Christburg (Westpreußen)

 Karte des Kreises Marienburg (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

In der etwa 25 Kilometer südöstlich von Marienburg liegenden, seit 1254 mit Stadtrechten ausgestatteten Ortschaft Christburg (poln. Dzierzgón, derzeit ca. 5.500 Einw.) durften bis 1772 keine Juden ansässig sein. Doch in der nahen Umgebung lassen sich jüdische Familien bereits für das 18.Jahrhundert nachweisen.

Mit mehr als 300 Angehörigen erreichte die Christburger Gemeinde um 1850/1860 ihren zahlenmäßigen Höchststand. Neben zwei Friedhöfen – der erste wurde noch im ausgehenden 18.Jahrhundert angelegt * - gab es in Christburg eine 1838 erbaute Synagoge.     * Diese Begräbnisstätte nutzten auch Juden aus Elbing (bis 1811).

Juden in Christburg:

--- 1772 ......................... 124 Juden,*     * im Amt Christburg

--- 1812 ..........................  55 jüdische Hauhalte (etwa 220 Pers.),

--- 1831 .......................... 196 Juden (ca. 9% d. Bevölk.),

--- 1840 .......................... 259   “  ,

--- 1849 .......................... 266   “  ,

--- 1858 .......................... 318   “  ,

--- 1871 .......................... 283   “  ,

--- 1885 ......................... 224   “  ,

--- 1897 .......................... 167   “  ,

--- 1902 ..........................  84   “  ,

--- 1913 .........................  77   “  ,

--- 1924 ..........................  63   “  (ca. 2% d. Bevölk.),

--- 1933 ...................... ca. 50   “  ,

--- 1937 ....................... ca. 20   “  .

Angaben aus: Gerhard Salinger, Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Westpreußens, Teilband 3, S. 704 /705

und                    Dzierzgon, in: kirkuty.xip.pl

     Marktplatz von Christburg (hist. Postkarte)

Bis fast gegen Ende des 19.Jahrhunderts gab es – was die Zahl der Gemeindeangehörigen angeht – kaum Veränderungen. Die Jahrzehnte um 1900 waren dann von Abwanderung der jüdischen Minderheit gekennzeichnet. Zu Beginn der 1930er Jahre lebten nur noch ca. 60 Juden in der Kleinstadt; fast der gesamte hiesige Textilhandel lag damals aber noch in den Händen jüdischer Kaufleute. Vor allem durch Boykottmaßnahmen verursachte wirtschaftliche Probleme – alle jüdischen Geschäfte mussten nun aufgegeben werden - führten dazu, dass bis 1938 schließlich alle jüdischen Bewohner Christburg verlassen hatten.

Vom jüdischen Friedhof sind heute noch Relikte – nur noch ca. 20 Grabsteine - vorhanden, die auf einem recht weitläufigen, mit Vegetation überwucherten Gelände stehen.

 

Grabrelikte des jüdischen Friedhofes in Dzierzgón/Christburg (Aufn. Sławomir Topolewski)

 

Weitere Informationen:

Max Aschkewitz, Zur Geschichte der Juden in Westpreußen, in: Wissenschaftliche Beiträge zur Geschichte u. Landeskunde Ost-Mitteleuropas, Hrg. Johann Gottfried-Herder-Institut, No. 81, Marburg 1967

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (), New York University Press, Washington Square, New York 2001, Vol. 1, S. 257

Gerhard Salinger, Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Westpreußens, New York 2009, Teilband 3, S. 705 – 714

Dzierzgon, in: sztetl.org.pl

Dzierzgon, in: kirkuty.xip.pl

Juden in Ostpreußen e.V./Krzysztof Bielawski (Übers.), Friedhof Dzierzgon – Christburg, online abrufbar unter: jewsineastprussia.de/de/the-jewish-cemetery-of-christburg-today-dzierzgon/