Holzhausen a.d. Haide (Rheinland-Pfalz)

Jüdische Gemeinde - Nastätten (Rheinland-Pfalz) Bildergebnis für rhein lahn kreis karte Holzhausen an der Haide ist eine kleine Kommune mit derzeit ca. 1.200 Einwohnern, die der Verbandsgemeinde Nastätten (Rhein-Lahn-Kreis) angehört - ca. 35 Kilometer südwestlich von Limburg/Lahn gelegen (Ausschnitt aus hist Karte von 1905 ohne Eintrag von Holzhausen, aus: wikipedia.org, gemeinfrei und Kartenskizze 'Rhein-Lahn-Kreis', Hagar 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

 

In der nur wenige Kilometer östlich von Nastätten gelegenen Ortschaft gab es eine kleine israelitische Gemeinde, die bis in die 1930er Jahre bestand. Erste urkundliche Hinweise auf jüdisches Leben am Ort stammen aus der Zeit um 1670, als eine mit einem Schutzbrief ausgestattete Familie hier lebte. Im 19.Jahrhundert gehörten neben den sechs bis acht Familien Holzhausens (zeitweise) auch jüdische Familien aus Obertiefenbach der winzigen Kultusgemeinde an.

Vieh- und Landesproduktenhandel und Landwirtschaft prägten die Berufsstruktur der Juden Holzhausens.

In den 1860er Jahren wurde seitens der Gemeinde der Antrag für den Bau eines Synagogengebäudes gestellt; dieses Gesuch muss wohl positiv beschieden worden sein, denn der Herzog von Nassau hatte für den Bau einen Zuschuss in Aussicht gestellt. Doch Bau und Einweihung des Synagogengebäudes in der Felsterbachstraße erfolgten erst Jahrzehnte später, nämlich im Jahre 1897. Dabei handelte es sich um einen kleinen Backsteinbau mit Rundbogenfenstern, der nun eine lange genutzte Betstube in einem Privathaus ablöste.

Neben einer kleinen Religionsschule soll es auch ein rituelles Bad gegeben haben.

Verstorbene wurden auf dem jüdischen Friedhof Mühlhecke in Heidenrod-Laufenselden beerdigt.

 Friedhof in Laufenselden (Aufn. Haffitt, 2012, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Juden in Holzhausen:

--- um 1665 .......................  3 jüdische Familien,

--- 1843 .......................... 21 Juden,*       * und in: Obertiefenbach: 28 Juden

--- 1864 .......................... 43   “  (ca. 6% d. Bevölk.),

--- 1871 .......................... 43   “  ,

--- 1895 .......................... 38   “  (ca. 5% d. Bevölk.),

--- 1900 .......................... 41   “  (in 8 Familien),

--- 1905 .......................... 37   “  ,

--- 1925 .......................... 22   “  ,

--- um 1933 ....................... 18   “  ,

--- 1939 ..........................  3   “  .

Angaben aus: Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. …, S. 190

 

Um 1900 lebten in Holzhausen acht jüdische Familien, die das gewerbliche Leben im Dorf maßgeblich mitbestimmten: Vieh- u. Pferdehandel, zwei Lebensmittelgeschäfte, eine Metzgerei und Landwirtschaft waren Grundlage ihres Lebensunterhalts.

Nach 1900 setzte die Abwanderung ein; bereits um 1930 hatte der Großteil der jüngeren Familienmitglieder Holzhausen meist in Richtung USA verlassen. 1937 war die Gemeinde bereits aufgelöst. 1939 wurden im Ort nur noch drei jüdische Bewohner gezählt.

Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem/Jerusalem wurden nachweislich 15 gebürtige bzw. länger im Dorf lebende jüdische Bewohner Opfer der „Endlösung(namentliche Nennung der betroffenen Personen siehe: alemannia-judaica.de/holzhausen_haide_synagoge.htm).

           Ehem. Synagogengebäude (Aufn. um 1965, Landesamt)

Gegen Ende der 1960er Jahre wurde das alte ehem. Synagogengebäude abgebrochen, um dem Neubau eines Wirtschaftsgebäudes zu weichen.

 

 

 

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd.1, S. 387

Hubertus Seibert, Zwischen Integration und Deportation. Zur Geschichte der Juden im Rhein-Lahn-Gebiet 1918 - 1945, in: "Der Rhein-Lahn-Kreis. Landschaft - Geschichte - Kultur unserer Heimat", Oberwesel 1987, S. 252 ff.

Hubertus Seibert, Geschichte und Lebenswege der Juden, in: Nastätten – Geschichte und Gegenwart, Nastätten 1992, S. 230

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 190 (Holzhausen a.d. Haide), S. 280 – 282 (Nastätten) und S. 329 (Ruppertshofen)

Holzhausen an der Haide mit Obertiefenbach, in: alemannia-judaica.de

Ellen Stein, Gemeinsam leben mit Milian und Sarah. Juden in Ruppertshofen, Bogel, Bornich, Miehlen, Nastätten, Niederwallmenach und Umgebung, o.O. o.J.