Tränheim (Elsass)

Die kleine unterelsässische Ortschaft Tränheim (frz. Traenheim) besitzt derzeit ca. 600 Einwohner; sie befindet sich ca. 20 Kilometer westlich von Straßburg und nördlich von Oberehnheim (Obernai).

Im Dorfe Tränheim war seit Beginn des 18. Jahrhunderts eine jüdische Gemeinde beheimatet, die nur wenige Familien umfasste. Gottesdienstliche Zusammenkünfte fanden zunächst in einem Betraum in einem Privathause statt; erst 1842 wurde hier eine Synagoge gebaut.

     Wiederentdeckte Bemalungen der alten Synagoge (Aufn. Bernard Meyer, um 1985)

Ihre Verstorbenen begrub die Gemeinde auf dem großen jüdischen Friedhof in Rosenweiler (Rosenwiller).

Der jüdische Friedhof in Rosenweiler/Rosenwiller ist der größte jüdische Friedhof im Elsass und zugleich einer der größten jüdischen Verbandsfriedhöfe in Mitteleuropa. Folgende israelitische Gemeinden aus dem Unter-Elsass bestatteten hier ihre Toten (teilweise haben diese Gemeinden im 18. oder 19. Jahrhundert dann eigene Friedhöfe angelegt): Balbronn, Baldenheim, Barr, Bergheim, Biesheim, Bischheim, Bonhomme, Brumath, Buswiller, Dambach, Dangolsheim, Diebolsheim, Dinsheim, Duppigheim, Duttlenheim, Eckbolsheim, Epfig, Ettingen, Fegersheim, Gunstett, Kaysersberg, Kolbsheim, Krautgersheim, Kuttolsheim, Lingolsheim, Molsheim, Mutzig, Niederehnheim, Oberehnheim, Oberschaeffolsheim, Osthofen, Niederottrott, Rosheim, Scharrachbergheim, Schirmeck, Stotzheim, Strasbourg, Valff und Zellweiler. Auf dem etwa 40.000 m² großen Begräbnisareal lassen sich nahezu 6.500 Grabstätten nachweisen.

Zeitweilig gehörte die kleine Gemeinde zum Rabbinatsbezirk Romansweiler.

Juden in Tränheim:

        --- 1784 .........................  6 jüdische Familien,

    --- 1807 ......................... 36 Juden,

    --- 1846 ......................... 60   “  ,

    --- 1861 ......................... 56   “  ,

    --- 1870 ......................... 51   “  ,

    --- 1910 ......................... 45   “  ,

    --- 1925 ......................... keine.

Angaben aus: Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, S. 41

Mit dem Wegzug der letzten jüdischen Familien aus Traenheim löste sich die israelitische Gemeinde Anfang der 1920er Jahre auf.

In einem aus dem Jahre 1582 stammenden Gebäude befand sich seit 1722/1723 die alte Synagoge; die Innenwände des Betsaals sind mit hebräischen Inschriften, Blumen und anderen Ornamenten bemalt (Anm.: Es soll die einzige Synagoge im Elsass sein, die derartige bemalten Innenwände aufweist). Als in den 1840er Jahren eine neue Synagoge bezogen und und die alte verlassen wurde, blieben deren bemalte Wände erhalten; später wurden sie von den Hausbesitzern übertüncht. Die Wandbemalungen in der alten Synagoge – das Haus war inzwischen als Kornspeicher genutzt worden - wurden im 20. Jahrhundert von der Familie des Besitzers wiederentdeckt und restauriert.

Modell: Giebelbereich der einstigen Tränheimer Synagoge (Ausstellungsstück im Jüdischen Museum des Elsass in Bouxwiller)

 

Weitere Informationen:

Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, Jerusalem 1992, S. 139

Bernhard Keller, La synagogue-grenier de Traenheim, in: Eliane de Thoisy (Hrg.), Le Judaisme Alsacien. Histoire, Patrimoine, Traditions, Straßbourg 1999, S. 32 - 35

Traenheim, in: alemannia-judaica.de