Breisig (Rheinland-Pfalz)

Ahrweiler Karte Bad Breisig am Rhein ist heute ein staatlich anerkanntes Heilbad im Landkreis Ahrweiler; das Städtchen mit derzeit ca. 8.000 Einwohnern liegt zwischen Bonn im Norden und Koblenz im Süden (Karte aus: ortsdienst.de/rheinland-pfalz/ahrweiler).

Brysich (Merian).jpg "Brysich" - Merian-Stich (aus: commons.wikimedia.org, gemeinfrei)

Mindestens seit dem späten Mittelalter haben jüdische Familien in dem zum Stift Essen gehörenden damaligen Ländchen Breisig und in der von ihm umschlossenen Burgherrschaft Rheineck gelebt. Der früheste urkundliche Nachweis auf einen Juden in Breisig - heute der Ortsteil Niederbreisig - stammt aus dem Jahre 1347, ein weiterer Beleg ist dann erst wieder um 1540/1550 verfügbar. Ab dem ausgehenden 16.Jahrhundert ist ein jüdischer Friedhof nachweisbar, der sich am Fuße der Rheinecker Burg befand; der älteste der heute noch vorhandenen 27 Grabsteine stammt aus dem Jahre 1621. Ab 1878 verfügte die jüdische Gemeinde über ein neues Beerdigungsgelände am Fuße des Kesselbergs nördlich von Breisig. Hierher wurden 1880 auch die alten Grabsteine vom Rheinecker Bergfriedhof gebracht, doch nach Protesten transportierte man sie wieder auf das angestammte Gelände zurück.

Aufn. GFreihalter, 2010, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0

   Grabsteine vom alten Friedhof (Aufn. J. Hahn, 2007)

Ab dem Beginn der preußischen Herrschaft gehörten die Breisiger Juden zur Kultusgemeinde Sinzig, und ab Mitte der 1850er Jahre bildeten sie eine eigene Synagogengemeinde.

Ein erster Betraum soll gegen Mitte des 18.Jahrhunderts in einem Privathaus eingerichtet worden sein. Nachdem das Gebäude ab 1854 öffentlich versteigert worden war und nicht mehr zur Verfügung stand, reichte der Gemeindevorstand ein Gesuch zum Bau einer eigenen Synagoge ein, das aber abschlägig beschieden wurde. Daraufhin wurde abermals eine private Räumlichkeit in der Biergasse für gottesdienstliche Treffen genutzt; dabei handelte es sich um ein neues Gebäude mit einem relativ großen Betsaal und einer Frauenempore.

Gemeinsam mit Remagen und Sinzig hatte man zur Besorgung der religiösen Aufgaben in Breisig in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts einen Religionslehrer angestellt.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20113/Remagen%20Israelit%2029111886.jpg Ausschreibung der Lehrerstelle in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9.8.1886

Juden in (Bad) Breisig:

        --- 1809 ...........................  48 Juden,*      * Bürgermeisterei Niederbreisig

    --- 1824 ...........................  73   “  ,*

    --- um 1850/55 ................. ca.  50   “  ,*

    --- 1861 ...........................  14 Familien,**    **Ober-/Niederbreisig und Brohl

    --- 1895 ...........................  35 Juden,

    --- 1925 ........................... 121   “  ,*

    --- 1940 ...........................   4   “  ,

    --- 1942 (Dez.) ....................   keine.

Angaben aus: Carl Bertram Hommen, Aus der Geschichte der Juden im ehemaligen Ländchen Breisig

Lehrstellenangebote (1884/1891) http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20158/Breisig%20Israelit%2031011884.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20158/Bad%20Breisig%20Israelit%2004051891.jpg

Ihre Blütezeit erlebte die jüdische Gemeinde Breisigs im ersten Viertel des 20.Jahrhunderts. Es dauerte jedoch nur wenige Jahre, bis sich ihre Mitgliederzahl aufgrund von Abwanderung erheblich verkleinerte.

Zu Beginn der NS-Zeit wohnten nur noch sehr wenige jüdische Bürger in Breisig.

    Die letzten vier in Breisig verbliebenen jüdischen Bewohner wurden deportiert und sind „im Osten verschollen“.

Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem/Jerusalem und des „Gedenkbuches – Opfer der Verfolgung der Juden ...“ sind namentlich acht aus Breisig stammende jüdische Bürger bekannt, die der „Endlösung“ zum Opfer gefallen sind (namentliche Nennung der betroffenen Personen siehe: .alemannia-judaica.de/bad_breisig_synagoge.htm).

 

Mehrere sog. "Stolpersteine" erinnern heute in Bad Breisig an Opfer der NS-Gewaltherrschaft.

Auf dem ca. 600 m² großen Friedhofsgelände - nördlich des Ortes am Fuße des Kesselbergs - befinden sich ca. zehn Grabsteine.

 Aufn. Reinhardhauke, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0)

 

Weitere Informationen:

Yehuda T. Radday/Carl Bertram Hommen, Die Grabmale von Burg Rheineck, Zur Geschichte des ehemaligen Ländchens Breisig und der früheren Herrschaft Rheineck, Selbstverlag, Bad Breisig 1983 (2. Auflage, Andernach 2009)

Carl Bertram Hommen, Aus der Geschichte der Juden im ehemaligen Ländchen Breisig, in: "Heimatbuch des Kreises Ahrweiler 1986", Hrg. Kreis Ahrweiler, Ahrweiler 1986, S. 46 f.

Diethard Aschoff, Die erste Erwähnung der Juden in Breisig, in: "Landeskundliche Vierteljahrsblätter", No.32/1986, S. 121 f.

Hans Kleinpass, Synagogenbau in Niederbreisig blieb ein Wunschtraum, in: "Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler", 51/1994, S. 92 f.

Michael Brocke, Die Inschriften des Friedhofs von Burg Rheineck - Bad Breisig (1621 - 1873), in: Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz (Hrg.), “ Ein edler Stein sei sein Baldachin...” - Jüdische Friedhöfe in Rheinland-Pfalz, 1995, S. 173 - 210

Carl Betram Hommen (Bearb.), Bad Breisig, in: H. Warnecke (Hrg.), Zeugnisse jüdischen Lebens im Kreis Ahrweiler, Bad Neuenahr-Ahrweiler, 1998, S. 37 - 42

Hans Warnecke (Bearb.), Ahrweiler, in: H. Warnecke (Hrg.), Zeugnisse jüdischen Lebens im Kreis Ahrweiler, Bad Neuenahr-Ahrweiler 1998, S. 11 - 23

Bad Breisig mit Niederbreisig, Oberbreisig, Rheineck und Brohl, in: alemannia-judaica.de

N.N. (Red.), Stolpersteine für die Familie Feit, in: "Blick Aktuell" vom 27.4.2015