Stampfen/Stupava (Slowakei)
Etwa 20 Kilometer nördlich von Preßburg (Bratislava) liegt die Ortschaft Stampfen, das heutige Stupava (ung. Stomfa) mit derzeit ca. 12.500 Einwohnern (Kartenskizze 'Slowakei' mit Stupava rot markiert, M. Pröhl, 2006, aus: wikipedia.org. CC BY-SA 3.0).
Vermutlich waren schon im Spätmittelalter vereinzelt jüdische Familien in Stampfen ansässig bzw. hielten sich hier vorübergehend auf. Möglicherweise fanden mehrere, aus Preßburg vertriebene jüdische Familien hier Schutz (1526). Gesicherte urkundliche Hinweise auf dauerhafte Ansässigkeit liegen aber seit der ersten Hälfte des 17.Jahrhunderts vor. Seit den 1720er Jahren waren die hier lebenden Familien durch ein besonderes Privileg der Grafen Pálffy geschützt, das ihnen religiöse Freiheit und wirtschaftliche Rechte einräumte. Auch ein Sohn des bekannten Rabbi Jonathan Eibenschitz - namens Mordechai (geb. 1730) - war in Stampfen zeitweilig ansässig.
Mit der Zuwanderung von Familien aus Mähren vergrößerte sich die jüdische Gemeinschaft zu Beginn des 18.Jahrhunderts; in den 1820er Jahren erreichte die Zahl der Gemeindeangehörigen mit mehr als 800 Personen ihren Höchststand.
Eine Synagoge (im sog. ‚polnischen Stile’) - mitten im Dorfe gelegen - wurde im Jahre 1803 eingeweiht.
Eine jüdische Elementarschule öffnete im Jahre 1860 ihre Pforten; diese besuchten auch Kinder aus christlichen Familien.
Die Anlage eines jüdischen Friedhofs erfolgte vermutlich bereits in der ersten Hälfte des 17.Jahrhunderts; das zunächst im Besitz der Ortsherrschaft befindliche Gelände ging 1722 als Eigentum an die jüdische Gemeinde über.
Juden in Stampfen/Stupava:
--- 1736 ...................... 128 Juden,
--- 1828 ...................... 819 “ (ca. 25% d. Bevölk.),
--- um 1910 ............... ca. 300 “ ,
--- 1919 .................. ca. 260 " ,
--- 1930 ..................... 232 " (ca. 6% d. Bevölk.)
--- 1940 .................. ca. 190 “ ,
--- 1948 ...................... 16 " .
Angaben siehe: The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 3), S. 1256
und aus: jewishgen.org/yizkor/pinkas_slovakia/slo377.html
In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts setzte verstärkte Abwanderung in die größeren Städte (vor allem nach Preßburg/Bratislava und auch nach Wien) ein; am Vorabend des Ersten Weltkrieges lebten noch etwa 300 Bewohner mosaischen Glaubens im Ort.
Mit der Etablierung des slowakischen Staates begann auch in Stampfen/Stupava die Entrechtung und Verfolgung der jüdischen Minderheit. Zwangsarbeit und Deportation - beginnend Ende März 1942 - bestimmten die Jahre 1942/1944; fast alle Juden des Ortes wurden Opfer der Shoa.
Die Synagoge in Stampfen - eine der ältesten jüdischen Sakralbauten auf dem Gebiet der Slowakei – verfiel jahrzehntelang. Dank der Bemühungen der gemeinnützigen Organisation „JEWROPE“ konnte dieses historisch und architektonisch wertvolle Denkmal jüdischer Ortsgeschichte durch eine 2009 durchgeführte Restaurierung der Nachwelt erhalten werden.
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Synagogengebäude vor und nach der Sanierung (Aufn. Prskavca, 2005, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0 und Dublin 2024, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)
Innenraum (Aufn. Ruth Ellen Gruber, 2013, aus: hadassahmagazine.org)
Das Gebäude soll künftig kultureller Nutzung dienen; so ist hier auch eine Dokumentation zur jüdischen Geschichte der Region geplant.
Ein relativ großes Friedhofsgelände mit zahlreichen erhaltenen Grabsteinen aus dem 17. bis 20.Jahrhundert erinnert noch heute an die ehemalige jüdische Gemeinde Stampfens/Stupavas; die meisten Grabsteine tragen hebräische Inschriften. Die meisten der weit mehr als 1.000 Grabsteine tragen hebräische Inschriften; der älteste noch vorhandene Stein datiert 1811.
Teilansicht des jüdischen Friedhofs (Aufn. aus: esjf-cemeteries.org/)
Weitere Informationen:
The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 3), New York University Press, Washington Square, New York 2001, S. 1256
Yocheved Klausner (Bearb.), Stupava, Slovakia, hrg. Yad Vashem/Jerusalem 2003 (Übersetzung aus: Pinkas Hakehillot Slovakia)
Maros Borský, Synagogue Architecture in Slovakia towards creating a memorial landscape of lost community, Dissertation (Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg), 2005, S. 134/135
Stupava Synagogue, online abrufbar unter: slovak-jewish-heritage.org
World Monument Fund (Red.), Stupava Synagogue, online abrufbar unter: wmf.org/projects/stupava-synagogue
The Jewish Community of Stupava (Stampfen, Stomfa) in Slovak Republik, online abrufbar unter: geni.com/projects/The-Jewish-Community-of-Stupava-Stampfen-Stomfa-in-Slovak-Republik/14770
Daniel Polakovic/Tomas Stern (Bearb.), History of Jewish Community – Dejiny Zidovskej Komuinity v Stuipave, online abrufbar unter: synagogastupava.sk/en/historia/dejiny-zidovskej-komunity/ (in englischer Sprache)