Germersheim (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für Germersheim karte postleitzahl Germersheim am Rhein ist eine Kleinstadt mit derzeit etwa 21.000 Einwohnern in Rheinland-Pfalz – zwischen Karlsruhe (im S) und Mannheim (im N) gelegen (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Jüdische Bewohner sind für Germersheim bereits in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts nachweisbar. Als Folge einer Ritualmordbeschuldigung sollen 1323 auch Juden aus der Umgebung verbrannt worden sein; ein Vierteljahrhundert später führte der Pestpogrom zu weiteren Opfern. Auch in den Folgejahrhunderten müssen zeitweilig einige jüdische Familien hier gelebt haben, z.B. in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, als diese Zuflucht im durch Mauern geschützten Speyer suchten. Ab dem beginnenden 19.Jahrhundert siedelten sich Juden dauerhaft in Germersheim an. Ihre Anzahl erreichte um 1870/1880 mit mehr als 130 Personen ihren Höchststand. Ihren ersten Betraum richteten die Angehörigen der israelitischen Gemeinde im Jahre 1838 ein; knapp 30 Jahre später wurde dieser durch einen neuen Synagogenraum ersetzt; er lag im Erdgeschoss eines Hauses in der Oberamtsstraße. Wenige Jahre später besaß die Gemeinde auch einen Schulraum im gleichen Gebäude, nachdem das bereits 1844 eingerichtete jüdische Schulhaus wegen Einsturzgefahr aufgegeben werden musste. 

                       Synagoge in Germersheim (Ausschnitt einer Bildpostkarte, Sammlung J. Hahn)

 http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20163/Germersheim%20Israelit%2009021891.jpg

Stellenangebote der Gemeinde aus der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 9.Febr. 1891 und 30.Aug. 1900

Verstorbene fanden ab den 1830er Jahren auf dem jüdischen Verbandsfriedhof in Rülzheim ihre letzte Ruhe. 

Die Gemeinde Germersheim zählte zum Bezirksrabbinat Landau.

Juden in Germersheim:

    --- 1804 .........................   7 Juden,

    --- 1823 .........................  28   “  ,

    --- 1830 .........................  30   “  (in 5 Familien),

    --- 1848 .........................  93   “  (in 21 Familien),

    --- 1863 ......................... 123   “  ,

    --- 1875 ......................... 134   “  ,

    --- 1895 .........................  62   “  ,

    --- 1900 .........................  58   “  ,

    --- 1925 .........................  32   “  (ca. 1% d. Bevölk.),

    --- 1936 .........................  13   “  ,

    --- 1938 .........................  11   “  ,

    --- 1942 (Ende) ..................  keine.

Angaben aus: Karl Fücks/Michael Jäger, Synagogen der Pfälzer Juden. Vom Untergang ..., S. 86

und              Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff, Synagogen. Rheinland-Pfalz und Saarland, S. 165                                                    

Nach dem Ersten Weltkrieg löste sich die jüdische Gemeinde Germersheim aus; es gab nicht mehr genug Mitglieder.

     

Textilgeschäft Noe Rosenbaum in der Hauptstraße 134 und dessen Familie (Aufn. Gerhard Martin)

Da nun in Germersheim kaum noch Gottesdienste stattfanden - der letzte wurde 1933 abgehalten -, wurde das Synagogengrundstück Jahre im Frühjahr 1938 an Privatleute verkauft. Die meisten der noch im Ort lebenden Juden hatten bis Ende 1939 „ihren Aufenthalt in benachbarte Großstädte, wie Mannheim, Frankfurt/M oder Wiesbaden verlegt”. Die letzten vier jüdischen Bewohner Germersheims wurden im Rahmen der sog. „Aktion Bürckel“ im Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Nachweislich wurden neun gebürtige bzw. längere Zeit am Ort lebende Juden Opfer des Holocaust.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20334/Germersheim%20Synagoge%20321.jpg Am Stadthaus in der Oberamtsstraße wurde 1989 eine Tafel mit der folgenden Inschrift angebracht (Aufn. B. Kukatzki).

Nach 1990 zogen einige jüdische Familien aus den GUS-Staaten nach Germersheim und bildeten hier eine Gemeinde.

Weitere Informationen:

Germersheim. Beiträge zur Stadtgeschichte 1900 - 1975, Hrg. Stadtverwaltung Germersheim, Germersheim 1976, S. 33 - 36

Hermann Arnold, Juden in der Pfalz - Vom Leben pfälzischer Juden, Pfälzische Verlagsanstalt, Landau/Pfalz 1986

Bernhard Kukatzki, Synagoge leider vergessen, in: ‘Die Rheinpfalz (Ausgabe Landau) vom 8.10.1987

Karl Fücks/Michael Jäger, Synagogen der Pfälzer Juden. Vom Untergang ihrer Gotteshäuser und Gemeinden, Hrg. Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz, Neustadt/Weinstraße 1988, S. 85/86

Alfred Hans Kuby (Hrg.), Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19./20.Jahrhunderts, Verlag Pfälzische Post, Neustadt a.d.Weinstraße 1992

Germersheim, in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 165/166

Otmar Weber, Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südwestpfalz, Hrg. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz (Landau), Dahn 2005, S. 75/76