Höchheim (Unterfranken/Bayern)

Datei:Höchheim in NES.svg Höchheim ist eine kleine Kommune mit derzeit ca. 1.200 Bewohnern im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld und gehört der Verwaltungsgemeinschaft Bad Königshofen im Grabfeld an (Karte Hagar, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Vermutlich ließen sich die ersten jüdischen Familien nach Ende des Dreißigjährigen Krieges in Höchheim nieder; sie waren "Schutzjuden" der Herren von Bibra. Ihren Lebensunterhalt verdienten sie von Beginn an im Vieh- und Kurzwarenhandel. Bei der Erstellung der Matrikel (1817) waren für das Dorf Höchheim 22 Familienvorstände aufgelistet.

1798 wurde eine Synagoge in Höchheim eingerichtet; die Gemeinde verfügte auch über eine Mikwe.

Bis 1813 gab es in Höchheim eine jüdische Elementarschule; danach besuchten die jüdischen Kinder - gemeinsam mit allen anderen - die christliche Schule am Ort; nur Religionsunterricht erteilte ihnen ein jüdischer Lehrer. Die Besetzung der Lehrerstelle war einem häufigen Wechsel unterworfen, wie des öfteren vorkommende Inserate in der Zeitschrift „Der Israelit“ belegen:


 Anzeigen in der Zeitschrift "Der Israelit" aus den Jahren 1878, 1881 und 1892

Ihre Verstorbenen begrub die Höchheimer Judenschaft auf dem Friedhof bei Kleinbardorf.

Die Gemeinde unterstand dem Bezirksrabbinat Burgpreppach.

Juden in Höchheim:

    --- 1810 ..................... ca. 100 Juden,

    --- 1813 ......................... 120   “  (ca. 32% d. Bevölk.),

    --- 1830 .........................  99   “  ,

    --- 1839 ......................... 111   “  ,

    --- 1848 ......................... 124   “  ,

    --- 1871 .........................  99   “  ,

    --- 1880 .........................  82   “  (ca. 20% d. Dorfbev.),

    --- 1900 .........................  55   “  ,

    --- 1910 .........................  47   “  (ca. 12% d. Dorfbev.),

    --- 1925 .........................  25   “  ,

    --- 1933 .........................  26   “  ,

    --- 1935 .........................  26   “  ,

    --- 1942 (Jan.) ..................   9   “  ,

             (Mai) ...................   keine.

Angaben aus: Reinhold Albert, Geschichte der Juden im Grabfeld, S. 118

                Aus der Höchheimer Kirchenchronik:

„ (1910) ... Nach der letzten Volkszählung 1910 waren in Höchheim 401 Seelen, davon 47 Juden in 12 Judenfamilien, welche mit den christlichen Ortseinwohnern in Frieden leben. Sie haben an der Milz ein Bethaus; die Kinder werden jeden Mittwoch durch den von Königshofen kommenden Lehrer im mosaischen Glauben unterrichtet. Gelegentlich während seiner Anwesenheit in Höchheim nimmt dieser Lehrer auch rituelle Schlachtungen vor. ... Die Juden treiben Viehhandel und Handel mit Baumwoll-Band und Wollwaren.”

Bis in die 1920er Jahre sank die Zahl der Gemeindeangehörigen kontinuierlich; nur noch wenige jüdische Familien lebten zu Beginn der NS-Zeit in Höchheim. Während der Pogromnacht von 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zusammen mit den dort aufbewahrten Ritualien vernichtet. Das Gebäude ging 1941 in kommunale Hand über; Mitte der 1970er Jahre wurde es abgerissen. Im Frühjahr 1942 ließen die NS-Behörden die letzten neun noch in Höchheim lebenden Juden - über Würzburg - nach Izbica/b. Lublin abtransportieren.

Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem/Jerusalem sind 24 aus Höchheim stammende jüdische Bewohner Opfer der „Endlösung“ geworden (namentliche Nennung der betroffenen Personen siehe: alemannia-judaica.de/hoechheim_synagoge.htm).

 

An der früheren Dorfschule (dem heutigen Rathaus) an der Rothäuser Straße erinnert eine Gedenktafel an die einstige jüdische Gemeinde in Höchheim; neben einer stilisierten Menora ist die folgende Inschrift zu lesen:

In Höchheim bestand eine Jüdische Kultusgemeinde,

deren Synagoge an der Stelle des jetzigen Kindergartens stand.

Die Gemeinde gedenkt ihrer ehemaligen jüdischen Mitbürger.

2018 beschloss der Höchheimer Gemeinderat, sich mit einer sog. "Kofferskulptur" am Würzburger Gedenkprojekt "DenkOrt Aumühle" ("DenkOrt - Deportationen 1941-1944") zu beteiligen (vgl. dazu Würzburg).

 

Weitere Informationen:

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann, Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918 - 1945. Geschichte und Zerstörung, Oldenbourg-Verlag, München/Wien 1979, S. 319

Ela Eggerath, Der Novemberpogrom von 1938 im Grabfeld, in: "Bote von Grabfeld" vom 9.11.1988

Israel Schwierz, Steinere Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern - Eine Dokumentation, Hrg. Bayrische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, 2. Aufl., München 1992, S. 124/125

Reinhold Albert, Geschichte der Juden im Grabfeld, in: "Schriftenreihe des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld e.V.", Heft 2, Kleineibstadt 1996, S. 90/91 und S. 111

Höchheim, in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Dirk Rosenstock (Bearb.), Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle, in: "Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg", Band 13, Würzburg 2008, S. 186/187

Michael Petzold (Red.), Höchheim. Sandsteinkoffer für den DenkOrt, in: „Main-Post“ vom 29.3.2018