Weruschau (Posen)

Jüdische Gemeinde - Kempen (Posen)W(i)eruschau (vorher auch Werstadt) – wenige Kilometer östlich von Kempen/Kepno (im äußersten SO der Provinz Posen) und nur kurzzeitig unter preußischer Herrschaft - ist das poln. Wieruszów mit derzeit ca. 8.600 Einwohnern (Ausschnitt aus hist. Landkarte mit W. am rechten Kartenrand, aus: wikipedia.org. gemeinfrei)

Im beginnenden 17.Jahrhunderts ist erstmals die Anwesenheit von Juden in Weruschau dokumentiert, die zunächst der nahen Judengemeinde von Kempen angeschlossen waren. Eine selbstständige Gemeinde bildete sich hier erst zwei Jahrhunderte später (um 1810). Um 1850 wurde in der Stadt eine Synagoge errichtet.

Eine jüdische Begräbnisstätte war bereits mit Beginn der dauerhaften Siedlungstätigkeit zu Anfang des 19.Jahrhunderts angelegt worden.

Vor dem Ersten Weltkrieg bestand in Weruschau eine jüdische Elementarschule für Mädchen; die Jungen hingegen besuchten religiös-ausgerichtete Einrichtungen (Jeschiva, Seder).

In Weruschau sollen im beginnenden 20.Jahrhundert mehr als 2.000 Juden gelebt haben; sie stellten damit mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Dabei konnten damals verschiedene Strömungen des Zionismus bei der jüdischen Bevölkerung starken Einfluss gewinnen.

Bei der Einnahme der Stadt durch deutsche Truppen (Sept. 1939) wurden zehn jüdische Männer wegen Sabotage exekutiert, zahlreiche andere von den Okkupanten abtransportiert.


                         Gruppe jüdischer Männer in Wieruszów (Sept. 1939)                                                    Abtransport (Sept. 1939)

Noch im September 1939 wurde die Synagoge (links im Bild) zerstört. Bildergebnis für Wieruszów synagoga

Im Herbst 1941 richteten die deutschen Okkupationsbehörden in der Stadt ein Ghetto ein, in das mehrere tausend Juden der Region eingewiesen wurden. Das Ghetto bestand bis Sommer 1942. Bei dessen Liquidierung wurden ältere und kranke Menschen vor Ort ermordet; die übrigen verfrachtete man nach Kulmhof (oder Auschwitz-Birkenau ?).

Nur wenige Juden aus Weruschau überlebten den Holocaust und kehrten nur kurzzeitig an ihren Heimatort zurück; weil sie hier seitens der einheimischen polnischen Bevölkerung Anfeindungen ausgesetzt waren, verließen sie den Ort bald wieder.

Vom jüdischen Friedhof, der im Zusammenhang der Liquidierung des Ghettos (1942) der Zerstörung anheim fiel (zahlreiche Grabsteine wurden zum Wegebau verwendet), sind nur noch spärliche Relikte übrig geblieben.

                    

                                                   Grabsteinrelikte (Aufn. Piotr Solle und Tomasz Szwagrzak, aus: kultura.lodz.pl)

Auf dem Gelände befindet sich ein Massengrab, in dem etwa 90 Juden verscharrt wurden, die während der Liquidation des Ghettos umkamen. An dieser Stelle befindet sich heute ein Gedenkstein.

 

 

Weitere Informationen:

A.Heppner/J.Herzberg, Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüdischen Gemeinden in den Posener Landen, Koschmin - Bromberg 1909

Wieruszów, in: sztetl.org.pl

Jakub Taranek (Bearb.), Jewish cemetery in Wieruszow, in: kirkuty.xip.pl

Jewish history of Wieruszow, Hrg. Beit Hatfutsot - The Museum of the Jewish People, online abrufbar unter: dbs.bh.org.il/place/wieruszow