Wartenburg/Ermland (Ostpreußen)

Datei:Allenstein Kirchspiele.png Die um 1365 gegründete Kleinstadt Wartenburg, im Kreis Allenstein gelegen, entwickelte sich im Schutze einer Burg. Es ist die heutige polnische Stadt Barczewo mit derzeit ca. 7.400 Einwohnern (Kartenskizze: Fritz Loseries, aus: wiki-de.genealogy.net).

Die kleine jüdische Gemeinde von Wartenburg entstand nach 1815. Um 1845/1850 errichtete die Gemeinde ihre Synagoge in der Passenheimer Straße.

Barczewo, synagoga, 1988.jpg

ehem. Synagogengebäude vor und nach der Sanierung (Aufn. 2007, aus: wikipedia.org, CCO)

Der jüdische Friedhof, der gegen Mitte des 19.Jahrhunderts angelegt wurde, befand sich an der Guttstädter Straße.

Juden in Wartenburg:

    --- 1815 ........................ wenige Juden,

    --- 1836 ........................    40    “  ,

    --- 1849 ........................    32    “  ,

    --- 1861 ........................    77    “  ,

    --- 1871 ........................   104    “  ,

    --- 1880 ........................   111    “  (2,5% d. Bevölk.),

    --- 1895 ........................    94    “  ,

    --- 1905 ........................    62    “  ,

    --- 1925 ........................    56    “  ,

    --- 1933 ........................    40    “  ,

    --- 1939 ........................    23    “  .

Angaben aus: Aloys Sommerfeld, Juden im Ermland - Ihr Schicksal nach 1933, S. 73

Bildergebnis für wartenburg BarczewoÄhnliches Foto

Zentrum von Wartenburg  -  hist. Aufn. um 1910/1920 (Quelle: Kreisgemeinschaft Allenstein e.V.)

In den 1870er Jahren erreichte die Wartenburger Gemeinde ihren personellen Zenit mit mehr als 100 Angehörigen. In den Folgejahrzehnten war dann eine stete Abnahme der jüdischen Ortsbevölkerung zu verzeichnen.

Offenen Antisemitismus gab es in Wartenburg vor 1933 kaum; zwischen der christlichen Bevölkerungsmehrheit und der jüdischen Bevölkerungsminderheit soll ein unverkrampftes Verhältnis bestanden haben. Die jüdischen Bewohner der Kleinstadt lebten allerdings recht zurückgezogen. Zu Beginn der NS-Zeit wohnten in Wartenburg nur noch 40 Juden. Wer nicht rechtzeitig emigrieren konnte, der wurde später deportiert.

In den Novembertagen 1938 blieb das Wartenburger Synagogengebäude unzerstört, weil es bereits ein Jahr zuvor von der Gemeinde an einen privaten Käufer veräußert worden war. (Anm.: Während der Kriegsjahre waren im ehemaligen Synagogengebäude Häftlinge des Zuchthauses Wartenburg untergebracht.) 

Das einstige Synagogengebäude, das nach 1945 immer mehr verfiel, wurde zwischenzeitlich von einem kleinen Textilbetrieb genutzt. Ab Ende der 1990er Jahre erfolgte eine grundlegende Sanierung des nun unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes; gegenwärtig ist hier eine Kunstgalerie untergebracht.

Die jüdische Begräbnisstätte in Wartenburg, die in der NS-Zeit der Zerstörung anheim fiel, ist in eine Grünfläche ungewandelt worden; inmitten befindet sich ein Gedenkstein. Einige wiederaufgefundene Grabsteine werden im Museum der Kommune aufbewahrt.

 

[vgl. Allenstein (Ermland)]

 

Weitere Informationen:

Ronny Kabus, Juden in Ostpreußen, Husum 1998

Aloys Sommerfeld, Juden im Ermland - Ihr Schicksal nach 1933, in: "Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands", Beiheft 10/1991, Münster 1991, S. 73 - 76

Aloys Sommerfeld, Juden im Ermland, in: M.Brocke/M.Heitmann/H.Lordick (Hrg.), Zur Geschichte und Kultur der Juden in Ost- und Westpreußen, Georg Olms Verlag, Hildesheim/u.a. 2000, S. 87 ff.

Barczewo, in: sztetl.org.pl