Höchst a.d.Nidder (Hessen)

Wetteraukreis Karte Höchst a.d. Nidder ist heute ein Ortsteil der Kommune Altenstadt im hessischen Wetteraukreis (Karte aus: ortsdienst.de/hessen/wetteraukreis).

In Höchst a.d. Nidder – bis 1806 den Freiherren von Günderrode untertänig - lebten nachweislich seit Anfang/Mitte des 18.Jahrhunderts wenige jüdische Familien. Im ersten Viertel des 19.Jahrhunderts erreichte die um 1805 offiziell gegründete Gemeinde mit ca. 80 Angehörigen ihren personellen Zenit; die jüdischen Familien am Ort lebten in sehr einfachen Verhältnissen.

Neben einer Betstube (in der ersten Etage eines Fachwerkhauses in der Hauptstraße) verfügte die Judenschaft ab den 1820er Jahren auch über ein eigenes Friedhofsgelände*. (* Im 18.Jahrhundert soll es bereits einen Begräbnisplatz gegeben haben, auf dem 1770 letztmals eine Beerdigung stattgefunden haben soll.)

Eine Mikwe und eine winzige Religionsschule komplettierten die gemeindlichen Einrichtungen; allerdings konte sich die finanzschwache Gemeinde auf die Dauer keinen eigenen Lehrer/Vorbeter leisten, sodass Gemeindeangehörige ehrenamtlich diese Aufgabe übernahmen.

Die Gemeinde unterstand dem orthodoxen Provinzialrabbinat von Gießen.

Juden in Höchst a.d.Nidder:

--- um 1720 ......................  4 jüdische Familien,

--- 1818 ......................... 81 Juden,

--- 1830 ......................... 67   “  ,

--- 1861 ......................... 58   “  ,

--- 1880 ......................... 37   “  ,

--- 1900 ......................... 13   “  ,

--- 1910 ......................... 19   “  ,

--- 1924 ......................... 11   “  (in 3 Familien),

--- 1933 .........................  6   “  ,

--- 1939 (Dez.) ..................  keine.

Angaben aus: Elisabeth Johann, Unsere jüdischen Nachbarn - Ein fast vergessener Teil der Ortsgeschichte ...

Um Beginn des 20.Jahrhunderts lebten im Dorf nur noch wenige jüdische Familien; Anfang der 1930er löste sich die Gemeinde auf.

Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Wohnungen der beiden noch hier lebenden jüdischen Familien demoliert. Die älteren Bewohner sperrte man über Nacht ins Ortsgefängnis ein. Sie verließen im Laufe des Jahres 1939 ihren Heimatort und gingen in die Emigration.

Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem/Jerusalem wurden sieben gebürtige Höchster Juden Opfer des Holocaust (namentliche Nenung der betroffenen Personen siehe. alemannia-judaica.de/hoechst_nidder_synagoge.htm).

 

Auf dem Gelände des jüdischen Friedhofs – es liegt heute inmitten der Wohnbebauung - befinden sich ca. 35 Grabstätten.

 Jüdischer Friedhof in Höchst a.d. Nidder (Aufn. J. Hahn, 2008)

 

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag Frankfurt/M. 1971, Bd. 1, S. 375

Thea Altaras, Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945?, Königstein i.T. 1988, S. 188 (Neubearbeitung 2007)

Elisabeth Johann, Unsere jüdischen Nachbarn - Ein fast vergessener Teil der Ortsgeschichte von Altenstadt, Höchst an der Nidder und Lindheim 14. - 20. Jahrhundert, Hrg. Vorstand der Gemeinde Altenstadt 1991

Studienkreis Deutscher Widerstand (Hrg.), Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 – 1945, Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt, 1995 S. 309/310

Höchst a.d.Nidder, in: alemannia-judaica.de