Rohrbach (Hessen)

Wetteraukreis Karte Rohrbach mit derzeit knapp 1.000 Bewohnern ist seit seiner Eingemeindung (1971) ein Stadtteil von Büdingen im Südosten des hessischen Wetteraukreises – ca. 25 Kilometer nordwestlich von Hanau/Main gelegen (Karte ortsdienst.de/hessen/wetteraukreis).

Jüdische Bewohner Rohrbachs wurden erstmalig um 1725 erwähnt; eine kleine Gemeinde soll sich dann 50 Jahre später gegründet haben. Gegen Ende des 19.Jahrhunderts gehörten ca. 20% der Ortsbewohner dem mosaischen Glauben an; in den 1920er Jahren waren es immerhin noch ca. 10%. Eine 1884 neu eingerichtete Synagoge in der Beundagasse verfügte insgesamt über 80 Plätze. Während sich bislang der Männer- und Frauenbereich auf zwei Räume im Erdgeschoss erstreckte, war nun eine Frauenempore im Obergeschoss eingebaut worden. Auf dem Hofgelände befand sich eine Mikwe.

Religiöse Aufgaben der Gemeinde erledigte zeitweise ein angestellter Lehrer.

 http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20155/Rohrbach%20Buedingen%20Israelit%2016061892.jpg aus der Zeitschrift „Der Israelit" vom 17.12.1891 u. 16.6.1892

Die verstorbenen Juden Rohrbachs wurden zunächst auf dem Friedhof in Düdelsheim beigesetzt. Ende der 1870er Jahre erwarb die Gemeinde ein eigenes Grundstück zur Anlage eines Friedhofs.

Die Gemeinde gehörte zum orthodoxen Provinzialrabbinat in Gießen.  

Juden in Rohrbach:

    --- um 1725 ................... ca. 15 Juden,

--- um 1830 ....................... 36   "  ,

--- 1861 .......................... 58   “ (ca. 15% d. Bevölk.),

--- 1880 .......................... 86   “ (ca. 22% d. Bevölk.),

--- 1900 .......................... 58   “  ,

    --- 1910 .......................... 48   “ (ca. 12% d. Bevölk.),

    --- 1925 .......................... 45   “  ,

    --- um 1933 .......................  8 jüdische Familien,

    --- 1939 .......................... ein Jude.

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 2, S. 230                      

Zu Beginn der NS-Zeit lebten noch ca. 35 jüdische Bewohner im Ort, die im Laufe der folgenden Jahre innerhalb Deutschlands verzogen bzw. auswanderten.

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge demoliert; die Thorarollen und Kultgegenstände wurden vermutlich gestohlen. Mit Ausnahme zweier Personen hatten 1939 alle jüdischen Bewohner Rohrbach verlassen; sie konnten ihr Leben durch Emigration (meist in die USA) retten.

Das ehemalige Synagogengebäude – es war 1938/1939 weit unter Wert an eine Privatperson veräußert worden - diente ab den 1950er Jahren zeitweise als Dorfschule; später wurde es dann zu einem Wohnhaus mit Ladengeschäft umgebaut.

Zur Erinnerung an das Schicksal der früheren jüdischen Gemeindeglieder ist am alten Rathaus in der Klostergasse seit 1990 eine Gedenktafel angebracht, deren Inschrift lautet:

Zur Erinnerung an die ehemalige Synagoge der jüdischen Gemeinde Rohrbach.

Erbaut 1884 und während der nationalsozialistischen Diktatur am 9. November 1938 verwüstet

und zum Gedenken an unsere verfolgten und ermordeten jüdischen Mitbürger.

 

Hinweis: Im gleichnamigen baden-württembergischen Rohrbach – seit 1927 Stadtteil von Heidelberg – bestand auch eine israelitische Gemeinde. [vgl. Heidelberg (Baden-Württemberg)]

 

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, FrankfurtM. 1971, Bd. 2, S. 230 f.

Thea Altaras, Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? Teil I, o.O. 1988, S. 193/194 und Teil II (1994), S. 156

Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt, hrg. vom Studienkreis Deutscher Widerstand, 1995, S. 314/315

Rohrbach/Hessen, in: alemannia-judaica.de