Trappstadt (Unterfranken/Bayern)

Datei:Trappstadt in NES.svg Trappstadt ist ein Markt mit derzeit ca. 1.000 Bewohnern im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Bad Königshofen (Karte Hagar, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Ein erster urkundlicher Hinweis auf die Anwesenheit eines Juden in Trappstadt stammt aus dem Jahre 1593; doch lebte eine jüdische Familie vermutlich bereits in der ersten Hälfte des 16.Jahrhunderts im Ort. Aus dem Jahre 1592 liegt eine Beschwerde des Amtmanns von Römhild vor, in der dieser über die vielen „gottlosen Juden“ in Trappstadt zu Felde zog und ihre Vertreibung aus dem Dorf forderte. Angeblich sollen damals etwa 40 Juden in Trappstadt gewohnt haben.

Für die beiden folgenden Jahrhunderte sind nur wenige Hinweise auf jüdisches Leben überliefert; wahrscheinlich waren nur wenige bzw. zeitweilig überhaupt keine Juden in Trappstadt ansässig. Erst Ende des 18.Jahrhunderts bildete sich eine jüdische Gemeinde, die um 1820 ihren zahlenmäßigen Höchststand erreichte und diesen bis in die 1890er Jahre hielt; etwa 9% der Gesamtbevölkerung waren zu dieser Zeit Juden.

Um 1800 besaß die kleine Judengemeinde auch ein zweigeschossiges Synagogengebäude in der Linsengasse; im Untergeschoss waren ein Schulraum und eine Mikwe, im Obergeschoss der Betraum untergebracht.                        

                                                                        Untergeschoss                                                                                                             Obergeschoss

Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweilig ein Religionslehrer angestellt.

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Stellenangebote aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24.Mai 1876 und vom 4.Dez. 1878

Ihre Verstorbenen begrub die Trappstädter Gemeinde lange Zeit auf dem jüdischen Friedhof in Kleinbardorf; erst ab den 1920er Jahren nutzte man den israelitischen Friedhof in Königshofen.

Juden in Trappstadt:

         --- um 1750 .......................  5 jüdische Familien,

    --- 1799 .......................... 35 Juden,

    --- 1816 .......................... 64   “  (ca. 9% d. Bevölk.),

    --- 1839 .......................... 69   “  (in 16 Familien),

    --- 1848 .......................... 60   "  ,

    --- 1867 .......................... 65   “  (ca. 10% d. Bevölk.),

    --- 1880 .......................... 56   "  ,

    --- 1890 .......................... 60   “  ,

    --- 1900 .......................... 38   “  ,

    --- 1910 .......................... 26   “  (ca. 4% d. Bevölk.),

    --- 1925 .......................... 15   “  ,

    --- 1933 .......................... 10   “  ,

    --- 1942 (Febr.) ..................  5   “  ,

             (Nov.) ...................  ein “ ().

Angaben aus: Michael Böckler, Juden in Trappstadt

und                Trappstadt, in: alemannia-judaica.de

Um 1900 ging die Zahl der in Trappstadt lebenden jüdischen Einwohner infolge Abwanderung stark zurück; 1933 lebten nur noch zehn Juden in Trappstadt. Diese hatten sich nach Auflösung ihrer Gemeinde der im benachbarten Königshofen angeschlossen (1937).

Das Synagogengebäude ging 1937 durch Verkauf - Verkaufspreis 300,- RM - in Privathand über. Während der „Kristallnacht“ vom 9. November 1938 soll es im Ort zu keinen gewalttätigen Ausschreitungen gekommen sein. Die letzten jüdischen Bewohner Trappstadts wurden im Frühjahr 1942 - via Würzburg - nach Izbica bei Lublin deportiert und kehrten von dort nicht mehr zurück. Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem/Jerusalem wurden nachweislich 15 gebürtige Trappstädter Juden Opfer des Holocaust. (namentliche Nennung der Opfer siehe: alemannia-judaica.de/trappstadt_synagoge.htm)

 

Das einstige Synagogengebäude wurde - nach längerem Leerstand - zunächst als Lagerhaus und ab 1960 als Wohnhaus genutzt; nach grundlegender Sanierung in den 1990er Jahren erinnert heute nichts mehr an die einstige Bestimmung des Gebäudes.

Marcus Goldman Als Sohn eines jüdischen Viehhändlers wurde Marcus Goldmann 1821 in Trappstadt geboren. Er wanderte Ende der 1840er Jahre nach Nordamerika aus; zunächst als Kleinhändler, wenig später als Bekleidungsgroßhändler in Philadelphia tätig, gründete er 1869 in New York eine kleine Firma, die anfänglich darauf spezialisiert war, Kunden-Schuldscheine von Tabak- und Diamantenhändlern in Manhattan aufzukaufen. Aus kleinsten Anfängen entwickelte sich dann ein Finanzunternehmen, das unter Beteiligung seines Schwiegersohns Samuel Sachs im Jahre 1882 zur Investmentbank Goldman & Sachs wurde. 1904 verstarb Marcus Goldmann. Heute arbeitet die Goldman & Sachs Group Corp. in allen führenden Finanzzentren auf der Erde und gilt - 150 Jahre nach ihrer Gründung - als größte (aber auch umstrittendste) Investmentbank der Welt.

 

Weitere Informationen:

Baruch Z.Ophir/Falk Wiesemann, Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918 - 1945, Oldenbourg-Verlag, München 1979, S. 411/412

Josef Sperl, Vom Ganerbendorf zur Marktgemeinde Trappstadt, Bad Königshofen/Trappstadt 1980

Israel Schwierz, Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation, Hrg. Bayrische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 1992, S. 126

Reinhold Albert, Geschichte der Juden im Grabfeld, in: "Schriftenreihe des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld e.V.", Heft 2/1996, Kleineibstadt 1996

Trappstadt, in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Michael Böckler, Juden in Trappstadt, Manuskript 2003

Cordula Kappner (Red.), Marcus Goldmann und der amerikanische Traum, in: „Main-Post“ vom 12.3.2008

Nikolaus Piper (Red.), Goldman Sachs. Die Legende aus Trappstadt, in: „Süddeutsche Zeitung“ vom 11.1.2019