Chodziesen - Kolmar (Posen)

In Chodziesen (poln. Chodziez, derzeit ca. 19.000 Einw.) – einer Kleinstadt südöstlich von Schneidemühl, ab 1879 Kolmar/Posen genannt – ist bereits im 17.Jahrhundert jüdische Ansiedlung nachweisbar. Aus dem Jahre 1688 ist ein Privileg erhalten geblieben, das den hiesigen Juden gewisse Rechte einräumte. Aus dieser Frühzeit stammt auch der dortige Friedhof, der auf einem Hügel vor der Ortschaft angelegt wurde.

Die jüdische Bevölkerung siedelte anfänglich in einem zwischen Schloss (Burg) und Stadtsiedlung befindlichen Gelände, das dann zu Beginn des 18.Jahrhunderts in die Stadt eingebunden wurde. Tuch- und Textilhandel waren wesentliche Lebensgrundlage der hier lebenden Juden.

Die ersten beiden Bethäuser fielen Stadtbränden (1713 und 1835) zum Opfer. Aus den 1830er Jahren stammte der letzte Synagogenbau, der 1941 von den Nationalsozialisten zerstört wurde.

                      

Synagoge von Chodziez/Kolmar (links: Aufn. unbekannt, um 1910 und rechts: um 1925, unbekannt)

Juden in Chodziez/Kolmar:

    --- 1799 .........................   930 Juden (ca. 37% d. Bevölk.),

    --- 1809 ..................... ca. 1.000   “  ,

    --- 1816 .........................   724   “  ,

    --- 1838 ......................... 1.062   “  ,

    --- 1854 ......................... 1.059   “   (ca. 32% d. Bevölk.),

    --- 1871 .........................   795   “   (ca. 24% d. Bevölk.),

    --- 1880 .........................   665   “   (ca. 21% d. Bevölk.),

    --- 1900 .........................   351   “   (ca. 7% d. Bevölk.),

    --- 1910 .........................   197   “   (ca. 3% d. Bevölk.),

    --- 1921 .........................    27   “  ,

    --- 1934 ..................... ca.    60   “  .

Angaben aus: Chodziez, in: sztetl.org.pl

                       Chodziez um 1935 (Abb. aus: wikipedia.org, PD-alt)

In der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts lebten im Ort mehr als 1.000 jüdische Bewohner, die damals ca. ein Drittel der Gesamtbevölkerung stellten; in den 1870er Jahren waren es immerhin noch ca. 800 Personen; doch forcierte die Emigration zahlreicher Familien nach Nordamerika den Bevölkerungsrückgang. Anfang der 1920er Jahre lebten dann kaum noch 100 Personen mosaischen Glaubens in der Stadt. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges waren nur noch ca. 20 Juden ansässig, die alsbald von hier deportiert und vermutlich in Treblinka ermordet wurden. Synagoge und Friedhof wurden 1940/1941 zerstört; die abgeräumten Grabsteine zum Wegebau verwendet.

 

Spuren des ehemaligen jüdischen Friedhofs sind heute kaum noch vorhanden.

Am ehemaligen Standort der Synagoge wurde im November 2012 ein Gedenkstein aufgestellt, der zweisprachig an das jüdische Gotteshaus erinnert:

An dieser Stelle stand bis 1941 die Synagoge der jüdischen Gemeinde.

Ihre Mitglieder und ihr Gotteshaus wurden Opfer des Nationalsozialismus.

Uns und künftigen Generationen zum Gedenken und zur Mahnung gewidmet.

Anm.: Zeitgleich enthüllten Vertreter des Freundeskreis Kolmar sowie der Heimatkreisgemeinschaft Kolmar zudem einen Gedenkstein am früheren Standort der evangelischen Kirche in Kolmar.

 

Weitere Informationen:

A.Heppner/J.Herzberg, Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüdischen Gemeinden in den Posener Landen, Koschmin - Bromberg 1909

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 2), New York University Press, Washington Square, New York 2001, Vol. 1, S. 254

Chodziez, in: sztetl.org.pl

Chodziez (Posen/Poland), online abrufbar unter: iajgsjewishcemeteryproject.org/poland/chodziez.html

Jewish families of Kolmar aka Chodzisen, online abrufbar unter: geni.com/projects/Jewish-Families-of-Kolmar-aka-Chodziez-aka-Chodziesen