Strelno (Posen)

 Bildergebnis für strelno In der ca. 20 Kilometer südlich Hohensalzas/Inowraclaw gelegenen Ortschaft Strelno (poln. Strzelno, derzeit ca. 6.000 Einw.) sind Juden seit der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts nachweisbar. Die Ortschaft war bis 1772 im Besitz eines Klosters, das die Niederlassung von Juden an deren Konvertierung zum katholischen Glauben knüpfte; hiervon machten nur wenige Familien Gebrauch. Als dann Strelno preußisch und das Klosterbesitz säkularisiert wurde, wurden nun vermehrt Juden hier ansässig. Waren sie zunächst der jüdischen Gemeinde von Hohensalza angeschlossen, begann sich in den 1820er Jahren hier eine eigene Gemeinde zu bilden. Innerhalb nur weniger Jahrzehnte gehörten dieser mehr als 500 Personen an; die jüdischen Familien stellten damit etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung.

Im Jahre 1844 wurde in der Poststraße eine Synagoge errichtet, die einen aus den 1820er Jahren stammenden Betsaal ersetzte.

Kinder besuchten zumeist die zweiklassige jüdische Elementarschule, konnten aber auch nach 1905 gemeinsam mit christlichen Schülern eine koedukative Bildungseinrichtung aufsuchen.

Juden in Strelno:

--- 1779 ...........................  29 Juden (in 5 Familien),

--- 1812 ...........................  41   “  ,

--- 1831 ........................... 119   “   (ca. 7% d. Bevölk.)

--- 1849 ........................... 405   “   (ca. 16% d. Bevölk.),

--- 1860 ........................... 538   “   (ca. 19% d. Bevölk.),

--- 1885 ........................... 431   “  ,

--- 1895 ........................... 276   “   (ca. 6% d. Bevölk.),

--- 1905 ........................... 151   “  ,

--- 1913 ........................... 141   “  ,

--- 1921 ...........................  61   “   (ca. 1% d. Bevölk.),

--- 1933 ...........................  50   “  .

Angaben aus: Strzelno, in: sztetl.org.pl

                                         https://a.allegroimg.com/original/0cda74/d88285e649f8a770ffd26b470caeMarktplatz vov Strelno, Postkarte um 1905

Ab den 1870er Jahren verringerte sich die Zahl der Gemeindmitglieder deutlich.

Als Strelno zum polnischen Staatsgebiet kam, war die einst zahlenmäßig große Gemeinde zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken. Um das religiöse Leben einigermaßen aufrecht zu erhalten, kam gelegentlich der Rabbiner aus Hohensalza, der dann seine Aufgabe auf einen am Ort lebenden Juden übertrug. Die Inkorporierung in die Hohensalzaer Gemeinde (1932) bedeutete schließlich das Ende der jüdischen Gemeinde Strelno.

In den ersten Kriegsmonaten wurden die verbliebenen jüdischen Bewohner verschleppt bzw. ermordet; Friedhof und Synagoge wurden zerstört.

 

Am Gebäude der früheren jüdischen Schule erinnert seit 2007 eine Gedenkplatte.

Auf dem Areal des jüdischen Friedhofs erinnern nur wenige steinerne Relikte an die einstige Gemeinde; seit 2013 steht hier ein Gedenkstein, der das Gelände als ehemalige jüdische Begräbnisstätte ausweist.

                                 Gedenkstein auf dem ehem. Friedhofsgelände (Aufn. 2013, aus: kirkuty.xip.pl)

 Albert Abraham Michelson wurde 1852 in Strelno als Sohn jüdischer Eltern geboren. Als er zwei Jahre alt war, wanderte die Familie in die USA aus. Nachdem er zunächst eine Ausbildung in der US-Marine gemacht hatte, begann seine universitäre Karriere. Auf dem Gebiete der Physik (Messung der Lichtgeschwindigkeit) machte er sich bald einen Namen. Als erster Amerikaner erhielt er 1909 den Nobelpreis für Physik. Abraham Michelson starb 1931 in Kalifornien.

 

Weitere Informationen:

A.Heppner/J.Herzberg, Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüdischen Gemeinden in den Posener Landen, Koschmin - Bromberg 1909, S. 429 – 491

Darius Karczewski, Ursprünge der jüdischen Gemeinde in Strzelno (1772/1773 -1815), in: Darius Kurzawa (Bearb.), Albert Abraham Michelson-Nobelpreisträger von Kujaw. Studien und Materialien, Strzelno 2007

Jacek Sech, Strzeleńscy Juden im 19. und 20. Jahrhundert, in: Darius Kurzawa (Bearb.), Albert Abraham Michelson - Nobelpreisträger von Kujaw. Studien und Materialien, Strzelno 2007

Thomas Kawski, Jüdische Gemeinden im angrenzenden Großpolen, Masowien und Pommern in den Jahren 1918 - 1942, Torun 2007

Strzelno, in: sztetl.org.pl

K. Bielawski (Red.), Strzelno, in: kirkuty.xip.pl