Striegau (Schlesien)

In der nordwestlich von Schweidnitz liegenden Ortschaft Striegau (poln. Strzegom, derzeit ca. 16.000 Einw.) bestand schon in der Zeit der böhmischen Könige eine jüdische Gemeinde. 1401 kam es in der Stadt zu einem Pogrom, bei dem ca. 70 Juden ermordet wurden. Um die Mitte des 15.Jahrhunderts wurde dann die etwa 100 Personen zählende Judenschaft wegen angeblichen Hostienfrevels aus der Stadt vertrieben bzw. ermordet, die Synagoge 1455 in die Barbara-Kirche umgewandelt. Dieses Kirchengebäude ist bis auf den heutigen Tag vorhanden.

        Barbara-Kirche, ehemals Synagoge (Aufn. aus: strzegom.pl)

Erster jüdischer Bewohner in Striegau war der im Jahre 1812 sich hier niedergelassene, aus Glogau stammende Itzig Feibel. Im Laufe der Folgejahrzehnte kamen weitere Familien hinzu. Anfang der 1840er Jahre bildete sich in der Stadt eine israelitische Gemeinde (zunächst Filialgemeinde von Schweidnitz), die über einen 1815 angelegten Friedhof und ab 1846 auch über ein Bethaus verfügte.

Juden in Striegau:

--- 1849 ..........................  29 Juden,

--- 1871 ..........................  62   “  ,

--- 1880 ...................... ca. 140   “  ,

--- 1900 .......................... 115   “  ,

--- 1925 .......................... 109   “  ,

--- 1933 ...................... ca.  75   “  ,

--- 1937 ..........................  17   “  ,

--- 1939 ..........................   2   “  ,

--- 1946 ...................... ca. 230   “  ,

--- 1948 (Febr.) .............. ca. 500   “  ,

--- 1949 (Jan.) ............... ca. 260   "  .

Angaben aus: Strzegom, in: sztetl.org.pl

Datei:Schlesien striegau rathaus.pngRathaus von Striegau (hist. Postkarte, um 1930, aus: wiki-de/genealogy.net)

Die um 1880 etwa 140 Angehörige zählende Gemeinde, der Juden aus dem gesamten Kreisgebiet angehörten, wurde danach infolge Abwanderung immer kleiner; 1900 waren es noch 115 Personen, zu Beginn der NS-Zeit nur noch etwa 75. Wenige Jahre später löste sich die Gemeinde ganz auf.

Während der „Kristallnacht“ wurden die drei noch bestehenden jüdischen Geschäfte zerstört; einigen Bewohnern gelang noch die Emigration. Die wenigen in der Stadt verbliebenen mussten alsbald den Weg in die Deportation antreten; über ihr weiteres Schicksal ist zumeist nichts bekannt.

 

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Strzegom zu einem Ort jüdischer Ansiedlung in Niederschlesien. 1946 hielten sich ca. 230 Juden in der Stadt auf; ein Jahr später hatte sich deren Anzahl verdoppelt. In dieser Zeit entwickelte sich hier jüdisches Leben mit zahlreichen Organisationen. Ein Merkmal dieser jüdischen Gemeinschaft war die Bildung von Genossenschaften. Ab Ende der 1940er Jahre verließen die meisten Juden die Stadt und emigrierten.

Der kleine jüdische Friedhof von Striegau, der völlig in Vergessenheit geraten und von der Vegetation überwuchert war, ist unlängst wieder seitens einer deutsch-polnischen Initiative freigelegt worden; die ca. 80 noch vorhandenen Grabsteine wurden aufgerichtet.

Studenten bei Kartierungsarbeiten auf dem jüdischen Friedhof (Aufn. 2012, aus: sztetl.org.pl)

 

Weitere Informationen:

Bernhard Brilling, Die jüdischen Gemeinden Mittelschlesiens - Entstehung und Geschichte, Verlag Kohlhammer, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1972

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust, New York University Press, Washington Square, New York 2001, Vol. 3, S. 1252

Strzegom, in: sztetl.org.pl

Małgorzata Frąckowiak (Red.), Strzegom, in: kirkuty.xip.pl