Rixheim (Elsass)

Kreis Altkirch.png Die Kleinstadt Rixheim mit derzeit ca. 14.000 Einwohnern liegt etwa fünf Kilometer östlich von Mülhausen/Mulhouse unweit vom Oberrhein (Abb. Ausschnitt aus hist. Landkarte).

Die Wurzeln einer jüdischen Gemeinde im oberelsässischen Rixheim liegen im 17.Jahrhundert. Im Laufe der Jahrzehnte wuchs die Zahl der Gemeindeangehörigen stetig an und erreichte im ersten Viertel des 19.Jahrhunderts mit etwa 380 Personen ihren Höchststand; die Familien wohnten anfangs vor allem im „Judengässle“, das später in „Rue des Berger“ umbenannt wurde. Ihren Lebenserwerb verdienten die jüdischen Familien zumeist im Handel mit Vieh und Landesprodukten; im Ort befanden sich drei koschere Metzgereien. 1763 erbaute die Rixheimer Judenschaft die erste Synagoge. Ab den 1860er Jahren gab es in Rixheim eine jüdische Elementarschule.

Bis 1910 war Rixheim Sitz eines Rabbinats.

Nach dem Weggang des langjährig in Rixheim tätigen Rabbiners Jacques Schwab (geb. 1831 in Wintzenheim) erschien in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums“ vom 23. Dezember 1873 die folgende Anzeige:

                                       Stellenangebot von Dezember 1873

Gegen Ende des 18.Jahrhunderts war ein eigener Friedhof angelegt worden, dessen ältester noch vorhandener lesbarer Grabstein aus dem Jahre 1797 stammt.

                                        alte Grabsteine (Aufn. M. Rothé)

Nach neuesten Erkenntnissen soll bereits um 1350 bei Rixheim ein jüdisches Beerdigungsgelände bestanden haben - zu einer Zeit, als in dem Ort selbst noch keine Juden lebten.

Juden in Rixheim:

         --- 1726 .........................  34 jüdische Familien,

--- 1784 .........................  50   “       “   (243 Pers.),

--- 1809 ......................... 362 Juden (ca. 16% d. Bevölk.),

    --- 1833 ......................... 372   “  ,

    --- 1846 ......................... 233   “  ,

    --- 1861 ......................... 263   “   (ca. 55 Familien),

    --- 1900 .........................  62   “  ,

    --- 1920 .........................  sehr wenige (?).

Angaben aus: Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, S. 46

Ab Mitte des 19.Jahrhunderts war auch in Rixheim eine starke Abwanderung der jüdischen Bevölkerung zu verzeichnen, die die relativ große israelitische Gemeinde innerhalb weniger Jahrzehnte zur Bedeutungslosigkeit werden ließ. In der Zeit des Ersten Weltkrieges war die Gemeinde in Auflösung begriffen. Nach Abwanderung fast aller jüdischen Familien wurde das Synagogengebäude aufgegeben und schließlich 1931 abgebrochen.

Nur der lange in Vergessenheit geratene Friedhof erinnert heute daran, dass Rixheim einst einen ansehnlichen jüdischen Bevölkerungsanteil besessen hat.

Von der Vegetation überwucherte Grabsteine (Aufn. J. Hahn, 2004)  

 

Weitere Informationen:

Francois Imbert, L'ancienne  communauté israélite de Rixheim, Auszug aus: Revue d'information municipale“ n°6/ 1977

Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, Jerusalem 1992

Gerd Mentgen, Studien zur Geschichte der Juden im mittelalterlichen Elsaß. Forschungen zur Geschichte der Juden, in: "Schriftenreihe der Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte der Juden e.V.", Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1995, S. 48 

Rixheim, in: alemannia-judaica.de