr-Universität Bochum), Bochum 2002

Hubert Schneider, ‘Es lebe das Leben ...’ Die Freimarks aus Bochum - eine deutsch-jüdische Familie. Briefe 1938-1946, Klartext-Verlag, Essen 2005

Elfi Pracht-Jörns, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen - Regierungsbezirk Arnsberg, J.P.Bachem Verlag, Köln 2005, S. 45 – 60

Hubert Schneider, Die „Entjudung“ des Wohnraums: „Judenhäuser“ in Bochum, die Geschichte der Gebäude und ihrer Bewohner, in: Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte – Stadtarchiv Schrift No.4, hrg. vom Verein "Erinnern für die Zukunft e.V.", Berlin 2010

Gerd Liedtke (Hrg.), Die neue Bochumer Synagoge. Bilder und Texte, Verlag Hentrich & Hentrich, Berlin 2011

Hubert Schneider, „Von hier sind wieder 65 Personen so weit“. Bochumer Juden zwischen städtischer Gesellschaft und Deportation, in: "Schriftenreihe der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache Dortmund", 1/2012, Essen 2012, S. 131 – 140

Hubert Schneider, Leben nach dem Überleben. Juden in Bochum nach 1945, LIT-Verlag, Münster 2014

Sabine Vogt (Red.), Stele erinnert an jüdische Händler, in: "WAZ - Westdeutsche Allgemeine Zeitung" vom 3.9.2015

Ingrid Wölk (Bearb.), Bochum, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe – Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Arnsberg, Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Ardey-Verlag Münster 2016, S. 197 – 226

Irene Allerborn (Red.), Gegen das Vergessen: Stolpersteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus, in: „WAZ - Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ vom 30.1.2017

Auflistung der in Bochum verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Bochum

Sabine Vogt (Red.), Stele in Bochum-City erinnert an Neubeginn jüdischen Lebens, in: „WAZ – Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ vom 14.3.2019

Michael Weeke (Red.), Nordbahnhof als Gedenkort: Im Nordbahnhof Bochum soll an Deportationen erinnert werden, in: „WAZ – Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ vom 24.10.2019

Manfred Keller, Im jüdischen Bochum – Spurensuche auf dem Stelenweg, hrg. von der Evangelischen Stadtakademie Bochum, F.A.Gimerthal Bochum 2019

Radio Bochum (Bearb.), Neue Stolpersteine werden verlegt, in: radiobochum.de vom 11.11.2019

Marlen Farina (Red.), Auf den Spuren jüdischen Lebens in Bochum, in: "Bochumer Stadt- u. Studierendenzeitung“ vom 12.11.2019

Michael Rosenkranz (Red.), Hilfestellung zum Heimatgefühl – Die jüdische Geschichte der Stadt vom Anfang bis zum Holocaust lässt sich entlang eines Stelenweges erfahren, in: „Jüdische Allgemeine“ vom 6.8.2020

Jenny Musall (Red.), In Gedenken an NS-Opfer. 28 neue Stolpersteine werden in Bochum verteilt, in: „Stadtspiegel“ vom 6.10.2020

Martin Zehren (Red.), Gegen das Vergessen: Einsatz für die Demokratie, in: "Westfalenspiegel“ vom 5.11.2020