Ohlau (Schlesien)

 Im Jahre 1742 fiel die ca. 25 Kilometer südöstlich von Breslau gelegene Stadt Ohlau an Preußen; seit 1945 heißt die nun polnische Stadt Oława und hat derzeit ca. 33.000 Einwohner.

Jüdische Bewohner in Ohlau - im Fürstentum Brieg - wurden erstmals in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts erwähnt (in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1337); in den 1360er Jahren schienen sie aber von hier vertrieben worden zu sein; einige verloren im Laufe der antijüdischen Unruhen sogar ihr Leben. Über Ansiedlungen in der unmittelbaren Folgezeit liegen keine urkundlichen Belege vor. Erst seit dem 17.Jahrhundert sind in Ohlau wieder Juden nachweisbar; so werden sie um 1620 als Pächter der dortigen Münze genannt. Juden zogen vermehrt nach Ohlau zu, als das Dorf an Jacob Ludwig von Polen, den Sohn des polnischen Königs Johann II. Sobieski, verpfändet wurde; neben dem gepachteten Zollrecht besaßen Ohlauer Juden auch das Recht des Branntweinausschanks. Zeitweilig hielten sich auch jüdische Händler aus Zülz hier auf.

Stadtansicht Ohlau, um 1820

Das zunächst auf eine jüdische Familie (Samuel Löbel Steinmann) eingetragene, 1818 angelegte Friedhofsareal am Ortsrand ging 1833 als Schenkung in den Besitz der Synagogengemeinde über. Die Gemeinde war nach 1815 durch den Zuzug von Juden - vor allem aus Zülz - schnell angewachsen. Gottesdienste hielt die Gemeinde in angemieteten Räumen ab, die sich in einem Nebengebäude des Schlosses befanden.

Die wenigen jüdischen Familien in Wansen (poln. Wiazów) gehörten ebenfalls zur hiesigen jüdischen Gemeinde.

Juden in Ohlau:

         --- um 1725 ....................... wenige jüdische Familien,

    --- um 1740 .......................   keine,

    --- 1787 ..........................   7 Juden,

    --- 1800 ..........................  21   “  ,

    --- 1819 ..........................  32   "  ,

    --- 1830 ..........................  49   "  ,

    --- 1840 .......................... 141   “  ,

    --- 1849 .......................... 166   “  ,

    --- 1861 .......................... 210   “  ,

    --- 1871 .......................... 211   “  ,

    --- 1880 .......................... 203   “  ,

    --- 1895 .......................... 117   “  ,

    --- 1907 ..........................  72   “  ,

    --- 1913 ..........................  56   “  ,

    --- 1924/25 .......................  46   “  ,

    --- 1933 ...................... ca.  35   “  ,

    --- 1937 ..........................  26   “  ,

--- 1939 ..........................  18   “  .

Angaben aus: Bernhard Brilling, Die jüdischen Gemeinden Mittelschlesiens - Entstehung und Geschichte, S. 150

                 Zentrum von Ohlau, hist. Postkarte, um 1900 (Abb. aus: europa1900.eu)

Seit den 1880er Jahren war die Zahl der Gemeindemitglieder stark rückläufig. Zu Beginn der NS-Zeit lebten am Ort nur noch etwa 30 Juden.

Während der „Reichskristallnacht“ wurden der Betsaal und zwei Geschäfte jüdischer Besitzer zerstört.

Über das Schicksal der ca. 20 in Ohlau verbliebenen jüdischen Bewohner gibt es keine sicheren Informationen. Mehrere Ohlauer Juden wurden 1940 - via Breslau - in das Internierungslager bei Grüssau verbracht.

 

Der während der NS-Zeit unzerstört gebliebene Friedhof - er weist heute noch ca. 40 Grabsteine auf - verfiel nach 1945 zusehends. Um das Begräbnisgelände wieder in einen ansehenswerten Zustand zu bringen, wollen der thüringische Landesverband des Bundes der Vertriebenen (BdV), die Stadt Olawa und die Jüdische Gemeinde Wroclaw gemeinsam die Sanierung finanzieren. In jüngster Vergangenheit ist mit den Arbeiten begonnen worden.

File:Jewish cemetery in Oława 163a.jpg - Wikimedia Commons  File:Jewish cemetery in Oława 164.jpg


verwahrloster Friedhof in Oława (R. Niedźwiedzki, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0  - Aufn. M. Płoszaj, um 2010, aus: sztetl.org.pl)

2018 wurde auf dem jüdischen Friedhof eine Gedenktafel aufgestellt.

 

Weitere Informationen:

Bernhard Brilling, Die jüdischen Gemeinden Mittelschlesiens - Entstehung und Geschichte, Verlag Kohlhammer, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1972, S. 148 – 151

Oława, in: sztetl.org.pl

Krzysztof Bielawski, Oława, in: cmentarze-zydowskie.pl/olawa.htm

Jüdischer Friedhof in Ohlau bekommt Gedenktafel, in: Ost- u. Mitteldeutsche Vereinigung der CDU/CSU vom 1.6.2018