Mitwitz (Oberfranken/Bayern)

Datei:Mitwitz in KC.svg Mitwitz mit derzeit ca. 3.000 Einwohnern ist ein Markt im Landkreis Kronach und heute Sitz der gleichnamigen Verwaltungsgemeinschaft (Karte Hagar, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Die zwischen Coburg und Kronach gelegene Ortschaft beherbergte vermutlich gegen Ende des 16.Jahrhunderts einige jüdische Familien; im sog. „Lehnbuch“ von 1595 sind erstmals Juden namentlich genannt; vor dem Dreißigjährigen Krieg sollen bis zu sieben Familien hier gelebt haben. In den beiden folgenden Jahrhunderten lassen sich dann drei bis vier Familien nachweisen; erst um 1780/1800 nahm ihre Anzahl deutlich zu. Als Schutzjuden der „Herren von Würtzburg“, die einer Ansiedlung von Juden positiv gegenüberstanden, waren sie diesen zu jährlichen Abgaben verpflichtet. Da in den sächsisch-thüringischen Fürstentümern eine Niederlassung für Juden lange Zeit verboten war, profitierte die Gemeinde Mitwitz von dieser Grenzlage.

Die jüdischen Familien lebten zunächst vor allem vom Geldverleih und vom Viehhandel. Im 18./19. Jahrhundert brachten es einige Juden zu größerem Ansehen. So war der Mitwitzer Abraham Seligmann (Alexander) in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Sachsen-Meiningischer Hofjude tätig und betrieb als solcher Geldgeschäfte in größerem Stil. In der napoleonischen Zeit besorgte ein Mitwitzer Jude umfangreiche Heereslieferungen für die „Grande Armee“.

1789 erlaubte die Grundherrschaft die Errichtung einer Synagoge, die noch im gleichen Jahre am Rande des Ortskern gebaut wurde; das Gebäude war auch Sitz der Elementar- und Religionsschule.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20322/Mitwitz%20AZJ%2030081847.jpg Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30.Aug. 1847

                             und Kleinanzeige aus "Würzburger Abendblatt" vom 2.Jan. 1866 http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20415/Mitwitz%20Ausschreibung%201865.jpg

Über einen eigenen Rabbiner verfügte die Gemeinde wegen ihrer geringen Angehörigenzahl  nicht; zu besonderen Anlässen reiste ein Rabbiner an. Bis 1825 gehörte die Gemeinde dem Distriktrabbibat Burgkunstadt an, danach dem von Redwitz.

Einen Friedhof besaß die Kultusgemeinde nicht; so wurden die Verstorbenen auf den jüdischen Begräbnisstätten in Küps und später in Burgkunstadt beerdigt.

Bis 1825 gehörte die Kultusgemeinde dem Distriktrabbinat Burgkunstadt an, danach dem von Redwitz.

Juden in Mitwitz:

         --- um 1615 .................. ca. 5 - 7 jüdische Familien,

    --- um 1800 .......................   17     “        “    ,

    --- 1820 ..........................  113 Juden (in 21 Familien),

    --- 1840 ..........................  119   “   (ca. 19% d. Bevölk.),

    --- 1852 ..........................   63   “   (ca. 10% d. Bevölk.),

    --- 1869 ..........................   36   “  ,

    --- 1880 ..........................    3   “  ,

    --- 1910 ..........................    keine.

Angaben aus: Klaus Guth (Hrg.), Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800 - 1942), S. 246

Die Blütezeit der Kultusgemeinde Mitwitz lag in den ersten Jahrzehnten des 19.Jahrhunderts, als die Zahl ihrer Angehörigen mit ca. 120 Personen etwa 20% der Dorfbevölkerung ausmachte. Die jüdischen Familien lebten im 19.Jahrhundert vom Vieh- und Warenhandel, aber auch von der Landwirtschaft und vom Handwerk.

Hinweis: Aus Mitwitz stammte David Bamberger (geb. 1811), der in Lichtenfels ein florierendes Korbwaren-Unternehmen schuf, das weit über die Grenzen bekannt wurde. vgl. dazu: Lichtenfels (Oberfranken)

Nach 1840 wanderten immer mehr Juden aus Mitwitz ab. Anfang der 1880er Jahre wurde die jüdische Gemeinde offiziell aufgelöst, nachdem bereits in den Jahren zuvor fast alle jüdischen Familien das Dorf verlassen hatten; nach 1887 lebte kein einziger Jude mehr am Ort. Das Synagogengebäude war vor dem Wegzug des letzten Juden aus Mitwitz an eine hiesige Familie verkauft worden, die es zu einem Wohnhaus (mit Laden) umbauen ließ..

Im historischen "Zapfenhaus" - im ehem. Anwesen der jüdischen Familie Friedmann "Am Grünen Tal" -  ist das ehemalige rituelle Tauchbad erhalten geblieben; es wurde jüngst zufällig wiederentdeckt. Das zunächst nur privat genutzte Bad (Keller-Mikwe) stand seit den 1820er Jahren den Angehörigen der jüdischen Gemeinde zur Verfügung; nach etwa 40jähriger Nutzung wurde es zu Gunsten eines neu geschaffenen Tauchbades aufgegeben.

In Mitwitz trägt eine Nebenstraße den Namen von Ludwig A. Freund, der durch zahlreiche Stiftungen sich als Wohltäter einen Namen im Ort gemacht hatte.

 

Weitere Informationen:

Einiges aus der Geschichte der Juden in Mitwitz – Vortragstext von Oberlehrer Joch von 1928 (online unter: Mitwitz auf den Punkt gebracht, mitwitz.de)

Klaus Guth (Hrg.), Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800 - 1942). Ein historisch-topographisches Handbuch, Bayrische Verlagsanstalt Bamberg, Bamberg 1988, S. 244 - 251

Siegfried Rudolph, Judentauchbäder in Mitwitz und Küps, in: Heimatkundliches Jahrbuch des Landkreises Kronach Bd. 18 (1990/91), S. 77 - 83

Israel Schwierz, Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern - Eine Dokumentation, Hrg. Bayrische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 1992, S. 230

M.Weiss, Die jüdische Landgemeinde Mitwitz unter besonderer Berücksichtigung des 18. und 19.Jahrhunderts, Examensarbeit an der Universität Bamberg, 1992

Friedrich Bürger, Aus der Geschichte von Mitwitz – Heimatgeschichtliches Lesebuch, 2003

Markt Mitwitz, in: alemannia-judaica.de (mit einigen Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Christian Porzelt, Informationen zur Mikwe in Mitwitz (siehe: Mitwitz, in: alemannia-judaica.de)

Rainer Domke, Former houses of the Wertheimer familiy, in: leopoldstein.net (einige Fotos)

Friedrich Bürger, 750 Seiten Mitwitz – Heimatbuch, Mitwitz 2012

Markt Mitwitz (Hrg.), Das historische „Zapfenhaus“ in Mitwitz – ein einzigartiges Denkmal soll erhalten werden – Flyer von 2017 (aktualisiert 2019)

Maria Löffler (Red.), Ludwig Spaenle zeigt sich beeindruckt vom Umgang mit jüdischen Erbe in Mitwitz, in: „Fränkischer Tag“ vom 25.7.2019