Korb (Baden-Württemberg)

Bildergebnis für landkreis heilbronn karte ortsdienst Korb ist heute ein Ortsteil der Stadt Möckmühl im Landkreis Heilbronn - im äußersten Norden des Landkreises, ca. 35 Kilometer nordöstlich von Heilbronn (Karte aus: ortsdienst.de/baden-wuerttemberg/landkreis-heilbronn).

Korb war 1806 im Besitz der Herren von Berlichingen. Juden waren im Dorf seit dem 18.Jahrhundert ansässig; erstmalige Erwähnung eines jüdischen Bewohners datiert von 1843.

Nach einer Auflistung der jüdischen Familien Korbs aus dem Jahre 1829 übten die meisten „Nothandel“ aus; d.h. ihre wirtschaftliche Situation war alles andere als gut.

Korb war seit den 1830er Jahren Filialgemeinde der Kultusgemeinde Olnhausen und gehörte zunächst zum Rabbinat Berlichingen; nach dem Übergang an Baden 1846 wurde die Korber Judenschaft dem Rabbinatsbezirk Merchingen unterstellt. Anfänglich besuchten die Korber Juden die Gottesdienste in Olnhausen; doch „wegen der Beschwerlichkeit des Weges“ wurde bereits 1835 die Einrichtung einer eigenen Synagoge gestattet - mit eigenem Kantor, der auch gleichzeitig den hiesigen jüdischen Kindern Unterricht erteilte. Der Betsaal war in einem Raum im Obergeschoss des Hauses der Familie Rosenfeld untergebracht.

                  Haus der Fam. Rosenfeld (Aufn. um 1955)

Im Gebäude war auch eine Mikwe eingerichtet. Religiöse Aufgaben besorgte ein zeitweilig von der Gemeinde angestellter Lehrer. Ab ca. 1850 besaß die Korber Judenschaft aber keinen eigenen Lehrer/Vorsänger mehr, sondern wurde vom benachbarten Sennfeld „versorgt“.

In den Jahren 1835 bis 1844 gab es in Korb eine jüdische Konfessionsschule, die im Erdgeschoss der Synagoge untergebracht war; danach besuchten die Kinder die Ortsschule und erhielten separaten Religionsunterricht.

Eine recht ungewöhnliche "Maßnahme" http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20297/Korb%20Der%20Orient%2013081844.jpg Kurznotiz vom Aug. 1844

Verstorbene wurden auf den jüdischen Friedhöfen in Berlichingen und Bödigheim, zuletzt dann in Sennfeld begraben.

Zunächst gehörte die Kultusgemeinde Korb zum Rabbinat Berlichingen, später dann zu dem von Merchingen.

Juden in Korb:

         --- 1806 ..........................  86 Juden,

    --- 1828 ..........................  90   “   (in ca. 25 Familien),

    --- 1833 .......................... 102   “  ,

    --- 1841 ..........................  78   “  ,

    --- 1864 ..........................  54   “  , 

    --- 1871 ..........................  36   "  , 

--- 1880 ..........................  22   “  ,

--- 1890 ..........................  19   "  ,

    --- 1900 ..........................  17   “  ,

    --- 1925 ..........................   5   “  ,

    --- 1926 ..........................   keine.

Angaben aus: W.Angerbauer/H.G.Frank, Jüdische Gemeinden in Kreis und Stadt Heilbronn., S. 136

Um 1830 hatte die Zahl der jüdischen Bewohner in Korb mir mehr als 100 Personen ihren zahlenmäßigen Höchststand erreicht. Die Familien lebten in recht ärmlichen Verhältnissen; sie bestritten ihren Lebensunterhalt zumeist durch Vieh- und Kleinwarenhandel.

Doch ab Ende der 1830er Jahre war der jüdische Bevölkerungsanteil deutlich rückläufig; einige Familien wanderten nach Nordamerika aus, andere verzogen nach Adelsheim und Sennfeld. Im Jahre 1903 wurde die jüdische Gemeinde Korb aufgelöst und die noch im Dorf verbliebenen Juden der Kultusgemeinde Sennfeld angeschlossen.

Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem/Jerusalem sind neun aus Korb stammende Bewohner mosaischen Glauben der NS-Gewaltherrschaft zum Opfer gefallen (namentliche Nennung der betroffenen Personen siehe: alemannia-judaica.de/korb_synagoge.htm

 

Das als Synagoge genutzte Haus blieb bis 1926 im Besitz der letzten jüdischen Korber Familie; 1926 verließ diese die Ortschaft. Das Gebäude wurde weiterhin als Wohnhaus genutzt und ist bis heute erhalten.

             ehem. Synagogengebäude (Aufn. O.H., 2007, in: wikipedia.org, CCO)

 

[vgl. Sennfeld (Baden-Württemberg)]

 

Weitere Informationen:

Wilhelm Wetterauer, Die ehemalige Synagoge in Korb, Maschinenmanuskript, Adelsheim 1985

W.Angerbauer/H.G.Frank, Jüdische Gemeinden in Kreis und Stadt Heilbronn. Geschichte - Schicksale - Dokumente, in: "Schriftenreihe des Landkreises Heilbronn", Band 1, Hrg. Landkreis Heilbronn 1986, S. 134 - 138

Joachim Hahn/Jürgen Krüger, “Hier ist nichts anderes als Gottes Haus ...” Synagogen in Baden-Württemberg, Teilband 2: Orte und Einrichtungen, Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart 2007, S. 323/324

Korb, in: alemannia-judaica.de