Troisdorf (Nordrhein-Westfalen)

Datei:Troisdorf in SU.svg Mit mehr als derzeit 75.000 Einwohnern ist Troisdorf heute die größte Stadt im Rhein-Sieg-Kreis; sie liegt zwischen Köln und Bonn. Nach der kommunalen Neuordnung (1969) bestand Troisdorf aus zehn Ortschaften, aus denen inzwischen zwölf Stadtteile entstanden sind (Karte TUBS, 2008, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Bereits im hohen Mittelalter haben in Troisdorf vermutlich jüdische Familien gelebt; darauf weist eine legendäre Überlieferung hin, die sich um „Johänneken“, einen christlichen Troisdorfer Jungen, rankt. Danach soll Johänneken auf seinem täglichen Schulweg von Troisdorf nach Siegburg ermordet worden sein; ohne jeden Beweis wurde die Bluttat hiesigen Juden in die Schuhe geschoben. Im Verlaufe einer Hetzkampagne, die den Jungen als Märtyrer sah, sollen im Frühherbst 1287 knapp 20 Juden aus der Region ermordet worden sein. Die Gebeine des Johänneken wurden anfänglich im Kloster Michaelsberg als Reliquie aufbewahrt, kamen später - über Bonn - nach Siegburg zurück.

In Troisdorf existierte keine autonome Kultusgemeinde; die hier lebenden jüdischen Familien zählten zur jüdischen Gemeinde Siegburg und nutzten auch deren Synagoge.

[vgl. Siegburg (Nordrhein-Westfalen)]

Juden in Troisdorf:

        --- um 1900 .........................  ? Juden,

    --- 1933 (Jan.) ..................... 37   “  ,

    --- 1939 ............................ 21   “  ,

    --- 1941 ............................ 15   “  ,

    --- 1942/43 .........................  keine.

Angaben aus: Norbert Flörken, Troisdorf unterm Hakenkreuz

Anfang der 1930er Jahre wohnten in dem 10.000 Einwohner zählenden Städtchen Troisdorf nur knapp 40 Juden, die in wirtschaftlich bescheidenen Verhältnissen als Metzger und Kleinhändler lebten. Bereits drei Wochen vor dem offiziellen, reichsweit durchgeführten Boykott am 1.4.1933 erschienen vor den wenigen jüdischen Geschäften Siegburger SA-/SS-Leute und verboten den Geschäftsleuten jeden weiteren Verkauf. 1935 existierten in Troisdorf noch fünf Geschäfte mit jüdischen Eigentümern, so die beiden Metzgereien von Samuel Levy (Kirchstr.) und Familie Wolf (Frankfurter Straße).

In den Morgenstunden des 10.November 1938 kam es im Ort zu antijüdischen Ausschreitungen; ein Haus wurde dabei in Brand gesetzt, drei jüdische Männer wurden verhaftet. Mitte 1941 wurden die wenigen jüdischen Bewohner Troisdorfs zunächst in ein „Judenhaus“ eingewiesen, ehe sie von hier aus ins Lager Much „übersiedeln“ mussten.

Im sog. „Judenlager Much“ waren seit Juni 1941 alle noch im Kreisgebiet lebenden Juden konzentriert worden; ein ehemaliges Barackenlager des Reichsarbeitsdienstes - unmittelbar am Wahnbach gelegen - diente für ein Jahr mehr als 110 Juden als „Zwischenstation“ auf ihrem Wege in die Vernichtungslager. In vier Transporten wurden sie im Laufe des Jahres 1942 deportiert.

Im Jahre 2000 wurde zum Gedenken an die jüdischen NS-Opfer von Troisdorf am Mühlgraben ein Gedenkstein aufgestellt, der der Familie Cahn gewidmet ist.

Gedenkstein auf dem Jahnplatz. Bereits 15 Jahre vorher hatte die Stadt Troisdorf am Jahnplatz einen Gedenkstein als zentrales Mahnmal für alle NS-Opfer errichten lassen (Aufn. J. Schmitz, Stadt Troisdorf).

Angeregt durch die Idee des Künstlers Gunter Demnig wurden 2007/2008 auch in Troisdorf (mit Bergheim) sog. „Stolpersteine“ verlegt, die dem Vergessen entgegenwirken sollen; inzwischen sind es ca. 20 Steine (Stand: 2019).

Stolpersteine im Grotten.jpg verlegt Im Grotten (Aufn. Ulrich Jagusch, 2007, aus: wikipedia.org, CCO)

in der Bergstraße (Aufn. T., 2016, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0) Stolperstein Troisdorf Bergstraße 27 Max Marcus Hirsch Stolperstein Troisdorf Bergstraße 27 Selma Hirsch Stolperstein Troisdorf Bergstraße 27 Ilse Hirsch Stolperstein Troisdorf Bergstraße 27 Alfred Hirsch

 

Weitere Informationen:

Heinrich Linn, Juden an Rhein und Sieg, Siegburg 1983

Norbert Flörken, Troisdorf unterm Hakenkreuz - Eine rheinische Kleinstadt und die Nationalsozialisten, Alano-Verlag, Aachen 1986, S. 64 – 119 (Neuauflage 2013)

Helmut Schulte, Kleine Geschichte der Stadt Troisdorf. Daten und Fakten, Troisdorf 1999 (2.Aufl.)

Elfi Pracht, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil I: Regierungsbezirk Köln, Köln 1997

Quellen zur Geschichte Troisdorfs 1933 – 1945, in: Veröffentlichungen des Heimat- und Geschichtsvereins Troisdorf. e.V., Heft 7

Namen der jüdischen Bewohner von Troisdorf (Liste), online abrufbar unter: floerken.eu/tdfns2/listen/juden_wohnungen.htm

Stolpersteine Troisdorf, online abrufbar unter: stolpersteine.taxi-troisdorf.de

Auflistung der in Troisdorf verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Troisdorf